Alkoholreste richtig lagern

zuletzt aktualisiert: 03.01.2020 | 11:44 Uhr

Wein lagern, Weinlagerung 1 min
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MDR JUMP Di 02.01.2018 02:10Uhr 01:01 min

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Bei Bier und Sekt stellt sich die Frage nach einer Reste-Lagerung nur ein paar Stunden. Denn ist die Kohlensäure erstmal entwichen, werden die Getränke schlicht schal. Daran ändert bei Sekt auch der oft beschworene Silberlöffel nichts, der kopfüber in den Flaschenhals gesteckt wird. Theoretisch soll das Silber des Löffels die Wärme aus der Flasche schnell ableiten. Das soll dafür sorgen, dass möglichst viel Kohlensäure im Sekt gelöst bleibt.

Alle wissenschaftlichen Untersuchungen haben aber ergeben, dass der Effekt kaum messbar ist. Es bringt praktisch rein gar nichts. Wenn du schon Sekt aufhebst, dann nutze einen möglichst luftdichten Flaschenverschluss und stell den Sekt über Nacht in den Kühlschrank. Wie aber verfährst du mit dem gutem Whisky oder dem leckeren Likör? Wie werden Alkoholreste so gelagert, dass sie möglichst lange schmecken und genießbar bleiben?  

Alkohol reagiert mit Sauerstoff

Nur ganz wenige Flaschen, egal ob Wein, Sekt oder Whisky, halten so dicht, dass dort über Jahre kein Sauerstoff rankommt. Ist die Flasche erstmal angebrochen, reagiert der Alkohol mit Sauerstoff. Es findet eine Oxidation statt. Diese verändert alkoholische Getränke. Das Getränk verliert an Geschmack, wird bitter oder schal und teilweise farblos. Alle Eigenschaften, die du sonst an einem Eierlikör oder einem Vermouth liebst, kann so verloren gehen. Weitere Feinde von Geschmack und Konsistenz sind Wärme und Licht. Die Energie, die hier dem Flaschenrest zugeführt wird, beschleunigt die Reaktionsprozesse. Außerdem verdunstet so auch mehr Alkohol aus der Flasche. Alkohol ist aber ein wichtiges Lösungsmittel für die Geschmacksstoffe.

Edelgas gegen die Oxidation?

Sektflaschen
Bei niedrigprozentigen Getränken wie Wein und Sekt beträgt die Haltbarkeit von geöffneten Flaschen nur ein paar Tage - und auch nur, wenn sie möglichst im Kühlschrank gelagert werden. Bildrechte: IMAGO

Es gibt Flaschenaufsätze, mit denen Gase wie Stickstoff oder Argon in die angebrochene Flasche gepresst werden. Dadurch wird der Sauerstoff verdrängt, die Oxidation stark verlangsamt. Barkeeper René Fechner aus Leipzig hält davon nichts. "Erstens kostet so eine Gaskartusche bis zu 120 Euro. Das übersteigt in den meisten Fällen ja den Wert des Getränkes. Zweitens musst du die Flasche nach jedem Öffnen wieder mit dem Gas befüllen. Das ist einfach zu umständlich und für den Hausgebrauch nicht sinnvoll."

Die Prozente machen den Unterschied

So richtig schlecht kann gerade hochprozentiger Alkohol eher selten werden. Ab 30 Prozent kann Whisky, Korn und Wodka schon noch ein bis zwei Jahre im angebrochenen Zustand überstehen. "Selbst der beste Verschluss ist nicht so dicht, dass nicht doch ein Austausch von Luft und Sauerstoff stattfindet. Und in den angebrochenen Flaschen reagiert eben der Sauerstoff auch mit dem besten Whisky und verändert ihn", erklärt unser Experte. Bei Spirituosen unter 30 Prozent sollte man nicht länger als ein halbes Jahr warten. Zwar konserviert bei Eierlikör und vielen Fruchtlikören zusätzlich zum Alkohol auch noch der Zucker, aber auch hier kommt es zu Abbauprozessen und die Liköre verlieren an Geschmack. "Gerade wenn bei Likören noch Sahne dazu kommt, solltest du diese relativ zeitnah austrinken. Sonst kann das bitter werden und im Geschmack kippen“, so unser Experte.

Bei niedrigprozentigen Getränken wie Wein und Sekt beträgt die Haltbarkeit von geöffneten Flaschen nur ein paar Tage - und auch nur, wenn sie möglichst im Kühlschrank gelagert werden. Ansonsten reagieren beim Wein die Aromastoffe mit Sauerstoff, der Wein wird sauer oder schal und verliert an Geschmack. Beim Sekt entweicht mit der Zeit die für den prickelnden Geschmack notwendige Kohlensäure. Bier hat in der Regel noch weniger Alkohol-Prozente. Angebrochene Flaschen sollten fest verschlossen im Kühlschrank gelagert werden. An ein frisches geöffnetes Bier kommen sie in keinem Fall mehr ran. Das gilt auch für Biermischgetränke.

Auf den Füllstand kommt es an

Für die Reaktion mit Sauerstoff ist die Größe der Kontaktfläche wichtig. Daher reagiert Alkohol in einer fast leeren Flasche viel schneller, als wenn nur wenige Zentimeter aus der Flasche fehlen. Steht also der Alkohol noch im Flaschenhals, dann kannst du das Getränk entsprechend länger aufheben. Bei besonders teuren Getränken kann der Füllstand auch durch das Auffüllen mit kleinen Glaskugeln wieder erhöht und so möglichst viel Sauerstoff aus der Flasche verdrängt werden.

Immer schön aufrecht

Auch wenn es toll aussieht, Flaschen schön liegend im Regal zu lagern, bei schon mal geöffneten Flaschen ist das definitiv die falsche Methode. "Der Alkohol greift Korken oder auch den Metallverschluss mit Kunststoffplättchen mit der Zeit an. Nur bei Wein und Sektflaschen, die noch original verschlossen sind, kann da nichts passieren", sagt Barkeeper René Fechner. Bei Wein mit Naturkorken wird sogar eine liegende Lagerung empfohlen, damit der Korken nicht austrocknet und so Sauerstoff an den Wein gelangen kann.

Nach Bedarf öffnen

Um möglichst viel Genuss an seinen Spezialitäten zu haben, empfiehlt es sich, sie relativ schnell auszutrinken. Deshalb solltest du für eine Feier lieber wenige Flaschen öffnen und entsprechend leeren. Öffnest du viele Sorten, stehen am Ende eben auch viele geöffnete Flaschen lange rum und verlieren an Qualität.

Die Tipps im Überblick 1. Lagere angebrochene Flaschen möglichst kühl und dunkel, im Keller oder dem Kühlschrank.
2. Je mehr Volumenprozente Alkohol das Getränk hat, desto länger lässt es sich nach der ersten Öffnung lagern. Aber auch der hochprozentigste Whisky oder Wodka verliert mit der Zeit an Geschmack.
3. Je leerer die Flasche, desto schneller kann der Inhalt ungenießbar werden.
4. Eine geöffnete Flasche wird nie wieder richtig dicht und sollte aufgestellt werden.
5. Öffne nur so viele Flaschen, wie du zeitnah auch leeren kannst.
6. Der Löffel in der Flasche sorgt nicht für längere Haltbarkeit!

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 02. Januar 2018 | 10:45 Uhr

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