Rauchmelder können Leben retten: Auf welche kann man sich verlassen?

20.12.2018 | 02:10 Uhr

Figur aus Streichhölzern 1 min
Bildrechte: colourbox

MDR JUMP Do 20.12.2018 02:10Uhr 01:03 min

Audio herunterladen [MP3 | 989,6 KB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 1,9 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.jumpradio.de/thema/quicktipp/lebensretter-rauchmelder-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

700 Menschen in Deutschland kommen jedes Jahr bei Wohnungsbränden ums Leben. Sehr viele von ihnen sterben nachts. Todesursache sind häufig nicht das Feuer und Hitze selbst, sondern tödliche Rauchgase. Die bekommen schlafende Menschen aber nicht mit, weil ihr Geruchssinn nicht aktiv ist. Rauchmelder könnten in vielen Fällen die tödliche Gefahr abwenden. Sie erkennen starke Rauchentwicklung und warnen mit schrillen Alarmtönen. Wir geben Tipps, welche Rauchmelder am besten warnen und worauf man beim Kauf achten sollte.

In Sachsen sind Rauchmelder nicht flächendeckend Pflicht

Eine allgemeine Rauchmelder-Pflicht gibt es in Deutschland nicht, weil das Ganze unter das Baurecht fällt und damit Ländersache ist. Die Bundesländer haben dazu aber eigene Vorschriften erlassen. Werden Häuser oder Wohnungen saniert oder neu gebaut, müssen darin in Thüringen und Sachsen-Anhalt schon seit 2008 bzw. 2009 Rauchmelder angebracht werden.

In Sachsen-Anhalt haben gehörlose Menschen nach dem Baurecht zusätzlich noch einen Anspruch auf Rauchmelder mit optischen Signalen.

Carsten Wege, Bundesverband Brandschutz-Fachbetriebe e.V. (BVBF) Berlin

In Sachsen gilt die Pflicht für Neu- und Umbauten seit Anfang 2016. In Sachsen-Anhalt und Thüringen müssen zudem auch bestehende Häuser und Wohnungen nachgerüstet werden. Dafür gilt in Thüringen eine Frist bis Ende 2018. Bis dahin müssen überall die Melder hängen.

In Sachsen gibt es dazu noch keine Vorschrift und damit werden derzeit viele Wohnräume nicht mit Rauchmeldern ausgerüstet.

Im Sinne der eigenen Sicherheit sollten betroffene Eigentümer selbst freiwillig aktiv werden.

Carsten Wege

Für das Anbringen und das Warten der Rauchmelder ist in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen der Eigentümer zuständig.

In Nähe der Deckenlampe

Folgt man den baurechtlichen Vorschriften, müssen Rauchmelder in das Schlafzimmer, in alle Kinderzimmer und in den Flur. Die Regelung soll sicherstellen, dass Schlafende geweckt werden und nicht auf dem Fluchtweg in eine Rauchfalle laufen. Der BVBF empfiehlt zusätzlich noch einen Melder für Wohnzimmer. Die Melder sollten am besten an der Zimmerdecke angebracht werden. Dort können die Melder am frühesten Alarm schlagen, weil der Rauch nach oben steigt.

Meine Empfehlung: in der Nähe der Deckenbeleuchtung. Das geht mit Dübel und es gibt auch Klebelösungen.

Rainer Schuldt, Computerbild

Hinter Schrägen, an abgehängte Balken, hinter Möbel oder in Nischen gehören die Rauchmelder nicht.

Rauchmelder
Bildrechte: Colourbox

Man sollte auf einen Mindestabstand von einem halben Meter zu Wänden oder Einrichtungsgegenständen achten. Sonst kann die Raucherkennung des Melders behindert werden.

Carsten Wege

DIN EN 14604 sorgt für Sicherheit

Einfache und verlässliche Rauchmelder gibt es im Baumarkt schon für unter zehn Euro. Man sollte drauf achten, dass das CE-Kennzeichen mit der Nummer EN 14604 drauf ist. Dann entspricht der Rauchmelder den deutschen Normen. Geräte mit dem VdS-Prüfsiegel oder dem TÜV-Siegel wurden zusätzlich noch weiteren Prüfungen unterzogen. Geräte mit der DIN-Norm EN 14604 müssen folgende Mindestanforderungen erfüllen:

  • Der Alarmton muss mindestens 85 dB/3m erreichen.
  • Mit einem Testknopf muss sich die Funktionsfähigkeit des Gerätes jederzeit überprüfen lassen.
  • Ein nötiger Batteriewechsel muss mindestens 30 Tage vor Ende der Batterielebensdauer angezeigt werden. Meist geschieht das durch einen wiederkehrenden Signalton.
  • Der Rauch muss von allen Seiten in den Melder eindringen können.
  • Dabei sollten die entsprechenden Öffnungen nicht größer als 1,3 Millimeter sein, um das Eindringen von Staub und Insekten zu verhindern.

Rauchmelder mit dieser Norm stören in der Weihnachtszeit mit dem Rauch von Kerzen oder Räuchermännchen auch nicht mit Fehlalarmen.

Diese Melder sind speziell auf eine bestimmte Brandrauchdichte in Wohngebäuden ausgerichtet und geprüft.

Carsten Wege

Wenn man nicht gleich einhundert Räuchermännchen im Wohnzimmer stehen hat und die räuchern und unterm Rauchmelder stehen, wird nichts passieren..

Rainer Schuldt, Computerbild

Seine Redaktion hat aktuell einfache und smarte Rauchmelder getetestet.

Mit Wärmesensor

Neben den günstigen Meldern gibt es noch aufwendigere und damit auch teurere Geräte, die beispielsweise einen thermischen Sensor besitzen.

Der erkennt nicht nur aufsteigenden Rauch, sondern auch eine ansteigende Temperatur und schlägt dann erst Alarm.

Rainer Schuldt

Diese Modelle könnten auch in der Küche genutzt werden, weil etwa Wasserdampf beim Kochen keine Fehlalarme provoziert.

Zudem können die Melder mit dem extra Sensor gefährliche Schwelbrände erkennen. Die gehen meist ohne viel Rauch einher.

Rainer Schuldt, Computerbild

Bei teureren Meldern lässt sich häufig auch das Blinksignal abstellen, dass die Betriebsbereitschaft der Geräte anzeigt. Das kann empfindliche Menschen beim Einschlafen stören.

Alarm aufs Handy

Ab 30 Euro aufwärts kosten Rauchmelder, die über das WLAN zu Hause oder über Mobilfunk mit dem Handy verbunden werden können. Registriert der Melder Rauch oder Hitze, schlägt zusätzlich auch eine App auf dem Smartphone Alarm.

Das ist gut, wenn ich im Urlaub bin oder bei Freunden. Dann weiß ich, dass ich oder jemand anderes mal schnell nach dem Rechten sehen sollte.

Rainer Schuldt

Die Rauchmelder mit Smartphone-Anbindung brächten zudem älteren Menschen oder Menschen mit einer Behinderung mehr Sicherheit. Bei einem Brand könnten Angehörige oder Nachbarn schnell alarmiert werden. Im Test von Computerbild funktionierten die Melder mit Smartphone-Verbindung ebenso zuverlässig wie so genannte "smarte" Rauchmelder. Diese Geräte kosten deutlich über 100 Euro.

In einem entsprechend ausgerüsteten Haus oder einer Wohnung können diese Rauchmelder dann noch zusätzliche Funktionen auslösen: Etwa das Licht anschalten oder die Fensterjalousien hochfahren für Frischluft oder den Fluchtweg.

Rainer Schuldt

Das funktioniere aber nur so lange wie die Smarthome-Zentrale, etwa der Internet-Router, nicht vom Brand zerstört sei.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 20. Dezember 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Dezember 2018, 02:10 Uhr