Umschau-Quicktipp Regeln fürs Angeln

07.03.2018 | 02:10 Uhr

Der Chef des Anglerverbandes Leipzig e.V. Friedrich Richter erklärt diese Beliebtheit so: "Gerade bei uns entstehen ja viele große Seen direkt vor der Haustür. Den meisten geht es da beim Angeln gar nicht darum, möglichst viele Fische zu fangen. Sie finden einfach Entspannung am Wasser in der Natur." Mehr Wasserfläche lockt also tatsächlich mehr Angler aus dem Haus. Hinzu kommt, dass es noch nie so schnell und auch so einfach war, Angler zu werden. 

So wirst du Angler

Kalendereintrag -Angelschein abholen-.
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Ging ein Angelkurs vor ein paar Jahren noch über mehrere Wochen, kannst du den Lehrgang für den nötigen Fischereischein heute in sogenannten Crashkursen von Freitagnachmittag bis Sonntagnachmittag machen. In 30 Stunden bekommst du dort Fischereitheorie vermittelt. Damit bist du dann auf die Prüfung vorbereitet. Diese folgt zirka drei Wochen nach dem Kurs unter Aufsicht der Fischereibehörde. Um schon vor der eigentlichen Prüfung zu prüfen, wie fit du in der Angeltheorie bist, kannst du zum Beispiel auf der Homepage der Sächsischen Fischereibehörde eine Probeprüfung ablegen.

Die Prüfung ohne Kurs abzulegen, funktioniert übrigens nicht. Prüfungsvoraussetzung ist nämlich der Nachweis über einen absolvierten Theorie-Kurs. Mit Bestehen der Prüfung, erhältst du den lebenslang gültigen Fischereischein und darfst nun Angeln. Für das jeweilige Angelgewässer brauchst du aber zusätzlich noch eine Erlaubnis, die sogenannte Angelkarte. Die kaufst du im Angelladen, beim Pächter bzw. beim Besitzer des Gewässers – oder du wirst Mitglied in einem Angelverein.

Vorteil Angelverein

Köder und Angelhaken
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Als Vereinsmitglied mit Fischereischein kannst du nämlich an allen vom Verein bewirtschafteten und gepachteten Gewässern ohne Angelkarte angeln. "Die Mitgliedschaft kostet Sie rund 100 Euro pro Jahr, die Angelkarte am Tag rund zehn Euro. Wenn Sie häufiger angeln wollen, ist der Verein da die günstigere Lösung", rät Angelexperte Richter. Als Vereinsmitglied der mitteldeutschen Anglerverbände kannst du zum Teil auch an Gewässern der jeweils anderen Bundesländer angeln. Angeln ist aber nicht nur der stille, einsame Ausgleich, es geht auch sehr lebendig mit anderen Angelfreunden zu. Zum reinen Angeln kommt im Verein oft noch die Pflege und Bewirtschaftung der Gewässer. In gemeinsamen Arbeitseinsätzen werden Teiche und Seen gesäubert, Angelplätze angelegt und gepflegt, Stege repariert usw.

 Die Kosten

Der Fischereischein wird lebenslänglich für zurzeit 34 Euro erteilt. Der Kurs kostet beim Leipziger Anglerverein für Jugendliche bis 20 Jahre 85 Euro, inklusive Kursmaterial 115 Euro. Erwachsene bezahlen 135 Euro bzw. 165 Euro mit Material. Erkundige dich bei anderen Vereinen über die dortigen Kosten und Bedingungen. Die Abschlussprüfung kostet einheitlich 30 Euro.

Die Praxis

Crashkurse und Theorie pauken sind eine Seite. Das praktische Angeln am Gewässer eine ganz andere. "Wir und viele andere Vereine bieten dafür noch Praxiskurse an. Am besten gehen Sie aber am Anfang mit erfahrenen Anglern mit und schauen sich da die notwendigen Techniken ab", rät Friedrich Richter

DDR-Scheine sind ungültig

Wenn du deinen Angelschein noch zu DDR-Zeiten gemacht hast und nun nach langen Jahren der Ruhe endlich mal wieder an den See möchtest, dann gilt der alte Ausweis vom damaligen DAV nicht mehr. Du brauchst einen neuen Fischereischein inklusive Kurs und Prüfung. 

Der befristete Fischereischein

Ein Vater steht mit seinem Sohn auf einem Bootssteg und angelt in einem See.
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Um Touristen auch ohne Theoriekurs und -prüfung ein Angelerlebnis zu ermöglichen, bieten Bundesländer wie Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern einen zeitlich befristeten Fischereischein an. Den kannst du entweder mindestens drei Wochen vor dem geplanten Urlaub schriftlich beantragen oder vor Ort erwerben. Informiere dich dazu rechtzeitig vor dem Urlaub über die jeweils gültigen Bedingungen, denn die ändern sich mitunter von Jahr zu Jahr. Bei Beantragung bekommst du eine Broschüre, in der du die wichtigsten Regeln zum Angeln findest. Bis zu 28 Tage kannst du mit diesem Schein ausschließlich Friedfische wie Karpfen, Schleie oder Brachsen angeln. Angelexperten halten diese Art des Fischereischeins für fragwürdig, da absolute Laien in der Regel keine Ahnung von Gewässerkunde, Fischkunde, der richtigen Handhabung von Angel, Ausrüstung und Verhalten am Wasser im Allgemeinen haben. So sehr die Vorstellung dich auch verlockt, mach dich vor einem Angelausflug kundig, belege einen Kurs, absolviere eine Prüfung. Falsche Handhabung von Equipment und der falsche Umgang mit geangelten Fischen ist nicht nur fahrlässig oder gar Tierquälerei, es kann auch gefährlich werden. Einen aus Versehen gefangenen großen Hecht oder Zander richtig vom Haken zu lösen, will gelernt sein. Gerade bei Raubfischen können du und deine Kinder sich tatsächlich ernsthafte Verletzungen zuziehen.

Ohne Fischereischein zu angeln, ist eine Straftat

Gehst du ganz ohne Schein zum Angeln, kannst du dafür tatsächlich vor Gericht kommen. "Beim ersten Mal kann das auch noch mit einer Geldbuße von 50 Euro oder mehr ausgehen. Werden Sie aber öfter erwischt, müssen Sie mit einer richtigen Anzeige und Gerichtsverhandlung rechnen", warnt unser Experte. Einzige Ausnahme sind Angelparks, in denen du ganz ohne Vorkenntnisse, aber unter Aufsicht gegen Bezahlung in Zuchtteichen angeln dürfen.

Fazit

zwei Angler
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Angeln ist ein schönes und vielseitiges Hobby. Allerdings sind dabei etliche Regeln zu beachten. Du fängst und tötest Lebewesen. Das solltest du so fachgerecht wie möglich machen. Bevor du also an einen Teich, einen Fluss oder gar ans Meer gehen, mache deinen dauerhaften Fischereischein. Nur so kanst du das Hobby sorgfältig und mit einem guten Gewissen ausüben.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 07. März 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. März 2018, 02:10 Uhr