Quicktipp Für wen lohnen sich Riester-Verträge?

16.05.2018 | 02:10 Uhr

Die Riester-Rente ist eine Möglichkeit privat fürs Alter vorzusorgen. Wie bei einer normalen Rente zahlt jeder Sparer in der "Ansparphase" monatlich einen bestimmten Beitrag in ein gewähltes Riester-Modell ein. Dafür erhält er direkte Zulagen vom Staat und Steuervorteile. Die volle Förderung gibt es, wenn man vier Prozent seines Vorjahresbruttoeinkommens einzahlt. Wer weniger als vier Prozent einzahlt, erhält auch nur anteilig die Zulagen und später dann auch weniger Rente.

Welche Zulagen gibt es?

Pro Person erhalten Verbraucher mit einer Riester-Rente eine Grundzulage von bis zu 175 Euro jährlich. Zusätzlich können Familien mit Kindern eine Kinderzulage von bis zu 185 Euro für bis Ende 2007 geborene Kinder und bis zu 300 Euro für ab 2008 geborene Kinder erhalten. Durch diese Zulagen reduziert sich dann der Betrag, der aus eigenen Mitteln aufgewendet werden muss.

Ein Beispiel: Ein Mann mit zwei Kindern und einem jährlichen Bruttoeinkommen von 40.000 Euro muss 1.600 Euro jährlich für die volle Förderung zahlen. Dieser Beitrag reduziert sich um 175 Euro Grundzulage und 600 Euro Kinderzulage auf 825 Euro jährlich.

Steuervorteil und Auszahlungsbeginn

Maximal können 2.100 Euro pro Jahr, die in einen Riester-Vertrag geflossen sind, von der Steuer abgesetzt werden. In der "Auszahlungsphase" erhält der Sparer dann seine Riester-Rente. Diese Phase beginnt mit dem Renteneintritt, frühestens allerdings mit 62 Jahren, wenn der Vertrag ab dem Jahr 2012 abgeschlossen wurde.

Welche Formen von Riester gibt es?

Walter Riester
Walter Riester Bildrechte: IMAGO

Im Gegensatz zu einer üblichen Altersvorsorge muss man nicht einen bestimmten Beitrag an eine Versicherung überweisen, sondern kann das Ersparte zielgerichtet in verschiedene Modelle investieren.

Umgangssprachlich unterscheidet man zwischen "Geld-Riester" und "Wohn-Riester". "Geldriester bezieht sich auf Sparverträge, aus denen ab Rentenbeginn eine lebenslange Rente geleistet wird", erklärt Andrea Heyer, Finanzexpetin von der Verbraucherzentrale. Sie kann auf drei Arten genutzt werden: mit Versicherungen, einem Banksparplan oder einem Fonds. "Mit Wohnriester ist die Finanzierung selbst genutzter wohnwirtschaftlicher Projekte gemeint", so die Expertin weiter. In Frage kommen hier dabei beispielsweise Riester-Bauspardarlehen oder die Riester-Kombifinanzierung.

Welche Form die beste ist, hängt auch von der Risikobereitschaft des Sparers ab. Wer in risikoarme Banksparpläne oder Versicherungen investiert, kann nicht mit hoher Rendite rechnen. Mit Fondssparplänen dagegen besteht zumindest die Chance auf eine höhere Rendite. Da die einzelnen Möglichkeiten individuelle Vor- und Nachteile haben, empfiehlt es sich, sich vor Abschluss von einem Experten beraten zu lassen.

Für wen ist Riester interessant?

Riestern darf nicht jeder, sondern nur diejenigen, die in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. Für Beamte, Auszubildende und auch Selbstständige gibt es spezielle Regelungen. Laut Finazexpertin Andrea Heyer "ist ein geförderter, kostengünstiger Riester-Vertrag  prinzipiell nichts Schlechtes". Er lohnt sich aber vor allem für Familien mit Kindern, Geringverdiener und auch junge Menschen.

Kinderreiche Familien

Für Familien mit Kindern lohnen sich vor allem die Zulagen, auf die unabhängig vom Einkommen Anspruch besteht. Einer Familie mit zwei vor 2008 geborenen Kindern stehen 720 Euro direkte staatliche Förderung zu. Sind die Kinder ab 2008 geboren, liegt der Anspruch sogar bei 950 Euro. Gerade Geringverdiener müssen dann nur wenig finanzielle Mittel aus eigener Tasche zahlen.

Geringverdiener

Auch für Geringverdiener ohne Kinder ist Riester teilweise lohnenswert, da die einzuzahlenden Beiträge gering sind und es die Zulage in Höhe von 175 Euro immer gibt. Früher wurde die Riester-Rente übrigens auf die normale Rente angerechnet. Damit gab es für Geringverdiener keine Aufstockung auf die Grundsicherung, die jedem in Deutschland zusteht. Seit dem Jahr 2018 ist das anders:  Die normale Rente wird unabhängig von der privaten Altersvorsorge bis zur Grundsicherung aufgestockt, wenn diese darunter liegt. Darüber hinaus dürfen Riester-Sparer 200 Euro zusätzlich aus der privaten Altersvorsorge behalten.

Junge Menschen

Ältere Arbeitnehmer können eher kalkulieren, wie viel Geld ihnen die gesetzliche Rente bringen wird. Sie wissen, ob Riester noch einen entscheidenden Zugewinn bringen kann. Junge Leute dagegen wissen nicht, wie viel Rente sie einmal bekommen werden.

Probleme beim Riestern

Problem 1: Kündigung kaum möglich

Eine Kündigung für Arbeitsplatz oder Abonnement in deutscher Sprache
Bildrechte: IMAGO

Wer sein Guthaben vorzeitig ausgezahlt haben möchte, verliert oft viel Geld. Denn es droht die Rückforderung aller Fördergelder - also aller Zulagen und Steuerersparnisse. Zudem sehen viele Verträge hohe Verwaltungsgebühren in den Anfangsjahren vor, die man selbst bei Kündigung nicht wiederbekommt. Sparer sollten bei den Anbietern deshalb nach provisionsfreien Angeboten mit geringen oder sogar ohne Abschlusskosten fragen.

Die Übertragung des vorhandenen Kapitals auf einen anderen Riester-Vertrag ist aber möglich. Außerdem kann ein Riester-Vertrag ruhend/beitragsfrei gestellt werden: In dieser Zeit muss niemand etwas einzahlen.  

Stirbt der Förderberechtigte, kann der Vertrag mit dem angesparten Vermögen vererbt werden. Allerdings gibt es dabei je nach Lage und Vertrag einiges zu beachten, weshalb eine unabhängige Beratung vor Abschluss eines Vertrages sehr wichtig ist.

Problem 2: Steuern im Alter

Die Crux am Riestern: Das Geld, was man dann im Rentenalter ausgezahlt bekommt, muss versteuert werden. Da die meisten Menschen aber im Alter einen niedrigeren Steuersatz haben als im Berufsleben, profitieren sie schlussendlich trotzdem davon.

Problem 3: Verwaltungsgebühren

Vor allem hohe Provisionen und Verwaltungskosten müssen am Anfang der Vertragslaufzeit gezahlt werden.  Die Rendite eines Vertrages kann noch so gut sein - wenn die Gebühren zu hoch sind, bringt es dem Sparer unterm Strich nichts.  Darum sollten sich Sparer unbedingt mehrere Angebote einholen und diese vergleichen. Dabei sind die Effektivkosten entscheidend.

Problem 4: Keine einmalige volle Auszahlung möglich

Nach Ablauf eines gewöhnlichen Altersvorsorgevertrages bei einer Versicherung kann in der Regel zwischen einer hundertprozentigen einmaligen Auszahlung und einer monatlichen Rentenzahlung gewählt werden. Die volle einmalige Auszahlung ist bei Riester- Verträgen nicht möglich. Sparer haben lediglich die Möglichkeit, sich für oder gegen eine Einmalzahlung in Höhe von 30 Prozent des Gesamtkapitals (20 % bei Verträgen, die vor 2005 geschlossen wurden) zu entscheiden. Dieser einmalig gezahlte Betrag reduziert jedoch das spätere Altersgeld und muss voll besteuert werden.

Fazit

Ob ein Riester-Vertrag für jeden Teil der individuellen Altersvorsorge sein sollte, kann man nicht pauschal beantworten. Schlussendich kann aber fast jeder von der Riester-Rente profitieren, da er bezuschusst wird und nicht alles aus eigenen Mittel gezahlt werden muss. Geringverdiener und kinderreiche Familien haben den Vorteil, dass schon ein anteilig kleiner eigener Beitrag zur vollen staatlichen Förderung führt. Reichtümer sind natürlich nicht zu erwarten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 16. Mai 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2018, 02:10 Uhr

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