Steinschlag in der Frontscheibe

19.11.2018 | 02:10 Uhr

Steinschlag in Autoscheibe 1 min
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Umschau-Quicktipp Steinschlag

Steinschlag

MDR JUMP Mo 19.11.2018 02:10Uhr 01:06 min

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Der Alptraum jedes Autofahrers: ein Steinschlag in der Scheibe. Muss die Scheibe getauscht werden oder reicht eine Reparatur? Ist ein mobiler Reparaturservice zeitsparender? Wir haben die Antworten.

Reparieren oder Austauschen

Nicht jeder kleine Schaden an der Scheibe macht sofort einen kompletten Tausch nötig. Wenn bestimmte Kriterien eingehalten werden, kannst du einen kleinen Schaden auch reparieren lassen. Voraussetzungen für die Reparatur eines Steinschlages sind:

  • Er liegt nicht im Sichtfeld des Fahrers.
  • Er ist in der Ausdehnung nicht größer als ein Zwei-Euro-Stück.
  • Er befindet sich mindestens zehn Zentimeter vom Scheibenrand entfernt.
  • Der Steinschlag ist nicht zu stark verschmutzt oder nass.
  • Es darf nur die Scheibenaußenseite, nicht aber die Zwischenfolie oder gar die Innenscheibe beschädigt sein.

Das alles sind allerdings nur Faustregeln. Ein guter Scheibendienst misst beispielsweise das Sichtfeld des Fahrers mit einer speziellen Schablone aus, bevor die Entscheidung zwischen Reparatur oder Tausch fällt. Dieses Sichtfeld ist bei jedem Fahrzeugtyp ein wenig anders. Es ist von der Mitte des Lenkrades aus gesehen rund 30 Zentimeter breit und wird oben und untern durch den Verlauf der Scheibenwischer begrenzt. Und auch, wenn ein Zwei-Euro-Stück deinen Steinschlag abdeckt, könnte es sein, dass die Scheibe getauscht werden muss. Überlasse die Entscheidung immer einem Experten. Hast du an den Aussagen in einer Werkstatt Zweifel, fragst du bei einer anderen nach.

Schnell handeln

Sollte ein Stein deine Scheibe in einer Region treffen, die eine Reparatur zulässt, heißt es, schnell zu handeln. Am besten reinigst du die Stelle gut und versiegelst sie vorerst mit einem kleinen Aufkleber, auch Scheibenpflaster genannt. Das bekommst du oft sogar kostenlos bei Scheibendiensten oder auch bei der Versicherung. Hast du so ein Scheibenpflaster nicht zur Hand, tut es im Notfall auch erstmal ein Stück Klebestreifen. Wichtig dabei: Das Sichtfeld des Fahrers darf nicht beeinträchtigt werden. Die vorläufige Versiegelung des Steinschlages sorgt dafür, dass kein Schmutz und Wasser eindringen können.    

Vor-Ort Reparatur vs. Werkstatt

Ein Mann wechselt in einer Werkstatt mit Saugnäpfen die Windschutzscheibe eines Pkws.
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Immer mehr Scheiben-Reparaturdienste bieten einen Vor-Ort-Service an. Die Marktführer sind dabei in der Regel am besten ausgestattet und arbeiten mobil meist genauso gut wie in der Werkstatt. Allerdings sind auch unseriöse Anbieter auf dem Markt. Diese kommen zwar zunächst vor Ort, verweisen dich dann aber auf einen Tausch in der Werkstatt. Daran verdienen sie natürlich wesentlich mehr. Achte beim Vor-Ort-Termin also darauf, ob der Fachmann seine Ausrüstung mit hat und sich die Scheibe wirklich genau anschaut. Arbeitet er professionell, wird er das Sichtfeld mit der Schablone ausmessen und nicht pauschal behaupten, eine Reparatur sei nicht möglich.

Keine Zeitersparnis

Wirklich viel Zeit sparst du bei der Reparatur vor Ort nicht, denn die Komponenten, die in den Steinschlag eingebracht werden, um ihn zu versiegeln, Kunstharz zum Beispiel, sind hier und in der Werkstatt die gleichen. Sie müssen auch genau solange aushärten, das dauert eine bis drei Stunden. Wenn du die Wahl hast, lass eine Scheibe aber immer in der Werkstatt reparieren oder tauschen. Dort herrschen günstigere Arbeitsbedingungen als auf deinem Grundstück oder gar auf der Straße. In der Werkstatt ist es gleichmäßig warm, trocken und staubfrei und das Auto steht gerade. Auf all das kann sich der Service vor Ort im Freien nicht verlassen.       

Die Kosten

Eine Steinschlagreparatur kostet in der Regel zwischen 80 und 100 Euro. Das lohnt sich im Vergleich zum Austausch der Scheibe. Gerade bei modernen Autos mit Assistenzsystemen wie Regen- und Lichtsensor oder Spurassistent kommen zu den Kosten für die Scheibe oft noch weitere Kosten hinzu. Die Systeme sind oft direkt an der Scheibe angebracht und können bei Aus- und Einbau Schaden nehmen. Hinzu können Kosten fürs Kalibrieren dieser Systeme kommen, die nicht jede Versicherung übernimmt. Bei modernen Autos kann so ein Scheibentausch schnell 800 Euro und mehr kosten, obwohl die eigentliche Scheibe vielleicht nur mit 300 Euro zu Buche schlägt.

Wer übernimmt die Kosten?

Stempel mit der Aufschrift "Teilkasko"
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Bekommst du vom vorausfahrenden Auto einen Stein an die Scheibe, kann der Fahrer dafür in der Regel nicht haftbar gemacht werden. Es liegt schlicht nicht in seiner Hand, das zu verhindern. Ausnahme: Der Vorausfahrende fährt mit deutlich zu hoher Geschwindigkeit auf einer Schotterstrecke oder ähnlichem Belag. Dann muss seine Haftpflicht bezahlen. Für alle anderen Fälle kommt die Kaskoversicherung auf. Bist du also Voll- oder Teilkasko versichert, bezahlst du für die Reparatur in der Regel nichts. Hast du allerdings eine Selbstbeteiligung vereinbart, wird diese auch beim Scheibentausch fällig. Deine Versicherungsprämie steigt durch die Reparaturkostenübernahme nicht an, das heißt, du wirst nicht hochgestuft.

Bei einem Austausch der Windschutzscheibe gehen Vignetten und Umwelt-Plaketten natürlich verloren. Manchmal ersetzen Autoglaser die Umwelt-Plakette kostenfrei. Auch die Versicherungen können sich kulant zeigen und den miteingereichten Posten bezahlen. Auch bei Maut-Vignetten ist kostenloser Ersatz in vielen Fällen möglich.

Besser nicht selber machen

Für rund 30 Euro bekommst du im Internet Scheibenreparatursets angeboten. Lass davon lieber die Finger. Erstens kannst du den Steinschlag zu Hause nur grob reinigen. Der Profi hingegen zieht Schmutz und Feuchtigkeit per Vakuum aus der Scheibe. Zweitens kannst du die Mischung aus Kunstharz und Härter nicht mit entsprechendem Druck in den Steinschlag einbringen. Außerdem polierst du das überschüssige Material längst nicht so gut weg wie ein Fachmann.

Übrigens: Scheibe schonen

Da moderne geklebte Scheiben tragende Teile der Karosse sind, werden sie auch besonders belastet. Bis circa 48 Stunden nach einer Scheibenreparatur solltest du dein Auto nicht voll belasten. Das heißt: nicht auf die Hebebühne, keinen Wagenheber nutzen, nicht zu scharf anfahren oder bremsen und nicht mit einer Seite auf dem Bordstein parken. Das alles könnte dazu führen, dass Risse im Kleber entstehen und der Steinschlag schnell wieder undicht wird.

Fazit

Vertraue bei der Scheibenreparatur nur professionell wirkenden Diensten. Lass dich nicht vorschnell zum Scheibentausch überreden und bastle auch nicht selbst an der Scheibe herum.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 19. November 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2018, 02:10 Uhr