Ist Bio- und Naturkosmetik besser für die Haut?

Zuletzt aktualisiert: 01.10.2019 | 10:05 Uhr

Frau vor Spiegel cremt sich ihr Gesicht ein
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MDR JUMP Di 01.10.2019 02:10Uhr min

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Das ist Naturkosmetik

Im Grunde wäre Verbrauchern und der Natur zu wünschen, dass in Naturkosmetik tatsächlich nur natürliche Inhaltsstoffe enthalten sind, möglichst aus biologischem Anbau und schonend verarbeitet, ganz ohne Tierversuche getestet. So das Idealbild. Und tatsächlich müssen Hersteller, die Naturkosmetik mit zertifiziertem Siegel verkaufen wollen, auf bestimmte Stoffe verzichten:

  • Mikroplastik aus Mineralöl wird von der Natur nicht vollständig abgebaut, sondern landet schließlich nahezu unerkannt in der Nahrungskette mit bislang noch großteils unbekannten Folgen. 
  • Inhaltsstoffe, die auf Mineralölbasis hergestellt wurden, sowie andere chemische Verbindungen wie Silikone und Kunststoffe, die sich im Körper anreichern und/oder Allergien auslösen können.
  • Künstliche Farb- und Duftstoffe, die unter anderem im Verdacht stehen, das Erbgut schädigen zu können.

Für Naturprodukte mit zertifiziertem Siegel gelten strengere Regeln als für Tierversuche und für die Verarbeitung der natürlichen Rohstoffe. Außerdem soll die Natur möglichst wenig belastet werden. Im Ergebnis stehen Produkte, die uns Verbraucher vor allergischen Reaktionen, Erkrankungen und Langzeitfolgen schützen sollen.

Das rechtliche Problem

Begriffe wie 'bio' oder 'natürlich' sind bei der Produktbezeichnung nicht gesetzlich geschützt. Das heißt: Selbst wenn im Produkt jede Menge Chemie steckt, kann der Hersteller mit einer natürlich anmutenden Verpackung inklusive schöner Pflanzen und Aufdrucken wie '97% pure Natur' uns Käufern etwas völlig anderes vormachen. Und genau das tun sehr viele Hersteller.

Die aktuelle Iso-Norm 16128 (Internationale Organisation für Normung) etwa erlaubt ihnen, den Inhaltsstoff Wasser als natürlichen Bestandteil anzugeben. Das führt dazu, dass Gels und Lotionen, die per se sehr viel Wasser enthalten, ganz leicht auf 80 Prozent und mehr natürliche Bestandteile kommen.     

Die Tricks der Hersteller

Eine Frau vor einem Kosmetikregal.
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Wasser wird so bei nahezu allen Herstellern als natürlicher Bestandteil mitgerechnet. Produktwerbungen wie '98 % natürliche Inhaltsstoffe' oder '95% reine Aloe Vera' sollen nun suggerieren, dass das jeweilige Produkt Natur pur und somit unbedenklich ist. Dabei bestehen gerade die restlichen zwei bis fünf Prozent solcher Produkte oft aus bedenklichen Lösungsmitteln, Emulgatoren oder gar flüssigen Kunststoffen. Häufig werden auch künstlich hergestellte Säuren als Konservierungsstoffe verwendet. Am Ende erscheinen die Produkte in Aufmachung und Bewerbung natürlich und unbedenklich, können aber bei empfindlichen Personen erhebliche Schäden anrichten, vom erwähnten Mikroplastik ganz abgesehen.  

So erkennst du die problematischen Inhaltsstoffe

Gesetzlich vorgeschrieben ist, dass alle Inhaltsstoffe zwingend auf der Verpackung erwähnt werden müssen, entweder in Englisch oder Latein. Die Bezeichnung der Rohstoffe in kosmetischen Produkten wird dabei anhand der europaweit geltenden INCI-Richtlinie (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) geregelt. Sie helfen dem Verbraucher aber in der Regel nicht weiter.

Willst du also wirklich wissen, was sich hinter Begriffen wie Polyacrylat, Triclosan oder Terephthalate verbirgt, dann finden sich im Netz auf spezialisierten Haut-Seiten Listen mit genauen Erklärungen zu den Inhaltsstoffen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Apps, die die problemlose Kontrolle des Produktes gleich im Geschäft ermöglichen. Immerhin findest du dich so ein bisschen besser zu Recht unter den rund 20.000 möglichen Inhaltsstoffen.

Darauf achtst du beim Kauf

Naturkosmetik
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Versprechungen und schöne Verpackungen helfen nicht weiter. Wirklich sicher kaufst du nur Kosmetik mit zertifiziertem Siegel. Davon gibt es leider rund dreißig verschiedene. Am bekanntesten und häufigsten sind das Siegel des BDHI  (Bundesverband der Industrie- und Handelsunternehmen) und das NaTrue-Siegel. Auch den Siegeln von EcoCert und Demeter kannst du laut Aussagen der Verbraucherzentrale Hamburg und von Greenpeace vertrauen.

Trägt also ein Produkt solch ein Siegel, dann kannst du davon ausgehen, dass es frei von künstlichen Zusatzstoffen ist. Das heißt allerdings nicht, dass alle verwendeten natürlichen Produkte aus biologischem Anbau sein müssen. Das muss extra deklariert sein. Im Zweifel frage lieber nach! Gut geschultes Verkaufspersonal sollte dir weiterhelfen können.

Naturkosmetik selber machen

Herstellung von Lippen und Pfoten Salbe
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Willst du wirklich 100 Prozent Natur in deiner Kosmetik, so kannst du Cremes und Peelings, aber auch eine Pflegelotion mit relativ wenig Aufwand selber machen. Entsprechende Anleitungen dazu gibt es zu Hauf im Internet. Achte aber vor allem auf die meist kürzere Haltbarkeit und die richtige Lagerung solcher Kosmetika. Ohne Konservierungsstoffe könnten sich gefährliche Keime und Pilze vermehren und deine Gesundheit schädigen. 

Achtung: Auch echte Bio- und Naturkosmetik sind nicht immer ohne

Gerade pflanzliche Produkte haben mitunter sehr starke Wirkstoffe. Auch die können Allergien auslösen. Manche Menschen reagieren selbst ohne Allergie auf Minzöle oder Wirkstoffe von Kamille und Brennnessel. Achte besonders bei Kindern auf die Verträglichkeit. Kleinkinder unter zwei Jahren sollten möglichst gar nicht mit starken ätherischen Ölen in Berührung kommen. Solltest du also entsprechend sensibel auf Duftstoffe, Öle und ähnliche Produkte reagieren, frage lieber im Geschäft, der Apotheke oder bei deinem Arzt nach.    

Fazit

Begriffe wie Bio- oder Naturkosmetik sind nicht gesetzlich geschützt. Was grün, natürlich und ökologisch aussieht, kann durchaus mit chemischen Inhaltsstoffen und/oder Mikroplastik versetzt sein. Orientiere dich beim Kauf deswegen ausschließlich an Siegeln für zertifizierte Naturkosmetik. Achte bei jeder Kosmetik darauf, ob du die Inhaltstoffe auch wirklich verträgst, auch natürliche Produkte können Allergien auslösen. Besonders bei Kleinkindern ist Vorsicht geboten.  

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 01. Oktober 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Oktober 2019, 02:10 Uhr

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