Was hilft bei Bronchitis, Erkältung oder Grippe?

Zuletzt aktualisiert: 09.10.2019 | 08:25 Uhr

Eine Frau liegt mit Schnupfen auf dem Sofa 2 min
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Im Büro, in der Bahn, im Kindergarten: Überall wird jetzt geschnieft und gehustet. Trotzdem sind wir den fiesen Erregern nicht widerstandslos ausgeliefert. Wir erklären, was bei Erkältung, Bronchitis und Co. hilft.

MDR JUMP Mi 31.01.2018 02:10Uhr 01:48 min

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Über 200 verschiedene Virenarten können Husten, Schnupfen und Heiserkeit auslösen. Die Übeltäter sind unterschiedlich gebaut, verursachen aber ähnliche Symptome. Das Immunsystem muss sich deshalb jedes Mal neu gegen die Eindringlinge wehren. Je nach Erregertyp und Zustand des Körpers auf den er trifft, fällt die Erkrankung dann unterschiedlich schwer aus.

Erkältung
Eine Erkältung, auch grippaler Infekt genannt, ist eine meist durch Viren ausgelöste, Entzündung der oberen Atemwege. Die Erreger werden beim Niesen, Husten oder Sprechen durch Tröpfcheninfektion übertragen und fliegen dabei teilweise meterweit. Die Erkältung hat einen typischen Verlauf und beginnt mit Halsschmerzen, gefolgt von Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen, oft begleitet von Fieber. Zeitverzögert kommt meist Husten dazu. Generell lässt sich eine Erkältung mit Hausmitteln und rezeptfreien Medikamenten aus der Apotheke behandeln und dauert sieben bis zehn Tage.

Bronchitis
Bei der Bronchitis sind die unteren Atemwege (Bronchien) entzündet. Sie geht mit lang anhaltendem Husten, Fieber, Brustschmerzen und meist eitrigem Auswurf einher. Übertragen werden die Erreger durch Tröpfchen- und Schmierinfektion. Sind Husten und Fieber hartnäckig und treten Brustschmerzen auf, sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden, denn ohne verschreibungspflichtige Medikamente ist der Bronchitis nicht beizukommen.

Grippe-Virus
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Grippe
Eine Grippe, auch Influenza genannt, wird wie die Erkältung durch Viren ausgelöst und breitet sich auch durch Tröpfcheninfektion aus. Anders als die Erkältung beginnt sie aber plötzlich mit mehreren, zeitgleich und stark auftretenden Symptome wie Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen, Schüttelfrost und Husten. Die Symptome halten zudem länger an als bei einer einfachen Erkältung. Ebenfalls typisch für eine Grippe ist eine Körpertemperatur über 38,5 Grad Celsius oder höher. Ein weiterer Unterschied zu einem grippalen Infekt sind Symptome wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall. Besteht der Verdacht auf eine Grippe, muss auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden.

Eine Frau sitzt im Nebel auf einer Parkbank
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Winter-Blues
Wen der Winter-Blues erwischt, der leidet unter trüber Stimmung, ist antriebs- und lustlos und hat ein erhöhtes Schlafbedürfnis. Die trübe Stimmung entwickelt sich bei zwei Prozent der Deutschen zur saisonalen Depression und sollte dann ärztlich behandelt werden. Ursache für den Winter-Blues ist der winterliche Lichtmangel. Der Körper schüttet darum mehr vom Schlafhormon Melatonin und weniger vom Glückshormon Serotonin aus. Wer gegensteuern will, setzt sich am besten jeden Morgen 20 bis 30 Minuten vor eine sogenannte Tageslichtlampe. Diese Lampen strahlen künstliches weißes Licht mit einem erhöhten blauwelligen Anteil bei 10.000 Lux aus und heben dadurch die Stimmung. Das tut auch ein Spaziergang bei Tageslicht. Hilfreich sind ebenfalls Nahrungsmittel, die viel von der Aminosäure Tryptophan enthalten, wie Nüsse, Bohnen, Sonnenblumenkerne oder Pilze. Auch Omega-3-Fettsäuren in Rapsöl oder Fisch tragen zur Stimmungsaufhellung bei.

Wie werde ich wieder gesund?

Grundsätzlich gilt der alte Spruch: Eine Erkältung dauert mit und ohne Behandlung zehn Tage. Es gibt aber viele natürliche und synthetische Mittel, mit denen man die Symptome lindern und die Erkrankung erträglicher machen kann. Wer es natürlich mag, fängt mit Hausmitteln an. Wir stellen einige vor:

Inhalieren
Das geht ganz klassisch mit Küchentopf und Handtuch. Dem heißen Wasser kann man Kräuter oder ätherische Öle beisetzen. Besonders geeignet sind Kamillenblüten, Thymian, Latschenkieferöl, Eukalyptusöl und Teebaumöl. Durch die warmen Dämpfe werden die Atemwege befeuchtet und festsitzender Schleim löst sich.

Eine Mutter macht ihrer kranken Tochter Wadenwickel
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Wadenwickel
Fieber lässt sich damit auch ohne Medikamente senken. Sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern ist das aber erst ab einer Körpertemperatur von 39 Grad nötig. Für die Wadenwickel werden Baumwolltücher in lauwarmem Wasser getränkt, ausgewrungen und um die Unterschenkel gewickelt. Sind die Tücher warm, werden sie gewechselt. Das wiederholt man zwei- bis dreimal.

Nasendusche
Durch eine Nasenspülung werden die Schleimhäute befeuchtet, Schleim und Keime herausgewaschen und verhärtete Krusten gelöst. Man verrührt einen halben Teelöffel Salz mit einem Viertelliter warmem Wasser und füllt die Lösung in eine, in Apotheken erhältliche Nasendusche. Dann hält man über das Waschbecken gebeugt, bei leicht geöffnetem Mund den Kopf leicht zur Seite. Das lauwarme Salzwasser wird in das oben liegende Nasenloch gefüllt und läuft durch das untere wieder heraus. Nach einem Schnäuzen der Nase wird die Prozedur auf der anderen Seite wiederholt.

Trinken
Regelmäßiges und ausreichendes Trinken beugt Flüssigkeitsverlusten bei Fieber vor und hilft, Schleim zu lösen. Besonders geeignet sind Wasser, Saftschorlen und vor allem Kräutertees wie Ingwer mit Zitrone, Salbei, Huflattich, Eibisch oder Thymian. Brombeersaft enthält viele Vitamine und Mineralstoffe. Leicht angewärmt getrunken, wirkt er schleimlösend und fiebersenkend.

Ein Löffel mit Zweibelsaft aus kleingeschnittenen Zwiebeln
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Selbst gemachte Hustenmittel
Nach wie vor eine Empfehlung ist ein selbst gemachter Hustensaft. Dazu werden gehackte Zwiebeln mit vier Löffeln Honig vermischt. Das Ganze muss sechs Stunden ziehen. Danach wird der Saft abgeschöpft und getrunken.

Wenn der Hals kratzt, wirkt außerdem heiße Milch mit Honig lindernd.

Gurgeln
Schleimlösende Aufgüsse zum Gurgeln lassen sich selber herstellen. Die Pflanzen und Kräuter dazu sind in gut sortierten Apotheken oder Bioläden erhältlich. Besonders geeignet sind dafür Malve, Salbei, Arnika und Kamille.

Schlaf
Hat einen die Erkältung erwischt, helfen Ruhe und viel Schlaf. Wer sich schont, hilft dem Immunsystem, den Infekt zu bekämpfen.

Medikamente

Wem die Hausmittel nicht ausreichen oder wer nicht auf Medikamente verzichten möchte, kann Mittel gegen Erkältung rezeptfrei auf eigene Rechnung in der Apotheke kaufen.

Hier greifen viele zuerst zu Echinacea (Extrakt aus dem Kraut des Sonnenhutes) oder Umckaloabo (Wurzelextrakt aus einer südafrikanischen Geranienart), da sie auf pflanzlicher Basis hergestellt werden. Die Studien- und Datenlage zu beiden Präparaten ist uneinheitlich. Belegen lassen sich Effekte, wenn sie gleich zu Beginn einer Erkrankung eingenommen werden. Wichtig ist: Auch bei pflanzlichen Präparaten gibt es Nebenwirkungen. Der Beipackzettel gehört deshalb auch hier zur Pflichtlektüre.

Vitamin C und Zink wird auch gern bei Erkältungen gekauft. Es fehlen aber Belege, dass hochdosiert eingenommenes Vitamin C die Dauer der Erkrankung verkürzt. Ein kontinuierlich ausgeglichener Vitaminhaushalt des Körpers wirkt hingegen vorbeugend. Bei unmittelbar nach ersten Symptomen eingenommenem Zink gibt es Hinweise, dass sich durch die Einnahme die Erkältung um einen Tag verkürzt.

Viel beworben und viel gekauft werden sogenannte Kombipräparate wie Grippostad C, Aspirin complex oder Wick MediNait. Sie versprechen, mehrere Symptome gleichzeitig zu lindern und enthalten deshalb auch mehrere Wirkstoffe. Symptome einer Erkältung treten aber oft nacheinander und in unterschiedliche Konstellation auf. Deshalb empfehlen Experten, jedes Symptom einzeln zu bekämpfen.

Die Stiftung Warentest hat im Dezember 2017 ihre Datenbank zu Medikamenten ausgewertet und die preisgünstigsten unter den besten rezeptfreien Mitteln zusammengestellt.

Eine Frau steckt sich ein Hustenbonbon in den Mund
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Bei Husten helfen Hustenstiller gegen den Reiz und schleimlösende Präparate, um besser abhusten zu können. Ein guter Hustenstiller ist der Wirkstoff Dextromethorphan. In Kapsel- oder Pastillenform kosten zehn bis zwölf Stück zwischen 4,75 Euro (ratiopharm) und knapp sieben Euro (Wick). Hustenlöser enthalten Wirkstoffe wie Ambroxol und Acetylcystein (ACC) und 20 Brausetabletten kosten zwischen 2,55 Euro und knapp sechs Euro.

Wer Halsschmerzen hat, braucht feuchte Mund- und Rachenschleimhäute. Den dazu nötigen Speichelfluss unterstützen Lutschtabletten auf der Basis von Emser Salz. Halsschmerztabletten mit den Wirkstoffen Amboxol und Lidokain betäuben die Rachenschleimhäute und sind mit Einschränkung geeignet. Schon für knapp vier Euro bekommt man in der Apotheke 30 Emser Pastillen zum Lutschen.

Gegen Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen helfen Schmerzmittel. Die sollten allerdings nur an höchstens zehn Tagen im Monat genommen werden. Geeignet sind Acetylsalicylsäure (ASS, Wirkstoff Aspirin) und gleichzeitig fiebersenkende Mittel wie Paracetamol und Ibuprofen. Zehn Tabletten Paracetamol kosten weniger als einen Euro und zehn Tabletten Ibuprofen ca. 1,50 Euro.

Gegen Schnupfen helfen Nasentropfen und -sprays. Deren Wirkstoffe, besonders geeignet sind hier Xylometazolin und Oxymetazolin, lassen die Nasenschleimhäute abschwellen. Bei Nasensprays ist Vorsicht geboten. Sie sollten nicht länger als fünf Tage angewendet werden, da sonst die Schleimhäute austrocknen, anschwellen und weitere Medikamente brauchen. zehn Milliliter Nasenspray auf Xylometazolin-Basis bekommt man schon für 3,85 Euro, Oxymetazolin ist etwas teurer und schlägt mit 6,50 Euro für zehn Milliliter zu Buche.

Wie kann ich vorbeugen?

Viele fangen sich in der kalten Jahreszeit Viren ein. Gefeit ist dagegen niemand. Aber einfache Maßnahmen verhindern, dass sich die Erkältungsviren im Körper breit machen.

Händewaschen mit Seife
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Händewaschen
Mehrmaliges, gründliches Händewaschen am Tag für 20 bis 30 Sekunden vertreibt Viren effektiv. Wasser und Seife reichen aus. Außerdem sollte man in der Erkältungszeit aufs Händeschütteln verzichten.

Lüften
Heizungsluft trocknet die Schleimhäute aus und macht sie so anfälliger für Viren. Wassergefäße an oder nasse Tücher auf der Heizung, Pflanzen und regelmäßiges Lüften sorgen ausreichend feuchte Raumluft.

Abhärten
Saunagänge, Kneippmaßnahmen oder wechselwarmes Duschen härten den Körper ab und machen ihn weniger anfällig für Infekte. Aber Achtung: Die Empfehlung gilt nur für Gesunde.

Fazit

Vorbeugen ist auch bei fiesen Winterkrankheiten besser als heilen. Grundsätzlich gilt: Hat es einen erwischt und treten die Symptome extrem heftig auf oder klingen trotz Behandlung nach sieben bis zehn Tagen nicht ab, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Der klärt dann ab, ob es sich um eine schlichte Erkältung, eine Bronchitis oder Grippe oder eine Mischinfektion handelt, ob also neben Viren auch bakterielle Erreger ihr Unwesen treiben. Denen kann man, wenn notwendig, dann mit einem Antibiotikum beikommen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 31. Januar 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2018, 02:10 Uhr