Regeln für den Schulweg: Das ist für Schüler und Eltern wichtig

Viele Kinder in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gehen heute zum ersten Mal in die Schule. Das ist nicht nur für die Erstklässler ein ganz großes Ereignis. Auch ihre Eltern fiebern mit und machen sich natürlich etwas Sorgen, ob ihre Kinder gut zur Schule kommen. Mit den richtigen Regeln für den Schulweg und etwas Begleitung durch die Großen in den ersten Wochen klappt das aber sicher.

Im Zweifel: Länger begleiten

Das letzte und das aktuelle Jahr waren auch besonders, wenn es um die Sicherheit von Schulanfängern geht. Normalerweise üben nicht nur die Eltern den Schulweg mit den ABC-Schützen lange vorher ein. Es gibt auch Trainings-Programme der Verkehrswachten und vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). Die wurden von Kindergärten und Schulen im letzten Jahr tatsächlich eher selten angewendet, sagt DVR-Sprecherin Julia Fohmann. Umso wichtiger sei daher, dass Eltern mit ihren Kindern den Schulweg gemeinsam und oft üben:

Julia Frohmann vom DVR
Bildrechte: Martin Lukas Kim/DVR

Es schadet auf keinen Fall, das sehr häufig zu machen. Bei Kindern bleiben ja Gefahrenstellen weniger lange haften als bei Erwachsenen. Die gehen damit unbedarfter um. Insofern ist Übung eigentlich alles.

Beim Ablaufen des Schulwegs könnten Eltern auch mal einen Perspektiv-Wechsel mit den Kindern machen. Statt den Erwachsenen führen die Kinder bis zur Schule und zurück und erklären den Großen dabei, was wichtig ist und wo es gefährlich sein könnte.

Dabei können dann Eltern feststellen, ob ihre Kinder alle Gefahren richtig einschätzen. Und ob sie vielleicht beim Überqueren der Straße noch zu unbedarft sind. Das kann man dann auch nochmal gemeinsam besprechen und nachfragen, warum das Kind da vielleicht nicht nach rechts und links geschaut hat.

Mit Hilfe solcher Perspektivwechsel können dann Eltern entscheiden, wie lange sie die Schulanfänger auf dem Weg begleiten. Im Zweifel gilt: Lieber länger dabei sein und auf Nummer sicher gehen. Laut DVR gibt es zwar einen sehr positiven Trend, wenn es um die Sicherheit von Kindern geht: In den 90er Jahren starben jedes Jahr mehr als 500 Kinder im Straßenverkehr. Von 2010 bis 2019 sank die Zahl der getöteten Kinder auf unter hundert pro Jahr. Trotzdem sei jedes getötete Kind eben noch ein Kind zu viel, so der DVR.

„Hält das Auto wirklich an?“

Diese Regeln für den Schulweg können Schulkinder und Eltern laut unserer Expertin immer wieder gemeinsam durchgehen und üben:

  • Wo gehe ich über die Straße? Dafür sollte immer nur ein dafür vorgesehener Übergang genutzt werden wie eine Ampel oder ein Zebrastreifen. So kommen Kindern nicht in Versuchung, an unsicheren Stellen die Straße zu überqueren.
  • Wann gehe ich über die Straße? Bei einer Ampel nur, wenn die Grün zeigt und das Kind auch noch zweimal nach links und rechts geschaut hat. Auch am Zebrastreifen sollten Kinder erst dann loslaufen, wenn sie sich vergewissert haben, dass alle Autos wirklich anhalten.
  • Warum überquere ich nicht zwischen Autos die Straße? Das ist laut DVR eine der häufigsten Ursachen bei Unfällen mit Kindern im Straßenverkehr. Kinder werden von Autofahrern nur schwer gesehen, wenn sie zwischen dem Heck eines Autos und der Front eines anderen stehen. Das gilt besonders, wenn beide Autos höhere SUVs sind.

Der Wegplan: Hinweise zum jeweils sichersten Schulweg

Damit morgens hin zur Schule und zurück möglichst nichts passiert, haben viele Kommunen und auch Schulen einen sogenannten Schulwegeplan veröffentlicht. Das ist sozusagen ein Plan für den offiziellen und sicheren Weg. Der sieht aus wie ein Stadtplan, auf dem Haltestellen, Überwege und auch 30er-Zonen gekennzeichnet sind. Roman Schulz vom Landesschulamt in Sachsen sagt:

Der sichere Schulweg ist der gute Schulweg. Dass man nicht hundert Meter von der Kreuzung entfernt über die Straße springt, sondern da, wo Überwege sind, da wo verkehrsberuhigte Zonen sind Ampeln, Fußgängerüberwege einplanen. Man sollte so kleine Abkürzungen vermeiden und dass auch den Kindern in Anführungszeichen eintrainieren, dass sie alternativ festen Wege gehen.

In Sachsen kümmern sich die Schulträger um die Schulwegpläne, also unter anderem Städte und Gemeinden. In Thüringen müssen dafür die Schulen selbst aktiv werden und bekommen dabei Unterstützung von der Landesregierung. In Sachsen-Anhalt gibt es das gemeinsame Projekt „Schulwegpläne“ der Landesregierung und der Landesverkehrswacht Sachsen-Anhalt.

Kontaktdaten mitgeben

Es muss nicht immer gleich ein Unfall mit einem Auto sein. Manchmal stürzen auch Kinder auf dem Weg zur Schule und brauchen Hilfe. Für solche Fälle ist es auch aus Sicht unserer Expertin sinnvoll, dem Kind die Kontaktdaten der Eltern mitzugeben.

Die klassischen Brustbeutel zum Umhängen sind vielleicht nicht ganz wunderhübsch. Aber die haben ein Sichtfenster und da können die Kontaktdaten der Eltern rein. Da müssen dann Helfer nicht erst am Kind oder im Ranzen danach schauen.

Alternativ könnten Helfer die Schule der Kinder kontaktieren. Die kümmere sich dann um den Kontakt zu den Eltern.

Familien-Passwort vereinbaren

Für Eltern sind Gefahren durch Autos oder zu schnelle Radfahrer nur die eine große Sorge, wenn ihre Schulkinder unterwegs sind. Sie fürchten auch, dass Fremde ihr Kind ansprechen und mitnehmen könnten. Solche Fälle sind statistisch extrem selten, trotzdem ist die Angst natürlich da. Die kann aber etwas kleiner werden, wenn Eltern ihre Kinder gut auf Situationen mit Fremden vorbereiten und Regeln vereinbaren:

  • Abstand halten – zu Fremden und zu Autos. Wer Kinder respektiert und wirklich nur etwas fragen will, hält den Abstand auch ein. Für alle anderen Fälle bringt der Abstand wertvolle Zeit zum Weglaufen.
  • Zufluchtspunkte kennen. Im Ernstfall kann ein Kind zum nächsten Bäcker und Lebensmittelladen oder in das nahe Friseurgeschäft gehen und dort um Hilfe bitten. Solche Punkte können beim Schulwegtraining mit gezeigt werden. Eltern können ihren Kindern auch beibringen, sich von einem gestressten Ladenbesitzer nicht abwimmeln zu lassen. Dazu gehört, laut und verständlich um Hilfe zu bitten oder auch darauf zu bestehen, dass beispielsweise die Friseurin eingreift.
  • Familien-Passwort vereinbaren. Wenn das Fremde nicht kennen, laufen Überzeugungsversuche wie „Deine Mama liegt im Krankenhaus und ich soll dich hinfahren!“ ins Leere.
  • Fremde immer mit „Sie“ ansprechen. Ruft ein Kind „Lassen SIE mich los!“ werden Passanten eher aufmerksam als bei einer Du-Ansprache. Letzteres könnte auch nur ein ganz normaler Konflikt zwischen Eltern und Kind sein.

Zu einer guten Vorbereitung gehört auch, als Erwachsener realistisch zu bleiben und keine Ängste zu schüren. Ein gesundes Selbstbewusstsein bringt aus Sicht von Verkehrssicherheitsexperten Kindern mehr als die Angst vor einer unbekannten Situation.

Auch ältere Grundschüler nochmal kurz auf den ersten Schultag vorbereiten

Lehrer kennen das Problem gut: Die Sommerferien scheinen die Lernspeicher in den Kinderköpfen scheinbar gelöscht zu haben. Vor allem den Mathe-Teil. Das klingt lustig, bei Schulweg-Regeln und den Gefahrenstellen wird’s dann aber wieder ernst. Hier geht durch fehlendes Training in der langen Sommerpause tatsächlich einiges verloren und muss wieder eingeübt werden. Eltern können daher auch mit Zweit- und Drittklässlern und Älteren alles Wichtige für den Schulweg vor dem Start noch einmal durchgehen, rät Julia Fohmann. 

Gerade wenn es um das Überqueren von Straßen geht. Da können Eltern die Gefahrenstellen auch nochmal ansprechen. Das ist tatsächlich bei Kindern bis neun Jahren auch eine Rubrik in der Unfallstatistik.

Zudem seien Kinder in den ersten Schultagen oft noch etwas im „Ferienmodus“.

Kurzes Erinnern an die Grundregeln wie „Bei Rot stehen…“ oder der Hinweis auf Zebrastreifen und Fußgängerüberweg reichen oft schon.

„Bitte aufs Elterntaxi verzichten!“

Dieser Aufruf von Schulleitern, Verkehrssicherheitsexperten und Automobilclubs kommt jedes Jahr pünktlich zum Schuljahresbeginn. Die Beförderung der Schulkinder sei im Einzelfall verständlich und nachvollziehbar. Würden Kinder aber regelmäßig bis direkt vor die Schultür gefahren, könnten sie keine Verkehrskompetenz entwickeln, warnt der Automobil-Club Verkehr (ACV). Als Passagiere würden Kinder einfach nicht mitbekommen, was im Straßenverkehr passiere, sagt Julia Fohmann. Zudem gefährdeten Elterntaxis immer auch andere Schulkinder. Im Halte- und Wendestress vor der Schule würden Kleinere im schlimmsten Fall übersehen.

Insofern empfehlen wir eigentlich immer, mit dem Elterntaxi einen Parkplatz in der Nähe der Schule zu suchen. Einen richtigen Parkplatz, kein Platz mit Halteverbot. Von da kann das Kind dann die letzten Meter noch zu Fuß laufen und man gefährdet keine anderen Kinder.

Egal, ob Eltern ihr Kind bringen oder Autofahrer an einer Schule vorbeifahren: Alle sollten möglichst langsam fahren. Tempo 30 klingt für Autofahrer sehr niedrig und ist trotzdem manchmal schon viel zu schnell. Laut dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat beträgt der Anhalteweg eines PKWs (Reagieren + Bremsen) bei Tempo 30 immer noch 13 Meter. Das sind dann im Ernstfall ein paar Meter zu viel, weil ein Schulkind eben keine Knautschzone hat.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 06. September 2021 | 11:45 Uhr

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