Regionale Lebensmittel erkennen

„Das Beste von hier“, „Gutes aus der Heimat“, das sind Werbeversprechen, mit denen sich vor allem Nahrungsmittel hervorragend verkaufen lassen. Regionale Produkte stehen ganz oben in der Verbrauchergunst. Regional kaufen schont die Umwelt, spart Transportkosten und stärkt die eigene Wirtschaft. Was aber macht ein regionales Produkt tatsächlich aus? Woran erkennt man ob ein Lebensmittel tatsächlich aus der Region stammt?

Auf einem Parkettfußboden steht eine Holzkiste mit Obst und Gemüse 1 min
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MDR JUMP Fr 20.11.2020 10:45Uhr 01:06 min

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Das Grundproblem

Der Begriff „regional“ ist im Zusammenhang mit Lebensmitteln nicht gesetzlich definiert und geschützt. So warnt die Verbraucherzentrale, dass z.B. Möhren, als Heimatprodukt bezeichnet, aber in über 500 Kilometer angebaut werden. Dabei bedeutet Region für die meisten Verbraucher schon ein klar begrenztes Gebiet, wie etwa die Lausitz der Thüringer Wald oder das Mannsfelder Land. Also gilt es, beim Begriff „regional“ genau zu schauen, was damit gemeint ist.

Keine Garantie für regionale Lebensmittel

Auch wenn das Produkt auf den ersten Blick den Anschein erweckt, aus einer bestimmten Region zu sein, bei folgenden Hinweisen solltest du genau hinschauen:

  • Begriffe wie „aus der Region“, „Heimat“ oder „von hier“ - fehlen konkrete Ortsangaben, sagt das alles und nichts
  • Regionale Markennamen wie Sachsenobst oder Mühlhäuser sagen nichts über den genauen Herkunftsort oder die regionale Verarbeitung
  • Identitätskennzeichen: Wenn auf einem Produkt zum Beispiel „hergestellt in Sachsen“ steht, kann es sein, dass nur der letzte Verarbeitungsschritt oder gar nur die Abpackung in Sachsen stattgefunden hat
  • „Hergestellt für…“ sagt gar nichts über die Herkunft der Rohstoffe oder den Verarbeitungsort aus

Unterschied unverarbeitete Lebensmittel/verarbeitetet Lebensmittel

Thüringer Rostbratwurst
Wie viel Thüringen steckt in der Thüringer Rostbratwurst? Bildrechte: Colourbox.de

Bei Obst und Gemüse ist eine regionale Zuordnung relativ klar. Ein „Beelitzer Spargel“ muss aus der Beelitzer Region stammen. Gleiches gilt für „Kartoffeln aus Sachsen“ usw. Aber auch hier merkt man schon, Beelitz ist eine kleine Region, Sachsen ein ganzes Bundesland. Da ist eine geographische Zuordnung des Produktes schon schwieriger. Und noch ungenauer ist beispielsweise die Bezeichnung „Deutsche Erdbeeren“. Schwierig ist es auch bei verarbeiteten Lebensmitteln wie Wurst oder Fleisch zu erkennen, woher sie wirklich kommen. Gerade bei der Wurstherstellung kann es vorkommen, dass Tiere in dem einen Bundesland gehalten und dann zum Schlachten ins Nachbarbundesland gebracht werden. Dann geht es weiter zum Verarbeiten in ein drittes Land und schließlich zurück zum Verpacken ins erste Bundesland. Dort wird die Wurst dann als regional verkauft.

Siegel und Regionalmarken sollen helfen

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Siegel, die aber alle unterschiedliche Kriterien haben. Um beispielsweise das Gütezeichen „Geprüfte Qualität-Thüringen“ zu erhalten, müssen unverarbeitete Lebensmittel (Fleisch, Kartoffeln) zu 100 Prozent aus Thüringen stammen, bei verarbeiteten Lebensmitteln (zum Beispiel Konfitüre oder Wurst) genügen jedoch schon 50,1 Prozent. Regionalmarken wie etwa „Spreewald“ oder „Erzgebirge“ sind Initiativen kleinerer Erzeuger oder Verarbeiter. Sie vermarkten die Lebensmittel ihrer Region gemeinsam. Sie legen aber auch die Anforderungen und Richtlinien für Ihre Produkte selber fest. Das macht es für den Verbraucher noch schwieriger, den Durchblick zu behalten. Auf dem Regio-Portal findet man die jeweiligen Initiativen mit ihren Siegeln und Infos über deren Kriterien

Regionalfenster
Bildrechte: Regionalfenster Service GmbH

Auch das sogenannte Regionalfenster gibt Auskunft über die Herkunft von Lebensmitteln. Hersteller können ihre Produkte dort registrieren lassen. Verbraucher erkennen dann, wie viel Prozent aller Zutaten aus der Region kommen. Der Ort der Verarbeitung muss ebenfalls genannt werden. Ein Nachteil: Der Begriff „Region“ ist sehr weit gefasst: Die Region muss kleiner sein als die Bundesrepublik Deutschland und durch die Angabe des Landkreises, des Bundeslandes oder einem Kilometer-Radius angegeben werden. Die genannte Region kann Bundes- oder Ländergrenzen überschreiten.

Gemeinschaftszeichen der Europäischen Union für ‚geschützte geografischer Angabe (g.g.A.)‘
Bildrechte: Commission of the European Communities

Hinzu kommt das EU-weit einheitliche Siegel „Geschützte geografische Angabe“ (g.g.A.) Demnach muss mindestens eine Herstellungsstufe (Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung) in einem bestimmten Herkunftsgebiet stattfinden. Wie zum Beispiel bei der Thüringer Bratwurst.

Gemeinschaftszeichen der Europäischen Union für ‚Geschützte Ursprungsbezeichnung‘ (g.U.; Herkunftsbezeichnung
Bildrechte: Commission of the European Communities

Noch weiter geht das EU-Siegel „Geschütze Ursprungsbezeichnung“ (g.U.). Produkte, die dieses Siegel tragen, müssen in einem festgelegten Gebiet nach bestimmten Kriterien erzeugt, verarbeitet und hergestellt werden. Beispiele hierfür sind der Allgäuer Emmentaler und der Parmaschinken.

Direktvermarktung sichert Regionalität

Im Hofladen, auf dem Wochenmarkt, in Bauernläden in der Stadt oder mit einer Abo-Gemüse-Kiste kann man Lebensmittel direkt vom Erzeuger kaufen. Viele Produkte stammen in der Saison direkt vom Hof. Bauern oder Händler können Auskunft geben, wie die Produkte angebaut werden. Trotzdem sollten Verbraucher auch hier nachfragen. Gerade auf Wochenmärkten oder am Gemüsestand an der Straße gibt es nicht immer nur selbst angebaute Produkte. Um das Sortiment vollständig zu haben, kaufen manche Händler und Erzeuger auch saisonal Produkte hinzu, die kommen dann oft vom Großmarkt.

Augen auf im Supermarkt

Eine junge Frau steht mit einem vollen Einkaufswagen vor einem Supermarktregal
Bildrechte: Colourbox.de

Inzwischen kann man auch im Discounter viele regionale Lebensmittel finden. Hauptsächlich Obst und Gemüse, sowie Milch und Milchprodukte. Doch die Verbraucherzentrale mahnt zur Vorsicht. Manchmal wird mit falschen oder nicht nachvollziehbaren Regionalangaben geworben. Hier sollte man unbedingt auf die oben genannten Siegel achten.

Regional im www

Frische regionale Lebensmittel gibt´s auch online. Das Konzept heißt „Marktschwärmer“. Hier kann man ohne Mindestbestellwert und ohne Mitgliedsbeitrag frisches Obst, Fleisch, Brot usw. im Internet bestellen und den Einkauf in der nächstgelegenen „Schwärmerei“ abholen. Das ist eine Art Laden, mehr aber ein Treffpunkt, wo oft auch die Erzeuger vor Ort sind, die man zu den Produkten befragen kann. Meist haben die Schwärmereien an einem Tag pro Woche für ein, zwei Stunden geöffnet.

Fazit

Hersteller bewerben ihre Produkte mit Aussagen wie „regional“ oder „aus der Region“. Was genau darunter zu verstehen ist, ist nicht eindeutig festgelegt. Oft bleibt unklar, ob die Rohstoffe „aus der Region“ stammen oder ob diese dort „nur“ verarbeitet worden – oder beides. Manchmal ist auch nur die Rezeptur regional, während die Zutaten aus einem ganz anderen Land stammen.

Anhaltspunkte, wo die Rohstoffe von Lebensmitteln herkommen und wo sie verarbeitet wurden, geben Siegel. Hier sollte aber jeder genau nachlesen, welche Bedingungen für die Vergabe der Siegel erforderlich sind. Wer sicher gehen will, sollte deshalb immer beim Hersteller nachfragen, woher die Produkte stammen und wo sie hergestellt worden sind. Wer direkt beim Bauern kauft, kann fast immer auch sicher sein, regionale Lebensmittel auf dem Tisch zu haben.

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