Schichtarbeit: Was gilt es zu beachten?

30.10.2019 | 02:10 Uhr

Über sechs Millionen Menschen arbeiten in Deutschland in Wechselschichten, Tendenz steigend. Die Rahmenbedingungen für Schichtarbeit sind klar geregelt. Wir sagen, was du wissen musst.

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MDR JUMP Mi 30.10.2019 02:10Uhr 01:06 min

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Was genau ist Schichtarbeit?

Schichtarbeit ist nicht gesetzlich definiert. Man spricht von Schichtarbeit, wenn eine Arbeitsaufgabe über einen längeren Zeitraum als die gesetzlich definierte Arbeitszeit anfällt und deshalb von mehreren Arbeitnehmer in einer geregelten, zeitlichen Reihenfolge geleistet wird. Dadurch ergibt sich die Notwendigkeit eines Schichtplanes, der Arbeits- und freie Zeiten regelt. Für die Schichtarbeit existieren verschiedene Modelle. Hauptsächlich genutzt werden das Zwei-, Drei-, Vier- oder Fünfschichtmodell.

Wie ist Schichtarbeit geregelt?

Wie bei anderen Angestellten auch darf nicht mehr als acht Stunden pro Tag gearbeitet werden. In Ausnahmefällen dürfen es zehn Stunden sein, allerdings nur, wenn durchschnittlich 8-Stunden-Tage überwiegen. Auch Zwölf-Stunden-Schichten sind möglich, ebenfalls nur mit Ausnahmegenehmigung. Zwischen zwei Schichten müssen elf Stunden ununterbrochene Ruhezeit liegen. Für Sonntagsarbeit gibt es einen Ersatzruhetag innerhalb von zwei Wochen, und mindestens 15 Sonntage im Jahr haben arbeitsfrei zu sein. Dazu zählen allerdings auch Sonntage, die in den Urlaub fallen.

Für Nachtarbeit sind die gesetzlichen Regelungen umfassender. Wenn die Nachtschicht länger als acht Stunden ist, sind die geleisteten Überstunden innerhalb von vier Wochen auszugleichen. Außerdem erhält, wer nachts arbeitet, einen steuer- und sozialversicherungsfreien Lohnzuschlag oder Freizeitausgleich.

Schichtarbeit und Arbeitsvertrag

Bücher mit juristischer Fachliteratur
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Fällt der Arbeitgeber die Entscheidung, in seinem Betrieb Schichtarbeit einzuführen, kann er das nicht willkürlich tun. Entscheidend ist, wie die Arbeitszeit, also Arbeitsbeginn und –ende im Arbeitsvertrag verankert ist. Steht dort dazu nichts, unterliegt der Arbeitnehmer dem Weisungsrecht des Arbeitgebers, der die Schichtarbeit in Absprache mit dem Betriebsrat einführen kann. Ist die Arbeitszeit im Arbeitsvertrag festgeschrieben, bedarf es bei Einführung der Schichtarbeit einer Änderung des Vertrages.

Wie kann ich als Arbeitnehmer mitbestimmen?

Gibt es einen Betriebsrat, können Arbeitnehmer über diesen an der Gestaltung des Schichtdienstes mitwirken, denn der Betriebsrat hat in diesem Fall ein Mitspracherecht. Er muss auch dafür sorgen, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse in die Planung des Schichtsystems einfließen und kann Systemänderungen aufgrund seines Initiativrechtes selbst initiieren. Wenn es keinen Betriebsrat gibt, hat der Arbeitgeber mehr Spielraum. Trotzdem muss und sollte er auf Kritik und Vorschläge seine Arbeitnehmer reagieren.

Schichtarbeit und Gesundheit

Schichtarbeit bedeutet Arbeiten gegen die innere Uhr und ist deshalb – insbesondere wenn nachts gearbeitet wird – fast immer mit Folgen für die Gesundheit verbunden. So leiden Schichtarbeiter häufig unter Schlafstörungen, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Magen-Darm-Beschwerden. Auch die psychische Gesundheit ist oft angegriffen und es treten Depressionen, Burn-Out und chronische Erschöpfung auf.

Uhrenfeld in Düsseldorf.
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Aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse empfehlen Arbeitsmediziner den sogenannten Vorwärtswechsel der Schichten, also eine Aufeinanderfolge von Früh-, Spät- und Nachtschicht und anschließender Erholungsphase von mindestens 24 Stunden. Der ideale Wechsel von Schicht zu Schicht liegt laut Angaben von Arbeitsmedizinern bei zwei bis drei Tagen. In der Praxis haben sich aber Wechsel zwischen fünf und sieben Tagen durchgesetzt.

Wer zwischen 23 und 6 Uhr arbeitet, hat einen gesetzlichen Anspruch auf eine ärztliche Untersuchung alle drei Jahre auf Kosten des Arbeitgebers. Über 50-Jährige können die Untersuchung jährlich wahrnehmen.

Schichtarbeiter können für den Erhalt ihrer Gesundheit selbst einiges tun. Zum Ende der Früh-, Spät- oder Nachtschicht ist es ratsam, an den letzten Tagen jeweils etwas später ins Bett zu gehen, um den Körper umzugewöhnen. Das empfiehlt sich umgekehrt auch für den Übergang vom Frei in die Frühschicht.

Wer aus der Nachtschicht nach Hause geht, kann eine Sonnenbrille tragen. Dann fällt das Einschlafen zu Hause leichter. Und wer tagsüber schläft, sorgt besser schon vorher für eine entsprechende Umgebung. Türklingel und Telefon sind ausgeschaltet, der ist Raum maximal 19 Grad warm, ruhig und abgedunkelt. Dann glaubt der Körper, es sei Nacht. Fettiges und schweres Essen vor dem Schlafen ist tabu, genauso wie Alkohol. Denn mit dem schläft man zwar besser ein, der Schlaf ist dann aber nicht erholsam. Besser sind da täglich gleiche Rituale, wie zum Beispiel eine bestimmte Musik oder ein heißes Bad, die beim Einschlafen helfen. Besonders wichtig für Schichtarbeiter ist der physische Ausgleich, also Sport – auch wenn der sich oftmals schwer mit dem Arbeitsplan vereinbaren lässt.

Vor- und Nachteile von Schichtarbeit

Von der Schichtarbeit profitieren sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer. Beide Seiten müssen aber auch Abstriche machen. Arbeitgeber können durch die Schichtarbeit Produktions- oder Betriebszeiten ausdehnen, Technik maximal auslasten und so flexibel auf den Markt reagieren und ihre Angestellten effizient einsetzen. Wegen der Zuschläge für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit und die bei Schichtarbeit in der Regel höhere Zahl an Krankheitstagen steigen allerdings die Kosten.

Arbeitnehmer, die in Schichten arbeiten, schätzen meist, dass sie frei haben, während andere arbeiten müssen und zum Beispiel Arztbesuche, Behördengänge oder Einkäufe entspannt außerhalb jedweder Stoßzeiten erledigen können. Durch die Zuschläge ist die Schichtarbeit finanziell attraktiv. Nachteilig sind oft die gesundheitlichen Auswirkungen der wechselnden Arbeitszeit und die Schwierigkeiten, Familienleben und Freundeskreis mit der Schichtarbeit zu vereinbaren.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 30. Oktober 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Oktober 2019, 02:10 Uhr