Schulanfang: Ohne Stress und mit Freude in die erste Klasse

Über 70.000 Kinder kommen dieses Jahr in Mitteldeutschland in die Schule. Für alle in der Familie eine große, aufregende Sache. Wie die ersten Wochen ohne Drama ablaufen und wann du bei Problemen handelst, klären wir jetzt.

Es beginnt der Ernst des Lebens – ein doofer Spruch

Denn für Kinder, die gerade aus der Kita mit Spiel, Spaß und Bastelei kommen, muss er schlicht wie eine Drohung wirken. So macht der Schulstart wirklich keinen Spaß. Natürlich soll ernsthaft und ordentlich gelernt und gearbeitet werden, aber man muss ja nicht gleich schwarzmalen. Deshalb empfiehlt Petra Nikolov vom Landesamt für Schule und Bildung Sachsen:

Es ist ja für die ganze Familie, also auch die Eltern und Großeltern eine neue Erfahrung. Da gehen Sie am besten gut vorbereitet aber mit möglichst viel Entspannung und Freude ran und sprechen eben nicht vom Ernst des Lebens.

Die Wochen vor dem Schulanfang

Schulnoten
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Ordnung ist das halbe Leben. Der Spruch macht durchaus Sinn, indem du dich zum Beispiel mit Kind entspannt auf den Schulstart vorbereitest: Schulspeisung, Fahrkarten und Schulsachen sollten bestellt und alle dazu nötigen Infos sauber abgeheftet werden. Damit bist du deinem Kind ein positives Vorbild. Ein fester Platz im Kinderzimmer sollte für die Schulsachen freigeräumt werden. Wichtig: Schulsachen nicht mit anderen Spiel- und Bastelsachen vermischen. Damit der erste Schultag nicht zu aufregend wird, empfiehlt unsere Expertin:

Vorbereitend können Sie in der Woche vorm Schulanfang mal den Schulweg üben, die Schule nochmal von außen oder auch innen anschauen.

Auch das pünktliche Aufstehen und ein morgendliches Ritual von Waschen, Anziehen und Frühstück könnt ihr ein paar Tage vorher durchspielen.

Stillsitzen üben

Auch wenn viele Großeltern sich heutzutage als reine Spielfreunde und Geschenkegeber betrachten, sie sollten viel mehr sein.

Großeltern sind bei der Erziehung eine große Unterstützung der Eltern. Das müssen Sie sich immer wieder klar machen

so Petra Nikolov. Konkret können Großeltern durch ruhiges Vorlesen, Malen oder entspanntes Basteln mit dem Enkel, dafür sorgen, dass das Kind lernt, sich mal für 15 bis 20 Minuten auf eine Sache zu konzentrieren. Oma und Opa also als Ruhepol, eine prima Unterstützung. 

Der Schulanfang

Dieser Tag ist an sich aufregend genug, da ist in Sachen Feier weniger mehr.

Dein Kind kann eh nur eine begrenzte Menge an Informationen speichern. Da reichen eine schöne Schulanfangsfeier in der Schule und ein entspanntes Beisammensein mit der Familie am Nachmittag.

Der erste Tag/die ersten Wochen – wann Eltern loslassen sollten

Es gibt Eltern, die wollen ihr Kind in den ersten Schultagen bis ins Klassenzimmer bringen. Unsere Expertin hat in gewissen Grenzen Verständnis dafür:

Mädchen geht zur Schule
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Natürlich geben Sie das Beste weg, was Sie haben, Ihr Kind. Dennoch sollten die Eltern darauf achten, dass nicht zu viel zusätzliche Spannung aufgebaut wird. Schließlich kann dieser Neustart auch beim Kind mit Trennungsängsten verbunden sein. Also sollten sie es spielerisch ablenken, Verständnis auch für Tränen haben und vermitteln: Du schaffst das.

Spätestens nach zwei bis drei Wochen sollte dein Kind den Schulweg allein oder mit Schulfreunden bewältigen. Für lange Schulwege kann ein einfaches Handy im Ranzen für den Notfall Sicherheit geben.

Talisman mitnehmen

Es kann sein, dass dein Kind sich in den ersten Tagen in der Schule etwas verloren vorkommt. Dann rät unsere Expertin:

Es ist für Kinder ein gutes Gefühl, wenn sie von ihren Eltern einen kleinen Talisman mitbekommen. Der kann für Sicherheit sorgen und noch eine kleine gedankliche Verbindung an zu Hause herstellen.

So eine kleine Unterstützung lässt sich leicht selbst basteln und es reicht oft schon aus, wenn der Talisman irgendwo im Ranzen steckt.

Was Eltern über die Schule wissen müssen

Dein Kind sollte mit den neuen Eindrücken und Aufgaben nicht allein gelassen werden. Nach einem anstrengenden Schultag kann aber eine ausführliche Sofortbefragung durch die Eltern eher nerven.

Sie sollten natürlich immer Interesse daran zeigen, was in der Schule passiert ist, aber nicht den ganzen Nachmittag drängeln. Fragen Sie lieber spielerisch nebenbei, wie es heute war, oder dann in Ruhe am Abend beim ins Bett bringen

rät unsere Expertin. Dabei kann es von Vorteil sein, offene Fragen zu stellen. Sonst bekommt man auf ein „Na war's schön heute?“ schnell mal nur ein „Ja“ oder „Nein“ und der Drops ist gelutscht. Frage witzig und mit wirklichem Interesse, dann wird dein Kind sich dir öffnen und gerne aus dem Schulalltag berichten.

Wenn es mit der Lehrerin nicht klappt

Frau mit türkisem Oberteil sitzt mit einem Schüler am Tisch, malen
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Eigentlich sind Grundschullehrer und –lehrerinnen die großen Vorbilder der Abc-Schützen. Im Idealfall begleiten Sie die Kinder vier wichtige Jahre. Die Kids mögen sie und schauen zu ihnen auf. Das muss aber nicht immer auf Anhieb klappen, weiß unsere Expertin:

Wenn es früh mal Tränen gibt, ist das nicht ungewöhnlich und da sollten Sie sich schon Zeit geben, dass Ihr Kind sich an die neue Situation und die Lehrer gewöhnt. Es ist plötzlich wieder mit bei den Kleinsten und hat ganz andere Aufgaben und Situationen zu bewältigen als im Kindergarten.

Und die Erwachsenen fordern von den Kindern jetzt jeden Tag bestimmte Leistungen ein und bewerten auch mal negativ. Ganz normal also, wenn das Kind am Anfang damit so seine Probleme hat.

Spätestens wenn bis Weihnachten immer noch die Rede davon ist, dass Ihr Kind mit Lehrer oder Lehrerin nicht klarkommt, sollten Sie das persönliche Gespräch suchen. Manchmal sind es ganz simple Sachen, die zu Missverständnissen führen, wie zum Beispiel der falsche Sitzplatz

so unsere Expertin vom Landesamt für Schule und Bildung.

Bei Mobbing – sofort handeln

Leider sind unsere Schulen nicht in Bullerbü oder ähnlich romantisch gelegen. Und auch wenn wir es uns nicht wünschen, sind Gewalt und Mobbing Teile des Schulalltags. Sollte dein Kind davon betroffen sein, rät Petra Nikolov: 

Bei Mobbing oder wenn Sie als Eltern ganz klar das Gefühl haben, dass Ihr Kind in der Schule leidet, sollten Sie sofort etwas unternehmen.

Denn Mobbing ist kein Dummejungenstreich und auch keine Kleinigkeit. Dein Kind darf damit nicht allein gelassen werden. Wer meint, die Kinder sollten das unter sich regeln, sorgt mit dafür, dass sich die Brutalsten und Gefühllosesten durchsetzen. Und das ist tatsächlich auch schon bei den vermeintlich kleinsten Schülern so.

Problem: Opfer von Mobbing leiden mitunter ein Leben lang, während die Täter manchmal schon mit einer mündlichen Entschuldigung davonkommen.

Nimm dieses Thema ernst, handle schnell und setz dich mit der Schule in Verbindung und such dir Hilfe bei anderen Stellen.

Wenn Sie merken, dass ihr Kind sich zurückzieht, oder auf der anderen Seite plötzlich besonders kuschelbedürftig ist, wenn es gar einnässt, dann geht gerade ordentlich was schief

so unsere Expertin zu den deutlichen Anzeichen für Probleme.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 03. September 2021 | 11:45 Uhr

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