Schulranzen: Wie schwer darf er sein?

Das Angebot ist riesig, die Verwirrung oft genauso. Musst du nun vorm Ranzenkauf zur Extra-Anpassung für dein Kind? Drohen gar Rückenschäden durch zu schwere Ranzen?

An erster Stelle steht die Sicherheit

Schulanfänger mit Ranzen bei der Einschulung
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Die Schule beginnt im Herbst. Draußen wird es dunkel. Gerade für Erstklässler ist die Zeit aufregend und voller neuer Eindrücke. Da ist nicht immer garantiert, dass sie auf dem Schulweg so aufmerksam sind, wie sie sein sollten. „Ein Schulranzen, der gut sichtbar ist, verschafft im Ernstfall wertvolle Zeit: Mit jeder Sekunde mehr, die ein Autofahrer bei Tempo 50 benötigt, um eine Gefahr zu erkennen, rollt das Auto etwa 14 Meter weiter“, rechnet die Stiftung Warentest vor. Sie rät deshalb, nur solche Ranzen zu kaufen, die ausreichend reflektierende Flächen haben: „Mindestens zwanzig Prozent der Vorder- und Seitenflächen eines Schulranzens sollten aus fluoreszierenden Signalfarben bestehen“ Dazu gehören nochmal reichlich Reflektoren an Schnallen, Gurten und Verschlüssen. Ganz sicher gehst du beim Kauf, wenn dein Ranzen die DIN 58124 trägt. Denn dann sind genügend Reflektoren garantiert.

Klassische und sinnvolle Modelle

Rucksack, Tornister mit Hartschale oder einfache Tasche? Diese Frage sollte erst nach der vierten Klasse gestellt werden. Bis dahin kommen Schulanfänger mit der klassischen Form am besten zurecht: Einem Tornister mit stabilem Rahmen, zwei breiten Tragegurten, einem Hüftgurt, einem stabilen Deckel und einem wasserfesten Schalenboden, der dafür sorgt, dass der Ranzen von selbst steht.

Ein Tragegriff zum Aufhängen sollte auch dran sein. Polster am Rücken und an verstellbaren Gurten sorgen dafür, dass du den Ranzen optimal auf die Größe deines Kindes einstellen kannst und er gut passt. „Das ist wichtig, weil es gerade bei Schulanfängern noch große Unterschiede in Körpergröße und Entwicklung gibt“, rät Chiropraktorin Julia Kudraß aus Markkleeberg. Deshalb macht der erwähnte Schulrucksack erst später Sinn, er ist weniger gut anzupassen. Manche besorgte Eltern schicken ihre Kinder tatsächlich mit Trolleys in die Schule. Keine gute Idee: Das sorgt nämlich nicht nur für Hänseleien, sondern auch für Haltungsschäden durch einseitiges Ziehen.

Der gute Ranzen wächst mit

Damit du nicht jedes Jahr wieder suchen musst, sind Ranzen mit einem verstellbaren Rückenteil für die ersten vier Jahre ideal. Sie wachsen quasi mit. Oft reicht es dabei, einen Griff im Innenfach rauszuziehen oder zu drehen und die Tragegurte werden verlängert.

So wird der Ranzen richtig angepasst und getragen

Zwei Schulanfänger mit Zuckertüte und Ranzen unterwegs.
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Du musst dazu nicht zu einer speziellen Anpassung für viel Geld. Es gibt Geschäfte, die bieten das korrekte Einstellen kostenlos zum Ranzen an. Du kannst das aber auch ohne Hilfe, mit Kind. Ranzen auf und gucken: Er muss so hoch sitzen, dass er nicht über den Po reicht. Dazu unsere Expertin: „Das Iliosakralgelenk ist die Untergrenze. Sitzt der Ranzen tiefer, wird das Kind zu sehr nach hinten gezogen, der Schwerpunkt stimmt da einfach nicht mehr.“. Die Schultergurte sollten nicht zu eng am Hals anliegen, der Brustgurt also entsprechend weit eingestellt sein. Der Hüftgurt sollte in der Mitte der Hüftknochen aufliegen. Das nimmt die Last von den Schultern. „Allerdings braucht ein Kind den Hüftgurt nur, wenn es wirklich weit laufen muss. Und auch dann nur immer für eine gewisse Zeit, solange der Gurt nicht stört“, rät Expertin Kudraß.

Wichtig: Nie einseitig tragen

Damit dein Kind wirklich aufrecht steht und geht, muss der Ranzen immer auf beiden Schultern getragen werden. Einseitig sieht lässig aus, kann aber zu kräftigen Verspannungen und Fehlhaltungen führen. Auch unsere Chiropraktorin warnt: “Wenn Ihr Kind täglich mehrere Minuten so rumläuft, kann das schon ausreichen, um zu Muskelverspannungen, Fehlhaltungen und sogar im weiteren Verlauf zu einer Skoliose, also einer Fehlstellung der Wirbelsäule führen.“  

Keine Angst vor Überlastung – rechnen wir doch mal

Schulanfänger sollten maximal 15 Prozent ihres Körpergewichtes tragen. Wiegt dein Abc-Schütze rund 20 Kilogramm, dann sind das bis zu drei Kilo. Normale Tornister-Ranzen wiegen maximal 1,5 Kilo. Dann ist nochmal das Gleiche an Füllung möglich. Und wird es mal etwas schwerer, ist das laut Stiftung Warentest auch kein Problem: „Das Gewicht wirkt zu kurz auf den Rücken, um dauerhafte Schäden zu verursachen.“ Denn nüchtern betrachtet tragen die meisten Kinder ihren Ranzen nur ein paar Minuten am Tag. In Auto, Bus und Bahn wird er meist abgesetzt und in der Schule nur ein paar Meter von Raum zu Raum getragen. Nur wenige Kinder sind heute wirklich noch kilometerweit mit dem Ranzen zu Fuß unterwegs. Achtung: Ist dein Kind zu Schulbeginn aber noch sehr zierlich, kann es durchaus Sinn machen, einen speziell leichten Ranzen mit weniger als einem Kilo Eigengewicht zu nehmen.

Wann du echt günstig einkaufen kannst

Natürlich nach dem Schulanfang: Am besten kaufst du im Oktober. Dann zeigen die Hersteller in der Regel ihre neuen Produkte für das nächste Jahr. Die Händler wollen ihre Lager leeren um Platz zu schaffen. Und du bekommst bis zu 50 Prozent preiswerter einen guten Ranzen. Wichtig: Lass dein Kind den Ranzen Probe tragen, stellt ihn richtig ein, dann gibt es zum Schulanfang keinen Ärger.

Warum du möglichst ohne Specialmotiv kaufen solltest

Eine Grundschülerin sitzt neben ihrem Ranzen auf einer Treppe
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Egal ob Paw-Patrol, Yakari oder Prinzessin Lillifee: Was dein Kind sich heute ganz, ganz, ganz dolle wünscht, kann es morgen schon total doof finden. Oder die anderen finden es doof und dann findet dein Kind es natürlich auch doof. Und wer seinen Schulranzen doof findet, trägt und pflegt ihn nicht gerne. Dann gibt's Gezeter und alles beginnt von vorn. Deswegen suche am besten ein neutrales aber cooles Ranzenmotiv, im Idealfall mit auswechselbaren Magnetstickern. So kann dein Kind immer mal was Neues anbringen und behält den Spaß am Ranzen. Weiterer Vorteil: Neutrale Designs kosten oft weniger als Lizenzprodukte von großen Filmmarken.

Was der gute Ranzen kostet

Mit 150 Euro bist du vernünftig am Start. Dafür gibt es bei den meisten Anbietern zum Ranzen noch einen Sportbeutel, eine Federmappe (oft ohne Füller) und ein Schlampermäppchen. Modelle für 250 Euro kaufst du im Folgejahr oft viel preiswerter. Unter 100 Euro gibt es auch noch gute Angebote. Da können aber auch schnell Produkte mit fragwürdiger Verarbeitung und Material dabei sein.

Fazit

Ein guter Ranzen hat nach der DIN 58124 ausreichend gute Reflektorflächen. Er wächst mit, ist robust und nicht schwerer als 1,3 Kilo. Er hat ein möglichst neutrales Design und lässt sich optimal auf die Größe deines Kindes einstellen. Und er sollte dem Geschmack und der Lieblingsfarbe deines Kindes nahekommen. Was nicht heißt, dass dein Kind ihn unbedingt mit aussuchen muss.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 24. Juni 2021 | 11:45 Uhr

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