Versichert auf dem Schulweg

Die großen Ferien sind zu Ende, die Schule hat gerade wieder begonnen. Auch wenn der Weg zur Schule jeden Tag derselbe ist, können unterwegs Unfälle passieren. Laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung gab es im Jahr 2011 rund 114.000 Unfälle auf Schulwegen, 70 davon endeten tödlich. Wenn Kindern etwas auf dem Weg zur Schule passiert, sind sie automatisch gesetzlich unfallversichert. Doch es gibt Ausnahmen. Wir zeigen, was die gesetzliche Versicherung abdeckt und wann aufgestockt werden sollte.

Das sichert die gesetzliche Unfallversicherung ab

Schülerinnen und Schüler sind grundsätzlich auf dem direkten Weg zur Schule und zurück nach Hause versichert. Ob das Kind dabei zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Auto zur Schule kommt, ist egal. Im Falle eines Wegeunfalls springt dann die gesetzliche Unfallversicherung ein. Sie deckt die Kosten für Krankheits-, Arzt- und Krankenhauskosten ab. Diese Versicherung ist für die Schülerinnen und Schüler kostenlos und wird aus Steuermitteln finanziert.

Auf direktem Wege in die Schule und nach Hause

Der Schulweg sollte immer der kürzeste und direkteste Weg sein. Doch es gibt Ausnahmen, wann auch Umwege ebenfalls mitversichert sind. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales nennt folgende Ausnahmen:

  • wenn eine Abweichung vom direkten Weg verkehrsgünstiger oder ungefährlicher ist, beispielsweise wenn für Radfahrer ein Umweg über einen ausgebauten Radweg führt,
  • wenn mehrere Schülerinnen oder Schüler beziehungsweise deren Eltern eine Fahrgemeinschaft bilden,
  • wenn die berufliche Tätigkeit der Eltern es erfordert, das Kind in fremde Obhut zu geben.

Wann die gesetzliche Unfallversicherung nicht mehr greift

„Kinder sind auf dem Schulweg aber dann nicht mehr gesetzlich unfallversichert, wenn sie etwa noch einen Freund besuchen und dort spielen“, erklärt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Kein Versicherungsschutz besteht demnach,

  • wenn der Weg aus privaten Anlässen (etwa während eines Einkaufs) unterbrochen wird und
  • wenn der Schulweg aus privaten Gründen länger als zwei Stunden unterbrochen wird. Der Rest des Weges ist dann nicht mehr versichert.

So urteilten die Gerichte etwa bei einer Schülerin, die auf dem Nachhauseweg bei der Oma zum Mittag vorbei kam, dass hier die gesetzliche Unfallversicherung nicht aufkommen muss. Denn den Umweg nahm das Mädchen privaten Gründen. In einem anderen Fall ging ein Lehrer außerhalb der Schulzeit mit seinen Schülern ins Schwimmbad – ein Schüler verunglückte, auch hier war er nicht gesetzlich unfallversichert.

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Wenn es zu einem Unfall auf dem Schulweg kommt, sollten bei der Beurteilung des Unfallschutzes jedoch weniger strikte Maßnahmen angelegt werden, denn Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie weichen schnell einmal vom direkten Weg ab, ohne dass dahinter Absicht oder Vorsatz steckt. Dem folgte auch das Bundessozialgericht in Kassel. Die Richter entschieden in einem konkreten Fall, dass ein 8-jähriger Junge auch Anspruch auf die Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung hat, auch wenn er aus dem Schulbus zwei Stationen später als üblich stieg. Er hatte sich im Bus angeregt mit einer Mitschülerin unterhalten, sodass er vergaß, rechtzeitig auszusteigen und zwei Haltestellen zu weit fuhr. Auf dem Rückweg wurde der Junge von einem Auto angefahren und schwer verletzt. Dem Gericht zufolge habe der Schüler nicht geplant, von seinem üblichen Schulweg abzuweichen. Die gesetzliche Unfallversicherung müsse bei der Beurteilung solcher Fälle auch alterstypische Verhaltensweisen berücksichtigen (Aktenzeichen: Bundessozialgericht B 2 U 29/06 R).

Private Unfallversicherung für den Schulweg

Der Bund der Versicherten empfiehlt eine private Unfallversicherung für Kinder abzuschließen. Die zahlt auch dann, wenn das Kind aus reinem Privatvergnügen einen Umweg macht – etwa einen kurzen Abstecher zu einem Freund. „Eine private Unfallversicherung bietet Schutz bei allen Unfällen weltweit und rund um die Uhr, auch wenn das Kind auf dem Spielplatz oder mit dem Auto einen Unfall hat“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Dadurch sind Kinder also auch in der Freizeit abgesichert. „Zum anderen muss die gesetzliche Unfallversicherung auch der Höhe nach bei einigen Unfällen längst nicht ausreichen. Bei Invalidität infolge eines Unfalls etwa wird man nicht genug Geld von der Versicherung bekommen“, erklärt Bianca Boss weiter. Bei der privaten Versicherung hingegen lässt sich die Versicherungssumme selbst festlegen. Der Bund der Versicherten rät Verbrauchern zu einer Versicherungssumme von 200.000 Euro, insofern nach einem Unfall keine anderen Versicherungen einspringen.

Kosten einer privaten Unfallversicherung

Ein Beispiel: Wollen Eltern ihr sechsjähriges Kind allein privat unfallversichern, können sie eine Versicherung ab zehn Euro im Monat bekommen (bei 200.000 Euro Versicherungssumme).

Unfall auf dem Schulweg unverzüglich melden

Wenn ein Unfall auf dem Schulweg passiert, sollten Eltern diesen sofort der Schule melden. Auch dem behandelnden Arzt sollten sie sagen, dass der Unfall auf dem Weg zur Schule bzw. nach Hause passiert ist. Dann kann es gleich dem Versicherungsträger gemeldet werden. Dann muss nicht die Krankenkasse, sondern die Unfallversicherung die Kosten übernehmen. Das ist wichtig, denn ihre Leistungen sind großzügiger, gerade in Bezug auf Rentenzahlung bei bleiben Schäden infolge des Unfalls. Es gibt auch Fachärzte, sogenannte Durchgangsärzte, die eine von der Berufsgenossenschaft erteilte besondere Zulassung haben.

Fazit

Kinder sind auf dem Schulweg gesetzlich unfallversichert. Das gilt aber nur, wenn sie sich direkt zwischen Schule und Wohnung bewegen. Werden Umwege eingeschlagen, die dem Privatvergnügen dienen, springt die gesetzliche Unfallversicherung nicht mehr ein. Der Bund der Versicherten empfiehlt daher, eine private Unfallversicherung abzuschließen. Sie sichert die Kinder auch bei Unfällen in der Freizeit ab. Zudem kann hier die Versicherungssumme selbst bestimmt werden. Dennoch sollte man vor Abschluss einer privaten Versicherung überlegen, ob im Falle eines Unfalls nicht auch andere Versicherungen, wie die Haftpflicht oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung greifen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 09. September 2021 | 11:45 Uhr

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