Schwanger und Katze: Wie groß ist die Gefahr wirklich?

Zu einer Schwangerschaft mit Katze im Haus gibt es zwei grundsätzliche Haltungen: 1. Die Katze muss weg! 2. So schlimm ist das alles nicht! Die Wahrheit liegt dazwischen. Wie sich beides verträgt, erfährst du jetzt.

Katze mit schwangerer Frau im Hintergrund 1 min
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MDR JUMP Mi 09.09.2020 10:45Uhr 01:06 min

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Was die Katze nicht nur für Schwangere gefährlich macht

Tierfreunde hören es nicht gern, Fachleute sagen es ganz nüchtern: Katzen können eine große Zahl von Erregern und Krankheiten übertragen. Wichtig dabei: Freigänger sind wesentlich mehr betroffen, als reine Stubentiger. Beim Kontakt mit anderen Katzen, dem Fressen von Mäusen, Vögeln und anderen Kleintieren können sich Freigänger viele Erreger zuziehen und dann zuhause weiter geben. Auch eine gesund wirkende Katze kann krank machen. Die Katze hat unter den Haustieren tatsächlich einen derartigen Sonderstatus, dass erfahrene Gärtner empfehlen, nahezu jeden Tierkot kompostieren zu können- außer den Kot und die Streu von Katzen; davon wird dringend abgeraten. Schon für gesunde Menschen kann der Umgang mit Katzen problematisch sein, für Schwangere ist das Risiko ungleich größer: "Katzenkot und auch ein Katzenbiss stellen für eine schwangere Frau eine enorm hohe Gefahr dar. Sie und ihr Kind können nachhaltig geschädigt werden. Und dieses Risiko besteht während der gesamten Schwangerschaft", warnt Ärztin Dr. Anke Görgner.

Welche Probleme dem Kind drohen

Die Hauptgefahr geht von der Ansteckung mit einer Toxoplasmose aus. Diese Krankheit kann Embryos so schädigen, dass sie mit schweren Fehlbildungen oder gar tot auf die Welt kommen. Das kann allerdings nur passieren, wenn die Schwangere noch nicht immun gegen den Erreger ist. Hatte man einmal Kontakt, entwickelt man nämlich eine Immunität, schätzungsweise auf 70 bis 80 Prozent aller Erwachsenen trifft das zu. Problematisch wird es also für Schwangere, die nicht immun sind und sich während der Schwangerschaft über den Kontakt mit Katzenkot infizieren. Außerdem kommt der Erreger auf ungewaschenem Obst und Gemüse, in rohem Fleisch und im Gras oder auch in Sandkästen vor, die von Katzen besucht werden.  

Wie Frau vorbeugen kann

Wenn du schwanger bist, oder es werden willst, solltest du dich unbedingt auf Toxoplasmose testen lassen. Bist du immun, ist alles gut, wenn nicht, gilt erhöhte Aufmerksamkeit. Auch die Katze kann vom Tierarzt auf den Erreger untersucht und unter Umständen geimpft werden. Solltest du nach dem Kontakt mit Katzen grippeähnliche Symptome feststellen, lass dich auf jeden Fall untersuchen.

Wie sich Schwangere im Alltag verhalten müssen

Du musst keine Panik schieben und auch für die Katze gibt unsere Expertin Entwarnung: "Man sollte das mit Augenmaß angehen- die Katze muss nicht sofort ins Tierheim. Sie müssen sich aber zu Hause mit Katze an ganz bestimmte Regeln halten und insgesamt vorsichtig sein." So solltest du dich zum Beispiel nicht ums Futter oder das Katzenklo kümmern, das müssen andere über-nehmen. Achtung:  Die Toxoplasmen (die Erreger der Krankheit) werden im Katzenkot erst nach zwei bis drei Tagen aktiv. Deswegen sollte das Katzenklo während der Schwangerschaft unbedingt täglich gründlich gereinigt werden. Katzenspielzeuge und alle anderen Utensilien müssen am besten mit 70 Grad heißem Wasser gesäubert werden. Die Katze gehört nicht ins Bett und nach jedem Streicheln solltest du dir die Hände waschen. Arbeite im Garten nur mit Handschuhen - Katzen lieben es ihr Geschäft, in sauber gehackten und von der Sonne gewärmten Beeten zu verrichten. Das gilt auch für deine Nachbarskatze. Iss kein bodennah wachsendes Obst oder Gemüse, ohne es gründlich zu waschen.

Was nach einem Kratzer oder Biss dringend passieren muss

"Schwangere sollten nach einem Biss unbedingt zum Arzt. Schon einen Kratzer sollten sie desinfizieren und die Stelle beobachten. Bei Entzündungen oder gar geschwollenen Lymphknoten, gehen Sie unbedingt zum Fachmann", rät Ärztin Dr. Görgner. Auch wenn die Mieze noch so lieb ist und der Biss vielleicht beim Spielen passiert ist: Es ist keine Bagatelle. Keimbelasteter Speichel kann eine schwere Infektion verursachen. Geh also unbedingt zum Arzt und nimm den Impfausweis mit, eventuell muss dein Tetanusschutz aufgefrischt werden.

Welche Probleme es nach der Geburt geben kann

Katzen haben zwar einen Ruf als Einzelgänger, sind aber meist sehr soziale Wesen und fordern viel Aufmerksamkeit. Deswegen kann schon der veränderte Hormonspiegel einer Frau dazu führen, dass eine Katze spürt, es kommen Veränderungen auf sie zu. Das kann Stress auslösen. Auch auf das Neugeborene können Katzen mit Stress reagieren. Lass dein Kind niemals und unter keinen Umständen unbeaufsichtigt mit einer Katze, auch wenn sie im Normalfall friedlich und lieb ist. Mach klar, dass die Katze jetzt nicht mehr jeden Platz für sich zum Ausruhen oder Streicheln beanspruchen kann. Kinderbettchen, Wickeltisch usw. sind für Katzen tabu.

Warum nicht nur Schwangere gefährdet sind

Auch für gesunde Kinder und Erwachsene können bestimmte Katzen- Krankheiten problematisch sein, warnt unsere Expertin: "Für jeden kann ein Katzenbiss wirklich ernsthafte Folgen haben. Das liegt anatomisch daran, dass die spitzen Zähne wirklich sehr tief in das Gewebe eindringen können. Und dann übertragen Katzen mit ihrem Speichel viele für uns gefährliche Erreger." Die erwähnte Toxoplasmose zum Beispiel kann völlig ohne Symptome ablaufen, sie kann aber auch für entzündete Lymphknoten und andere Organe sorgen, mit entsprechenden langwierigen Problemen. Eine Toxoplasmose-Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Ein Kind, das im Sandkasten spielt, kann also die schwangere Mutti nicht gefährden. Problematisch wird es, wenn die Mutti mitspielt und vielleicht noch gar nicht weiß, dass sie schwanger ist."

Fazit

Schwangere sollten im Umgang mit Katzen besonders vorsichtig sein. Die Katze muss nicht aus dem Haushalt entfernt werden- es sollten aber alle auf besondere Hygiene und einen Umgang mit Abstand achten. Und das gilt auch für nach der Geburt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 09. September 2020 | 10:45 Uhr

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