Schwimmkurse für Kinder

Diese Statistik ist besorgniserregend: Rund die Hälfte aller Kinder der vierten Klasse kann nicht richtig schwimmen. Lernen ist also absolut nötig und wie das am besten funktioniert, erfährst du jetzt.

Kinder rennen ins Meer. 1 min
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MDR JUMP Mo 26.10.2020 10:46Uhr 01:05 min

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Wann der beste Zeitpunkt ist

Babyschwimmen, Mutter-Kind-Baden, das ist ideal zur Gewöhnung an das Element Wasser, hat aber nichts mit richtigem Schwimmunterricht zu tun und ist auch noch zu früh. "Je nach dem Entwicklungsstand des Kindes, ist ein Alter von fünf bis sechs Jahren ein guter Zeitpunkt um das Schwimmabzeichen Seepferdchen zu machen. Dann können Sie jedes Jahr ein weiteres Abzeichen machen, da bleiben Sie immer am Ball", rät der Rettungsschwimmer Thomas Handke von der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft Ortsgruppe Parthenaue.

Hier kann dein Kind schwimmen lernen

Kinder lernen schwimmen
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Eigentlich ist Schwimmen fester Bestandteil des Schulunterrichtes. Ab Ende der Grundschule sollten alle Schüler wenigstens das deutsche Schwimmabzeichen haben. In der Praxis funktioniert das in keinem mitteldeutschen Bundesland auch nur annähernd. Schwimmhallen in der Nähe sind marode oder zu umständlich erreichbar. Vereine wie die DLRG oder das DRK bieten ebenso Schwimmkurse an, wie rein private Träger. Angebote findest du relativ problemlos im Internet. Du musst dich aber darauf einstellen, dass du entweder auf einer Warteliste landest oder nur mit viel Glück, direkt einen Kurs bekommst. Meist sind um die zehn Kursstunden im Angebot. Kosten ab 100 Euro bis zu 200 Euro sind normal. Wichtig: Um ein guter Schwimmer zu werden, benötigt man rund 30 Unterrichtseinheiten und entsprechende Übung. Ein einzelner Kurs dürfte also nicht ausreichen.

Darum gibt es kaum freie Plätze in Schwimmkursen

Sind sie online, sind sie oft nach wenigen Minuten ausgebucht. Schwimmkurse sind Mangelware. Warum das trotz der großen Nachfrage so ist, erklärt unser Experte so: "Die Prüfungsordnung des Deutschen Schwimmverbandes regelt sehr streng, wer Schwimmunterricht geben und Prüfungen abnehmen darf. Das ist auf einen sehr kleinen Personenkreis beschränkt." Hinzu kommt, dass relativ viele Betreuer gebraucht werden. "Der Schlüssel ist ein Erwachsener zu sechs Kindern. Dann brauchen wir für einen Kurs von bis zu 18 Kindern also auf einmal drei Betreuer. Und wir von der DLRG und auch viele andere machen das rein ehrenamtlich. Da müssen Sie erstmal Leute finden", so Thomas Handke. Außerdem muss noch eine Schwimmhalle mit genügend Platz und freien Zeiten in der Nähe verfügbar sein. Schwimmunterricht zu geben, ist also aktuell alles andere als ein erfolgversprechendes Geschäftsmodell.

Darum ist dein Kind mit Seepferdchen noch kein Schwimmer

Ein fataler Gedanke: Dein Kind hat einen Kurs besucht, mit dem Seepferdchen abgeschlossen und nun geht’s ohne Sorgen an den Strand. Schließlich kann der Junior ja jetzt schwimmen. "Das ist falsch. Ein sicherer Schwimmer muss mindestens 15 Minuten schwimmen können und das auch in verschiedenen Schwimmstilen. Die 25 Meter Streckenschwimmen, die beim Seepferdchen verlangt werden, reichen da nicht aus", warnt unser Experte. Er empfiehlt, dass Seepferdchen nur als Einstieg zu nehmen und immer wieder Schwimmabzeichen zu absolvieren, bis dein Kind wirklich sicher und ausdauernd schwimmen kann.

So können Eltern das Schwimmen lernen unterstützen

Geht so oft wie möglich baden. Ein einfacher Rat mit großer Wirkung: Dein Kind verliert so eine etwaige Angst vorm Wasser. Zusätzlich zu einem Kurs können Übungseinheiten nicht schaden. Auch unser Experte hat nichts gegen Eltern, die ihren Kindern das Schwimmen beibringen: "Im Prinzip können Sie das machen. Oft haben erfahrene Schwimmtrainer aber einen besseren Aufbau beim Unterricht, die richtigen Schwimmhilfen und auch den ab und zu nötigen emotionalen Abstand um entsprechende Leistungen einzufordern."

Wo die größten Gefahren für dein Kind lauern

Über 400 Menschen ertrinken jährlich in Deutschland. Nur die wenigsten Badestellen können von Rettungsschwimmern wie Thomas Handke gesichert werden. Deshalb ist ganz wichtig, dass du ein Kind auch mit Schwimmkenntnissen nie aus den Augen lässt. "Es sind die normalen Baderegeln, die heute kaum noch ernst genommen werden, wie nicht ohne Abkühlung oder mit vollem Magen ins Wasser gehen, die zu Badeunfällen führen. Außerdem beobachten wir, dass immer mehr Kinder unzureichend fit sind, um auch mal eine Gefahrensituation zu überstehen", so unser Experte. Besonders tragisch:  Von den über 20 Kindern im Vor- und Grundschulalter, die jährlich ertrinken, kommen die meisten im häuslichen Bereich zu Tode. Dazu unser Experte: "Das ist oft ganz simpel der Minipool oder ein kleines Planschbecken. Die Kinder rutschen aus, stolpern, atmen reflexhaft im Waser ein oder können sich einfach nicht bewegen. Sie können da einen Meter um die Ecke stehen und bekommen das nicht mit. Das ist ein ganz stiller und brutaler Tod." Lass also mit Miniteich, Planschbecken oder ähnlichem im Garten Dein Kind nie auch nur eine Minute aus den Augen!

Wie tief darf das Kind ins Wasser

Klare Antwort des Experten: "Nur ausgewiesene Schwimmer sollten auch in Wasserbereiche, wo sie nicht mehr stehen können. Alle anderen brauchen im Tiefwasser, selbst wenn sie auch nur auf dem Boot dort unterwegs sind, eine Schwimmweste." Schwimmhilfen wie Armpüffchen oder der Schwimmring sind nur für Wasserbereiche geeignet, in denen dein Kind noch stehen kann.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 26. Oktober 2020 | 10:45 Uhr

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