Sicher auf Ski- und Rodelpisten unterwegs: So kommst du immer heil runter

15.02.2019 | 11:00 Uhr

Krankenhaus statt Wintersonne, Reha statt Pistenspaß: Mehr als 40.000 Skifahrer und Snowboarder verletzten sich im letzten Winter laut Auswertungsstelle für Skiunfälle (ASU) so schwer, dass sie ärztlich behandelt werden mussten. Die Zahlen sind im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Mit den Tipps unserer Experten kommst du möglichst heil und gesund durch die schönste Schneezeit des Jahres.

Zeitige Vorbereitung senkt Verletzungsrisiko

Eine sichere Ski- und Snowboard-Saison fängt im Sommer an. Andreas König, Sicherheitsexperte beim Deutschen Skiverband (DSV) sagt:

Wenn ich körperlich fit bin und das ganze Jahr Sport mache, dann bin ich auch fit auf der Piste und kann mich besser aufs Skifahren konzentrieren.

Vor allem die Muskeln an Rumpf, Rücken und Beinen werden beim Wintersport besonders stark beansprucht. Skifahrer sollten besonders die Kniemuskulatur, Snowboarder die an der Schulter trainieren. Das sind die Körperteile, die bei einem Sturz am stärksten belastet werden. Die Bedingungen auf dem Berg fordern zudem das Herz-Kreislauf-System stärker. Daher sollten Wintersportler möglichst schon mehrere Monate vor dem Urlaub Kraft und Ausdauer trainieren. Besonders Übungen auf einer Wackelplatte oder einem anderen instabilen Untergrund bringen für den Wintersport ein echtes Sicherheitsplus. David Schulz leitet die Auswertungsstelle für Skiunfälle bei der Versicherung ARAG und sagt:

Nachgewiesen wurde, dass sensomotorische Übungen präventive Wirkung haben. Bei diesen lernt der Körper, die Gelenkachse bei bestimmten Bewegungen reflexartig, das heißt ohne darüber nachzudenken, zu stabilisieren.

Andreas König ergänzt:

Wenn ich auf Wackelbrettern übe, dann trainiere ich auch meine Körperspannung. Und die ist vor allem bei einem Sturz wichtig. Dann kann ich viele Verletzungen vermeiden.

Last-Minute-Sport bringt aber auch etwas

Wer das Jahr über neben Familienalltag und Arbeit kaum Zeit für Sport hatte, kann das Verletzungsrisiko mit Last-Minute-Übungen trotzdem noch deutlich reduzieren. Anfänger verbessern sich laut unseren Experten bei Kraft und Ausdauer sehr schnell spürbar. Andreas König sagt:

Da lege ich unsere Skigymnastik den Leuten sehr ans Herz. Der DSV hat gemeinsam mit der Ski-Cross-Fahrerin Heidi Zacher eine App herausgegeben, mit der Wintersportler kurz vor knapp noch trainieren können.

Die App gibt es kostenlos für iPhones und Android-Smartphones. Wichtig sei auch, sich am Skitag selbst für die kommende Belastung warm zu machen.

Das sieht vielleicht blöd aus, wenn ich da den Hampelmann auf der Piste mache. Aber ich kann mich ja auch etwas warm fahren. Nicht gleich Vollgas also, sondern erstmal ein paar leichte Pisten und öfter Pausen machen.

Unser Experte empfiehlt zudem die "Nachsorge" am Skitag.

In der App zeigen wir zudem vier Übungen für den Nachmittag oder Abend nach dem Skitag. Da muss man die Muskeln dehnen und mobilisieren, damit der Muskelkater gar nicht erst entstehen kann.

Die Ausgabe für diese Sicherheitsrüstung lohnt sich

Für Erwachsene ist ein Skihelm bisher in keinem Wintersportland Vorschrift, für Kinder und Jugendliche gilt nur in ein paar Ländern wie Italien und Österreich bis 14 bzw. 15 Jahre eine Helmpflicht. Andreas König lobt:

Ein Mädchen auf Skiern im Skianzug und mit Skihelm und Skibrille sitzt im Schnee.
Bildrechte: colourbox.com

Wir sind trotzdem in der glücklichen Lage, dass mehr als 90 Prozent der Erwachsenen und bei den Kindern fast 99 Prozent einen Helm tragen. Wer noch ohne Helm auf der Skipiste fährt, geht einfach ein zu großes Risiko ein.

Das sehen inzwischen auch Gerichte so. Selbst wenn Skifahrer oder Snowboarder völlig schuldlos an einer gut einsehbaren Stelle umgefahren werden, wird ihnen eine Teilschuld von 20 Prozent auferlegt, wenn sie keinen Helm aufhaben. David Schulz sagt:

Hintergrund für die Entscheidungen der Gerichte ist: Jedem ist bekannt, dass Helm tragen auf der Piste die Norm ist und ein Helm schützt.

Andreas König empfiehlt Wintersportlern, über einen Rückenprotektor oder auch Rückenpanzer zumindest nachzudenken:

Der ist vor allem sinnvoll, wenn ich auch mal abseits der Piste unterwegs bin. Bei Kindern schützt der zudem vor den Skischuhen und Skikanten von anderen, weil Kinder eben wegen ihrer Größe näher an der Piste dran sind.

Auch eine gute Skibrille sei wichtig: Viele Unfälle passierten aufgrund von Wahrnehmungsproblemen.

Der Materialcheck ist keine Geldschneiderei

Wer eigenes Material mit in den Winterurlaub bringt, sollte das vorher noch einmal vom Experten einstellen und vorbereiten lassen. Gut gewachste Skier und Snowboards lassen sich mit weniger Kraftaufwand auf der Piste drehen, gut geschärfte Kanten geben auf vereistem Untergrund ein Sicherheitsextra. Da lohnt sich also die Ausgabe für den "Kleinen oder großen Service", sagen unsere Experten. Andreas König empfiehlt:

Von älterem Material sollte ich mich trennen: Nach zehn Jahren geht der Weichmacher aus dem Kunststoff und dann kann die Bindung oder die Schuhschale brechen.

Der DSV-Experte empfiehlt Wintersportlern zudem als Vorbereitung, noch einmal ins Kleingedruckte der eigenen Krankenversicherung oder der Auslandskrankenversicherung zu schauen.

Die Pistenrettung ist gut ausgebaut, aber nicht jede Krankenkasse bezahlt eine Bergung mit dem Hubschrauber. Die kostet ab 3.000 Euro aufwärts.

Alternativ gebe es Skiversicherungen zu überschaubaren Preisen, die auch die Bergung mit dem Hubschrauber übernehmen.

Fahrtechnik auffrischen

Auch wer schon mehrere Jahre Ski oder Snowboard fährt und selbst schwarze Pisten meistert, profitiert aus Sicht von Andreas König von einer Auffrischung der Fahrkünste.

Skikurs in den Bayrischen Alpen
Bildrechte: imago/Sven Simon

Da ist es sinnvoll, sich für eine Stunde nochmal einen Skilehrer zu nehmen der einen kurz einweist in die Technik-Sachen und dann fühlt man sich einfach fitter und sicherer.

Außerdem lernten Skikurs-Teilnehmer auch noch einmal, wie sie sich in einem Notfall verhalten.

Kinder lernen das zum Beispiel im Skikurs immer – den so genannten Notsturz. Wie man sich richtig fallen lässt, um die Situation zu entschärfen und sich nicht weh zu tun.

Die Pistenregeln des Internationalen Skiverbandes FIS 1. Rücksicht auf die anderen Skifahrer
Jeder Skifahrer muss sich so verhalten, dass er keinen anderen gefährdet oder schädigt. 

2. Beherrschung der Geschwindigkeit und der Fahrweise
Jeder Skifahrer muss auf Sicht fahren. Er muss seine Geschwindigkeit und seine Fahrweise seinem Können und den Gelände-, Schnee- und Witterungsverhältnissen sowie der Verkehrsdichte anpassen. 

3. Wahl der Fahrspur
Der von hinten kommende Skifahrer muss seine Fahrspur so wählen, dass er vor ihm fahrende Skifahrer nicht gefährdet 

4. Überholen
Überholt werden darf von oben oder unten, von rechts oder links, aber immer nur mit einem Abstand, der dem überholten Skifahrer für alle seine Bewegungen genügend Raum lässt. 

5. Einfahren und Anfahren
Jeder Skifahrer, der in eine Skiabfahrt einfahren oder nach einem Halt wieder anfahren will, muss sich nach oben und unten vergewissern, dass er dies ohne Gefahr für sich und andere tun kann. 

6. Anhalten
Jeder Skifahrer muss es vermeiden, sich ohne Not an engen oder unübersichtlichen Stellen einer Abfahrt aufzuhalten. Ein gestürzter Skifahrer muss eine solche Stelle so schnell wie möglich freimachen. 

7. Aufstieg und Abfahrt
Ein Skifahrer, der aufsteigt oder zu Fuß absteigt, muss den Rand der Abfahrt benutzen. 

8. Beachten der Zeichen
Jeder Skifahrer muss die Markierung und die Signalisation beachten. 

9. Hilfeleistung
Bei Unfällen ist jeder Skifahrer zur Hilfeleistung verpflichtet. 

10. Ausweispflicht
Jeder Skifahrer, ob Zeuge oder Beteiligter, ob verantwortlich oder nicht, muss im Falle eines Unfalles seine Personalien angeben.

Quelle: www.skiwelt.at

Nochmal die Verhaltensregeln anschauen

Aus Sicht unserer Experten ist der sehr lange Winter 2017/2018 nur ein Grund für den jüngsten Anstieg bei den Verletzungen. Viele Skifahrer würden selbst die einfachsten Verhaltensregeln für die Piste nicht kennen oder schlicht ignorieren. Dabei sind die Pistenregeln des internationalen Skiverbandes FIS seit Jahren festgelegt und hängen an jedem Lift aus. Die legen unter anderem fest, dass Skifahrer und Snowboarder sämtlich auf einander aufpassen oder dass in Ernstfällen jeder zur Ersten Hilfe verpflichtet ist. David Schulz kritisiert:

Die ARAG befragt Skifahrerinnen und Skifahrer, die einen Unfall auf der Piste hatten. Da zeigt sich, dass sie oft die einfachsten Pistenregeln nicht kennen. Zum Beispiel, dass der Skifahrer, der von oben kommt, auf den Skifahrer unter ihm oder vor ihm achten muss.

Zudem würden viele Wintersportler ihre Fahrweise nicht an die modernen Skier und Snowboards anpassen. Die FIS-Regeln würden auch für Rodelpisten gelten, die es in vielen Wintersportorten gibt, sagt Andreas König:

Auch da gilt: Wenn jemand von oben kommt, hat der Vorfahrt und die Geschwindigkeit sollte man ans Können anpassen.

Reine Skipisten seien tabu für Schlitten. Rodler sollten zudem sehr darauf achten, dass Schlitten nicht allein den Hang hinunterfahren. Die könnten sonst zum unkontrollierbaren Geschoss für andere Wintersportler werden.

Fazit

Sport machen, die Ausrüstung checken und eventuell austauschen, einen Helm aufsetzen und die Pisten-Regeln einhalten: Wer so gut vorbereitet auf die Skipiste geht und auf andere Acht gibt, hat das Verletzungsrisiko auf das absolute Minimum reduziert.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 15. Februar 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Februar 2019, 09:59 Uhr