Braucht man Sicherheits-Apps auf Android-Smartphones?

28.03.2019 | 02:10 Uhr

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MDR JUMP Do 28.03.2019 02:10Uhr 01:01 min

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Passwörter, Kreditkartendaten, dienstliche E-Mails, private Fotos: Auf diese Daten haben es Kriminelle abgesehen. Sie versuchen dafür, Schadprogramme auf Smartphones zu schmuggeln oder die Daten mit Phishing-Internetseiten auszuspähen. Fast immer gelten die Angriffe Handys mit dem Android-Betriebssystem, weil bei dem regelmäßig Schwachstellen bekannt werden. Zudem nutzen deutlich mehr Menschen Android-Smartphones als iPhones. Sicherheits-Apps für Android sollen die Angriffe abwehren.

Das sind die Einfallstore für Hacker

Grundsätzlich sind Smartphones etwas weniger anfällig für Hackerangriffe als PCs oder Laptops.

Da gibt es keine Viren, die sich mehr oder minder ohne Zutun des Nutzers von selbst installieren. Schadsoftware kommt auf das Smartphone eigentlich nur, wenn der Nutzer die unwissentlich selbst installiert.

Michael Wolf von Stiftung Warentest

Wer immer nur die schon vorsortierten Apps aus dem offiziellen Google Playstore aufs Smartphone lade, sei nur einem geringen Risiko ausgesetzt. Trotzdem blieben Sicherheitslücken, warnt Timo Schurwanz von Computerbild:

Da gibt es Einfallstore wie ungeschützte Funkverbindungen über WLAN oder Bluetooth oder über den NFC-Chip, mit dem sie mit dem Handy kontaktlos bezahlen können. Und in den offiziellen Play Store schaffen es auch immer wieder Fake-Apps oder Apps mit zweifelhaften Absichten.

Timo Schurwanz von Computerbild

In diesen Apps sei dann beispielsweise so genannte "Ransomware" versteckt, die Handys sperrt und sie nur gegen Lösegeld wieder freigibt. Zudem locken Kriminelle immer wieder Nutzer auf gefälschte Bankseiten oder Onlineshops, um dort deren Daten und Passwörter abzugreifen.

Bordmittel von Google reichen nicht

Bei Android-Smartphones ist zwar grundsätzlich ein Schutz gegen Hacker mit an Bord. Der hat aber laut einem aktuellen Test von Stiftung Warentest Lücken.

Der Schutzmechanismus, mit dem Android auf dem Handy versucht, Schadsoftware aufzuspüren, hatte nur eine Trefferquote von etwas mehr als fünfzig Prozent. Das reicht nicht.

Michael Wolf

Der auf Android-Smartphones ab Werk installierte Internetbrowser Chrome hat zwar einen Phishing-Schutz, der Handynutzer vor betrügerischen Webseiten warnen soll:

Ein riesiges grünes Robotermännchen - Maskottchen für das Google-Betriebssystem Android - steht vor dem Eingang des amerikanischen Internet-Konzerns Google in Mountain View.
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Der hat aber in unserem Test in diesem Jahr gar nicht funktioniert.

Michael Wolf

Schutz gibt es gratis oder für wenige Euro

Sicherheitsapps könnten Android-Smartphones zumindest gegen einige Bedrohungen absichern, sagt Computerbild-Experte Schurwanz:

Die Schutzapps können Viren abwehren, auf verdächtige Zugriffe hinweisen und vor gefälschten Apps oder Webseiten warnen. Das ist kein hundertprozentiger Schutz, aber besser als nichts.

Timo Schurwanz

In den App-Stores finden Android-Nutzer zahlreiche Sicherheits-Apps, die teils sogar gratis angeboten werden. Unter den Anbietern sind auch viele Namen, die Computernutzer von Schutzprogrammen bereits kennen wie Kaspersky, AVG, Norton oder F-Secure.

Bester Schutz für zehn Euro im Jahr

2.000 Schadprogramme hat Stiftung Warentest in die Speicher der Testhandys gepackt: Die wurden auch von einigen Gratis-Programmen zuverlässig erkannt.

Das beste kostenlose Schutzprogramm im Test kommt von AVG und heißt AntiVirus.

Michael Wolf

Allerdings würden die Gratis-Apps oft über Werbung finanziert und könnten so Nutzer auch nerven.

Da wird dann entweder für irgendwelche anderen Sachen geworben oder es wird Werbung für die kostenpflichtige Version der Schutzsoftware gezeigt.

Michael Wolf

Ganz ohne störende Werbebanner kommen die kostenpflichten Apps aus, die im Test im Schnitt etwas besser waren als die Gratis-Programme.

Das beste Programm war tatsächlich ein kostenpflichtiges Programm, Mobile Security von Eset. Das kostet zehn Euro im Jahr und ist durchaus noch bezahlbar.

Michael Wolf

Die Eset-App warnte im Test auch am zuverlässigsten vor Phishing-Versuchen.  Stiftung Warentest überprüfte auch, wie "schwatzhaft" die Schutz-Apps sind und ob sie Daten über die Nutzer an die Anbieter schicken.

Da hatten wir keine wirklich drastischen Befunde. Es gibt zwar  einige, die Infos zum Gerät oder zum Mobilfunkbetreiber weitergeben. Aber das sind keine intimen Daten.  

Michael Wolf

Wo ist mein Handy?

Einige der Schutzprogramme wollen Nutzer nicht nur vor Schädlingen oder Phishing-Versuchen schützen. Sie bieten zusätzlich noch die Möglichkeit, bei einem Verlust oder Diebstahl des Smartphones das Gerät aus der Ferne zu orten. Alternativ können sehr private Daten auch auf Knopfdruck gelöscht werden. Bis vor kurzem reichte dazu bei einigen Apps sogar schon eine SMS mit Löschbefehl ans verloren gegangene Smartphone.

Wenn ich das nur übers Internet über den Browser machen könnte, klappt das nur, wenn das gestohlene Handy auch online ist.

Michael Wolf

Allerdings habe Google inzwischen die Bedingungen für die Softwarenanbieter geändert. Deren Apps haben keinen Zugriff mehr auf die Kurznachrichten und damit funktioniert der Lösch- oder Ortungsbefehl per SMS nicht mehr. Laut Test von Stiftung Warentest brauchen Smartphone-Nutzer für den Verlustfall keine zusätzliche App. In dem Punkt seien die Bordmittel von Android schon gut genug, sagt Michael Wolf.

Man kann über das Google-Konto in einem Webbrowser das Handy aus der Ferne orten, löschen und sperren. Diese Funktion sollte man sich aber vorher schon mal ansehen und nicht erst, wenn das Gerät weg ist.

Michael Wolf

Akku nicht schneller leer

Anders als noch vor wenigen Jahren bremsen die Schutz-Programme Smartphones nicht mehr spürbar aus.

So eine Schutzsoftware läuft ja im Hintergrund und bindet da auch Ressourcen. Aber bei den aktuellen Programmen war da keine große Beeinträchtigung der Systeme zu bemerken.

Auch die Akkus seien nicht viel schneller geleert worden als bei Geräten ohne Sicherheits-Apps.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 28. März 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. März 2019, 02:10 Uhr