Smarte Türschlösser: Wie komfortabel und sicher sind sie?

Die Haus- oder Wohnungstür öffnet sich von selbst, wenn man mit schweren Taschen davor steht. Ohne langes Rumkramen nach dem Schlüssel. Diesen Komfort sollen smarte Türschlösser bieten, die es ab 70 Euro gibt. Die sind für Einbrecher nicht leichter zu knacken als normale Schlösser auch.

Mann benutzt eine App auf seinem Smartphone, um die Tür de Hauses aufzuschließen 1 min
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MDR JUMP Di 17.11.2020 10:45Uhr 01:01 min

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Vors Schlüsselloch gesetzt

Um aus einem klassischen ein "smartes" Türschloss zu machen, muss man kein Handwerker sein: Die neuen Schlösser werden in der Regel einfach innen an der Tür vor das bestehende Schloss gesetzt und drehen mit einem elektrischen Motor den vorhandenen Schlüssel. Benjamin Barkmeyer von Stiftung Warentest sagte MDR JUMP:

Von außen sieht die Tür nach dem Umbau absolut identisch aus. Das heißt, es kann auch keiner auf die Idee kommen, dass dahinter ein smartes Türschloss steckt.

Einige teurere Modelle kommen mit einem eigenen Schließzylinder und passendem Knauf. Bei diesen smarten Türschlössern muss der alte Schließzylinder ausgetauscht werden. Den Tausch schaffen auch Laien, sagt Stefan Porteck vom Computermagazin c't:

Für den Tausch öffnet man die Tür, so dass man an die Stirnseite rankommt: Da sitzt eine lange Schraube. Die dreht man raus und kann den Schließzylinder tauschen.

Die smarten Türschlösser drehen dann soweit, bis die Schlossfalle (oder anders: der Schnapper) zurückgezogen wird: Dann geht die Tür spätestens mit einem leichten Stupser auch auf. 

Macht das Leben wirklich einfacher

Fürs Auf- oder Zuschließen brauchen die Bewohner bei allen Produkten keinen Schlüssel mehr. Sie öffnen die Tür bei den günstigen Produkten über eine App auf dem Handy und über Bluetooth. Bei teureren Schlössern kann die Tür über einen Fingerabdruckscanner entriegelt werden, über eine Funktastatur oder sogar aus der Ferne über das Internet. So kann man auf Knopfdruck Gäste, Handwerker oder Paketboten ins Haus lassen, wenn man nicht zu Hause ist und danach wieder zuschließen. Bei einigen Schlössern kann man sogar ein Zeitfenster festlegen, in dem Freunde mit einem virtuellen Schlüssel auf dem Handy fürs Blumengießen ins Haus können. c't-Experte Stefan Porteck nutzt zu Hause seit einigen Jahren schon ein smartes Türschloss:

Ich finde praktisch, dass ich für den Gang zum Bäcker oder zum Joggen keinen Schlüssel und nur das Smartphone mitnehmen muss. Und wenn ich die Wohnungstür hinter mir einfach nur zuziehe, wird die nach ein oder zwei Minuten verschlossen. Da bin ich also immer sicher, dass meine Wohnung verschlossen ist.

Eltern müssen auch nicht mehr befürchten, dass ihre Kinder den Wohnungsschlüssel verlieren. Die kommen mit dem Handy oder per Fingerabdruck ins Haus.

Ganz schön laut

Leise den Schlüssel ins Schloss stecken und langsam und vorsichtig drehen: Das machen viele, wenn sie spät nach Haus kommen oder früh los müssen und Familie oder Mitbewohner nicht wecken wollen. So rücksichtsvoll kann man mit den smarten Türschlössern leider nicht mehr sein, sagt Benjamin Barkmeyer von Stiftung Warentest:  

Also die fahren mit einem Motor über ein Getriebe den ganzen Weg ab, den auch der Schlüssel nimmt. Und das tun sie immer gleich und natürlich auch mit einer entsprechenden Kraft. Damit sind sie schon lauter. Dazu kommt auch noch das Motorgeräusch selbst.

Das kann Stefan Porteck nach einigen Jahren mit einem smarten Türschloss bestätigen.

Jeder kennt auch die Türen, die man leicht andrücken muss, um sie aufzubekommen. Da muss der Motor mit mehr Kraft arbeiten, um die aufzubekommen. Der dreht ja so weit, dass die Schlossfalle reingeht und die Tür dann aufgeht. Bei so viel Kraft ist auch der Akku schneller leer.

Bei dem c't-Redakteur war der Motor im smarten Türschloss offenbar etwas zu kräftig für den Schließzylinder: Er hat den Schlüssel abgebrochen. Die Tür ging aber trotzdem noch auf. Auch das kann in den Abendstunden erschrecken: Bei einigen smarten Schlössern kann eingestellt werden, dass sie zu einer bestimmten Zeit die Tür verriegeln. Das Rattern des Schlosses aus dem dunklen Flur kann irritieren, wenn man in einem anderen Zimmer sitzt.

Nicht weniger sicher als klassische Schlösser

Die smarten Schlösser arbeiten zwar mit Funk und lassen sich aus der Ferne öffnen: Das beeinträchtigt die Sicherheit aber kaum, da sind sich unsere Experten einig. Stefan Porteck sagt:

Einbrecher werden die schnellste Variante wählen und das ist die mechanische. Da kommen Schlagschlüssel oder Brecheisen zum Einsatz. Da sind eher die vorhandenen Schlösser in Mietwohnungen das Problem, weil die sich in Sekunden öffnen.

Zudem sei der bei smarten Schlössern genutzte Bluetooth-Funk recht robust gegen Cyberangriffe. Benjamin Barkmeyer von Stiftung Warentest sagt:

Wir haben uns auch die anderen Komponenten angeschaut: Etwa wenn man über Fingerabdruck oder über eine App beispielsweise die Tür öffnen will – da haben wir in unserer Untersuchung keine wesentlichen Schwachstellen gefunden.

Unterschiede beim Thema Sicherheit gab es zwischen günstigen Produkten und teuren smarten Schlössern im Test nicht. Eine mögliche Schwachstelle sollten Nutzer der smarten Türschlösser am besten auch gleich selbst schließen, raten die Tester: Der Internetzugang zu den Schlössern fürs Öffnen aus der Ferne sollte mit einem möglichst guten Passwort geschützt werden. Wer das knackt, kann auch die Türen öffnen.

Akku leer, Tür bleibt zu?

Der Motor in smarten Türschlössern funktioniert bei erschöpften Akkus oder Batterien nicht mehr. Die smarten Türschlösser warnen aber rechtzeitig, bevor der Stromspeicher leer ist. Stefan Porteck sagt:

Die geben schon ein zwei Wochen vorher Bescheid und warnen dann auch zunehmend deutlicher.

Sind die Akkus etwa nach einem langen Urlaub schlapp, kann man die Tür immer noch mit dem normalen Schlüssel aufschließen. Das klappt allerdings nur, wenn in der Tür ein Schließzylinder mit einer "Notfunktion" verbaut ist. Dann kann von außen aufgeschlossen werden, wenn innen noch der Schlüssel steckt. Das klappt bei älteren Türen oft nicht und das sollte man vor dem Einbau eines "Smart Locks" auch prüfen.

Dürfen auch Mieter smarte Schlösser nutzen?

Vereinfacht gesagt müssen Mieter bei einem Auszug den Grundzustand der Wohnung wieder herstellen. Das gilt auch das Schloss an der Wohnungstür. Bei smarten Schlössern zum Aufsetzen ist das kein Problem. Benjamin Barkmeyer sagt:

Es gibt einige smarte Schlösser, bei denen sie den Schlüssel ein Stück absägen müssen. Dafür sollten sie nicht den Schlüssel nehmen, den sie vom Vermieter bekommen haben, sondern vielleicht einen Nachschlüssel. Darüber muss der Vermieter informiert werden.

Den sollte man auch fragen, bevor man für Smart-Locks mit eigenem Schließzylinder etwas an den Türen verändert.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 17. November 2020 | 10:45 Uhr

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