So überleben Smartphones eisige Temperaturen

03.01.2020 | 02:10 Uhr

Eine Frau macht mit ihrem Smartphone ein Selfie beim Eislaufen. 1 min
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MDR JUMP Fr 03.01.2020 02:10Uhr 01:03 min

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Eingebauter Kälte-Schutz im Akku

Die meisten Smartphones funktionieren mit einem Lithium-Ionen-Akku, in dem sich die Ionen in einer Elektrolytflüssigkeit zwischen Plus- und Minus-Pol bewegen. Kälte verlangsamt diese Prozesse: Die Flüssigkeit wird zäher.

Bei Kälte wird auch der Widerstand im Akku größer und deshalb wird das Smartphone sicherheitshalber heruntergefahren. Damit soll der Akku vor Überspannungen geschützt werden.

Jan Blömeke, Online-Magazin inside digital

Nutzer kennen das Phänomen: Das Handy zeigt noch 20, 30 oder mehr Prozent Akku an, fährt sich aber auf einmal runter und lässt sich auch nicht mehr starten.

Daran hat sich nach unseren Beobachtung in den letzten Jahren nicht viel verändert, weil eben die gleiche Akku-Technik verwendet wird.

Jan Blömeke

Unterschiede bei der "Kälte"-Anfälligkeit kann es aber zwischen einzelnen Handys durchaus geben: Zum einen wird je nach Hersteller der Kälte-Schutz mal früher und mal später aktiviert. Eine generelle Minusgrenze gibt es also nicht. Zum anderen können ältere Akkus mit vielen Ladezyklen etwas anfälliger für Kälte sein als vergleichsweise "frische" Energiespeicher.

Körperwärme schützt am besten

Wer das Smartphone bei Kälte nah am Körper in einer Innentasche oder eine Hosentasche trägt, schützt das Gerät am besten vor Minusgraden. Auch spezielle Handy-Hüllen gegen Minusgrade können helfen. In Rucksack oder der Außentasche der Skijacke kann das Smartphone dagegen schnell abkühlen. Auch im geparkten Auto sollte das Telefon nicht liegen bleiben, da es dort schnell so kalt wie draußen wird.

Wenn das Gerät wirklich ein paar Stunden in der Kälte rumliegt und ich es nicht benutze, nimmt es auch keinen Schaden. Nur die Lebensdauer vom Akku kann ich damit verkürzen.

Jan Blömeke

Gefährlicher seien da schon große Temperaturunterschiede, beispielsweise wenn das ausgekühlte Smartphone auf die Heizung gelegt wird.

Das ist wie bei einer Brille, wenn man von draußen nach drinnen kommt: Die beschlägt, da bildet sich Kondenswasser.

Jan Blömeke

Das Kondenswasser könne dann im Gerät die Kontakte vom Akku beschädigen. Smartphones sollten also immer vorsichtig nur um einige wenige Temperaturstufen aufgewärmt werden. Der Akku sollte auch nicht sofort geladen werden, sondern erst wieder, wenn das Telefon auf Zimmertemperatur erwärmt ist. 

Robuste Outdoor-Smartphones

Wer oft in der Kälte draußen ist und ein gegen Frost robustes Handy sucht, findet das bei den "Outdoor-Smartphones".

Da ist das Gehäuse dann dicker und die Verarbeitung robuster und einige Geräte funktionieren dann von minus 30 bis plus 60 Grad.

Jan Blömeke

Viele Outdoor-Smartphones und auch einige aktuelle Handys sind wasserdicht. Damit kann sich in den Geräten nicht so viel Kondenswasser bilden.

Bedienprobleme bei Kälte

ein Finger im Handschuh zeigt auf den Bildschirm eines Smartphones
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Auch das ist ein typisches Winterproblem: Man nimmt das Smartphone aus der Tasche und das Display reagiert gar nicht oder nur träge auf Eingaben. Das kann zum einen daran liegen, dass im Display enthaltene Flüssigkristalle auch abkühlen. Damit werden Eingabebefehle nur zögerlich umgesetzt. Spürbar wird das in der Regel aber erst ab minus 10 Grad. Zum anderen sind häufig die Handschuhe schuld.

Moderne Smartphone-Displays reagieren ja nicht auf Druck so wie manche alte Navis. Da funktioniert stattdessen vereinfacht gesagt über elektromagnetische Felder, die vom Finger absorbiert werden.

Jan Blömeke

Im Einzelhandel und vielen Onlineshops gibt es spezielle Handschuhe, mit denen sich auch Smartphones gut bedienen lassen. In diese Kleidungsstücke sind in den Fingerkuppen leitfähige Fasern eingewoben.

Im Notfall kann ich ja auch noch kurz mit der Nase auf mein Display tippen, wenn ich nur ein Gespräch annehmen will.

Jan Blömeke

Manchmal wird dazu geraten, für den Winter und die Bedienung mit Handschuhen in den Smartphone-Einstellungen die Berührungsempfindlichkeit der Displays hochzusetzen. Das bringt in der Regel aber nichts.  

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 03. Januar 2020 | 10:45 Uhr

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