Was Einschmiermuffel über Sonnencreme wissen sollten

Im Urlaubsgepäck darf eine Flasche Sonnencreme nicht fehlen. Sie schützt die Haut vor schädlicher UV-Strahlung und damit vor Sonnenbrand, vorzeitiger Hautalterung und Hautkrebs. Wichtig ist, den richtigen Lichtschutzfaktor zu wählen und regelmäßig ausreichend viel Creme aufzutragen.

Eine Frau reibt ihren Freund mit  Sonnencreme ein. 1 min
Bildrechte: imago/Jacques Alexandre

MDR JUMP Di 21.07.2020 10:45Uhr 01:10 min

Audio herunterladen [MP3 | 1,1 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 2,2 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.jumpradio.de/podcasts/quicktipp/optimaler-sonnenschutz-fuer-die-haut-100.html

Rechte: MDR JUMP

Audio

Das Sonnenkonto der Haut

Die UV-Strahlung der Sonne kann die Haut langfristig schädigen. Es gibt zwei Arten von UV-Strahlung. Die UV-A-Strahlung ist vor allem für schädliche Hautveränderungen verantwortlich. Zu viel von ihr kann zu Pigmentstörungen, Falten oder Hautkrebs führen. Die UV-B-Strahlung dagegen sorgt in zu großer Menge hauptsächlich für den Sonnenbrand.

Auf das Gesicht eines Kleinkinds wird Sonnencreme mit LSF 50 aufgetragen.
Bildrechte: imago/localpic

Die Zeit, die die Strahlen auf unsere Haut einwirken, summiert sich über die Jahre. Die Haut hat also wie eine Art Sonnenkonto: Wurde im Lauf der Zeit zu viel UV-Strahlung „eingezahlt“, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass es zu bedenklichen Hautveränderungen kommt. Besonders empfindlich ist Kinderhaut, weil sie noch sehr weich und dünn ist. Sie muss von Anfang an sehr gut geschützt werden, um auch in höherem Alter Hautveränderungen zu vermeiden. Und: Auf das Sonnenkonto zahlt nicht nur das Sonnenbad am Strand ein. An sommerlichen Tagen ist unsere Haut schnell mehrere Stunden der Sonne ausgesetzt, ohne, dass wir es merken: auf dem Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad, beim Warten auf den Bus, beim Spaziergang in der Mittagspause. Deshalb sollte die Sonnencreme nicht nur im Urlaub der tägliche Begleiter sein, sondern auch im Alltag. Gesichtscremes mit UV-Schutz können ein Anfang sein, aber auch Arme und Beine sollten an allen sonnigen Tagen geschützt werden.

So wirken Sonnenschutzmittel

Symbolbild Sonnenschutz
Bildrechte: imago/photothek

Es gibt derzeit zwei verschiedene Wirkmechanismen von Sonnenschutzmitteln. Produkte mit chemischen UV-Filtern dringen in die oberen Hautschichten ein, wandeln dort die energiereichen Strahlen um und geben sie wieder ab. Die meisten konventionellen Sonnencremes beinhalten chemische Filterstoffe. Der Nachteil: Sie können Allergien auslösen. Außerdem stehen einige der Stoffe in Verdacht, im Körper wie Hormone zu wirken. Aufgrund der Tatsache, dass sie erst in die Haut eindringen müssen, sollten Produkte mit rein chemischen Filtern etwa 20 bis 30 Minuten vor dem Sonnenbad aufgetragen werden. Es gibt auch Produkte mit physikalischen Filterstoffen. Sie werden auch mineralische Filter genannt. Vor allem Naturkosmetikhersteller nutzen die Partikel aus Titanium- oder Zinkoxid. Anders als die chemischen Filter dringen sie nicht in die Haut ein, sondern bilden auf ihr eine reflektierende Schicht, die das UV-Licht spiegelt. Ihr Nachteil: Sie lassen sich oft schwerer auf der Haut verteilen und hinterlassen weiße Rückstände. Gerade bei hohen Lichtschutzfaktoren über 30 kommt der mineralische Filter meist an seine Grenzen. In vielen Produkten werden chemische und mineralische Filter kombiniert, um einen optimalen und sofortigen Schutz zu gewährleisten sowie die Creme geschmeidig und durchsichtig zu bekommen.

Richtigen Lichtschutzfaktor wählen

Mohnblume im Sonnenlicht
Bildrechte: imago images / Jan Eifert

Im Handel gibt es Sonnenschutzmittel mit verschiedenen Lichtschutzfaktoren – zwischen LSF 6 bis 50+ gibt es viele Abstufungen zu kaufen. Die Angabe bezieht sich auf den Schutz vor der UV-B-Strahlung. Der Lichtschutzfaktor sagt aus, um wie viel länger man sich mit Hilfe des Filters der Sonne aussetzen kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Hat die Sonnencreme beispielsweise Lichtschutzfaktor 30, bedeutet dies: Die Eigenschutzzeit der Haut verlängert sich um das 30-fache. Wichtig ist dafür zu wissen, wie lange die Eigenschutzzeit eigentlich ist. Das hängt vom Hauttyp ab. Die genaue Einschätzung des Hauttyps kann am besten ein Hautarzt vornehmen, es gibt aber auch Onlinetests zur Selbsteinstufung. Haarfarbe und Hautton sind dabei wichtige Anhaltspunkte: Menschen mit hellen, rötlichen Haaren und sehr heller Haut sollten nicht länger als 10 Minuten ungeschützt in der Sonne bleiben. Schützen sie ihre Haut ausreichend mit LSF 30, könnten sie sich nach der obigen Formel fast fünf Stunden in der Sonne aufhalten. Das wäre jedoch fatal, denn nach etwa zwei Drittel der Schutzzeit lässt die Wirkung nach und Sonnenlicht sollte gemieden werden. Somit wäre im Beispiel nach etwa 100 Minuten Schluss mit dem Sonnenbad – trotz Sonnencreme. Weil die Haut von Kindern besonders anfällig ist, sollte für sie generell mindestens Lichtschutzfaktor 30, besser noch 50 verwendet werden.

Die richtige Anwendung: Viel hilft viel

Sonnencreme-Smiley auf einem Rücken
Bildrechte: imago/Photocase

Drei Esslöffel für den Körper und ein Teelöffel für's Gesicht: So viel Sonnenschutzmittel ist notwendig, um sich umfänglich vor schädlichen UV-Strahlen zu schützen. Damit die Filterstoffe ausreichend in die Haut eingezogen ist, sollten sie idealerweise mit einer halben Stunde Vorlauf aufgetragen werden. Ob dafür Sonnencreme, -lotion, -milch, -spray oder -roller verwendet werden, ist nach Einschätzung von Experten egal. Die verschiedenen Produkttypen bieten den gleichen Schutz, sofern sie richtig und in ausreichender Menge angewendet werden. So müssen Sprays beispielsweise meist zwei- bis dreimal hintereinander angewendet werden, um die Haut umfänglich mit Sonnenschutz zu versorgen. Alle Körperpartien, die nicht von gut schützender Kleidung bedeckt sind, sollten eingecremt werden. Ist die Kleidung sehr dünn und luftig, gehört auch darunter Sonnencreme. Besonders anfällige Sonnenbrand-Regionen sind die dünnen Hautstellen am Nasenrücken, den Ohren, der Stirn oder den Fuß- und Handrücken. Sie verdienen eine Extraportion Schutz. In regelmäßigen Abständen sollte nachgecremt werden, vor allem, wenn Schweiß oder Wasser den Sonnenschutz schwächen. Selbst UV-Schutzmittel, die als „wasserfest“ verkauft werden, verlieren nach dem Baden ihre Wirkung: Nach internationaler Norm darf ein Produkt als „wasserfest“ beworben werden, wenn es nach zwei Mal zwanzig Minuten Schwimmen noch die Hälfte der Schutzleistung bietet. Das heißt also: Mehrmals täglich muss sich jeder, der sich der UV-Strahlung der Sonne aussetzt, mit ausreichend viel Creme schützen. Die Stiftung Warentest hat ausgerechnet, dass eine Flasche Sonnencreme deshalb nur für etwa fünf Tage reicht – pro Erwachsenem. Wer also mit der Familie mehrere Wochen in den Urlaub fährt, sollte sich entsprechend ausreichend mit Sonnenschutzmitteln eindecken.

Sonnenmilch und -lotion

Das am häufigsten verwendete Produkt ist die Sonnenmilch bzw. Sonnenlotion. Die meisten Haupttypen vertragen sie und sie lässt sich aufgrund ihrer Mischung aus Wasser und Fett leicht und auf große Hautflächen auftragen. Außerdem gibt sie mit verschiedenen Lichtschutzfaktoren, so dass der Schutz von leicht bis hoch reicht.

Sonnencreme

Sie ist dickflüssiger als Sonnenmilch, weil sie mehr Fett und Öl als Wasser enthält. Damit eignet sie sich für Menschen mit sehr trockener Haut. Aufgrund ihrer festeren Konsistenz ist sie schwerer aufzutragen und wird daher eher für kleine Flächen wie das Gesicht verwendet. Der Schutz reicht von normal bis sehr hoch.

Sonnenspray

Sonnenspray gilt als einfachste Art, Sonnenschutzmittel aufzutragen. Häufig sieht man Menschen am Strand oder auf der Liegewiese im Park, die sich das Spray einfach auf den Rücken sprühen und es dabei belassen. Doch das reicht nicht. Das Spray muss in die Hände gesprüht, verrieben und dann auf die Haut aufgetragen werden. Da das Spray eine sehr leichte Konsistenz hat, lässt es sich gut einmassieren. Besonders bliebt sind die Sprays für Kinder. Allerdings sollten die Kids die Produkte nicht allein anwenden. Schnell kann das Spray in die Augen geraten. Sprays gibt es bis zu einem LSF von 50+.

Sonnengel

Zu allergischen Reaktionen neigende Haut (z. B. Mallorca Akne) verträgt am besten Sonnengel. Das ist sehr leicht und enthält so gut wie kein Fett. Es ist wasserfest, muss dennoch wie alle anderen wasserfesten Sonnenschutzmittel regelmäßig nach dem Baden erneut aufgetragen werden. Auch Sonnengel gibt es bis zu einem LSF von 50+.

Sonnenöl

Sonnenöle gehören nicht zu den Sonnenschutzmitteln. Das liegt vor allem daran, dass der Begriff Sonnenöl nicht geschützt ist. Das heißt Produkte mit diesem Namen müssen keinen Sonnenschutzfaktor haben, im Gegensatz zu Sonnencreme, -milch oder –gel. Einige Hersteller von Sonnenölen integrieren in das Öl allerdings mittlerweile einen Lichtschutzfaktor. Doch der ist nicht sehr hoch. Daher sollte Sonnenöl eher von Menschen mit dunkler oder bereits vorgebräunter Haut verwendet werden. Viele benutzen Sonnenöl auch eher als Bräunungsmittel. Nach dem Auftragen auf der Haut hinterlässt sie einen durchsichtigen Film, der wie ein Brennglas wirkt und die Wirkung der Sonne verstärkt.

Stift

Schützt vor allem das Gesicht und lässt sich sehr gezielt, z.B. auf den empfindlichen Nasenrücken oder die Lippen auftragen. Stifte haben oft einen sehr hohen Lichtschutzfaktor und eine leicht zu verteilende angenehme Textur. Sie sind sehr praktisch für unterwegs.

Sonnenschutz muss nicht teuer sein

Die Testergebnisse der Stiftung Warentest zeigen: Guter Sonnenschutz ist keine Frage des Preises. In den letzten Jahren haben viele Eigenmarken von Drogeriemärkten, Supermärkten und Discountern in den Tests sehr gut abgeschnitten und sind Testsieger geworden.  So geht aus dem aktuellen Test aus dem Juli 2019 die Sonnenmilch der dm-Eigenmarke „Sundance“ mit dem Lichtschutzfaktor 30 als Testsieger hervor. Auch Produkte von Aldi, Edeka, Rossmann, Müller, Lidl und Real haben in den Tests 2019 und 2018 sehr gut abgeschnitten. Erstaunlicherweise schneiden besonders teure Produkte oftmals schlecht ab: Die teuerste Sonnen­creme im Test, ein Natur­produkt, kostet rund 20 Mal mehr als die Testsieger, schützt aber unzu­reichend vor den lang­welligen UVA-Strahlen.

Übrigens: Im Ausland sind die Produkte mitunter um einiges teurer. Es lohnt sich also, die Sonnencreme schon mit in den Urlaub zu nehmen und nicht erst vor Ort zu kaufen. Dabei sollte man beachten, dass in südlichen Ländern ein höherer Lichtschutzfaktor benötigt wird, weil dort die Sonneneinstrahlung intensiver ist.

Was tun gegen hartnäckige Flecken?

Die meisten Sonnenschutzmittel hinterlassen oft gelbe Verfärbungen an Kleidern. Besonders auf hellen Stoffen fallen die Flecken auf. Ist der Fleck noch frisch, sollen Essigwasser, Backpulver oder Geschirrspülmittel als Hausmittel dagegen helfen. Es gibt aber auch spezielle Fleckenentferner. Um sie gar nicht erst entstehen zu lassen, sollte die Sonnencreme vor dem Anziehen angewendet und erst richtig eingezogen sein, bevor die Kleidung drüber kommt. Dabei empfehlen sich besonders dunkle Stoffe: Sie lassen die Flecken kaum durchscheinen sowie schützen zusätzlich vor UV-Strahlung und verstärken somit den Effekt des Sonnenschutzmittels.

Wie lange sind Sonnenschutzmittel haltbar?

Bei Sonnenschutzmitteln ist fast immer ein Mindesthaltbarkeitsdatum abgedruckt, auf jeden Fall aber eine Verbrauchsdauer. Daran kann man sich orientieren. Sonnencreme kann aber auch noch nach Ablauf der Daten verwendet werden, sachgerechte Lagerung vorausgesetzt. Zu warme Temperaturen können jedoch den Lichtschutzfaktor beeinträchtigen, was fatale Folgen für das nächste Sonnenbad haben könnte. Das gilt zum Beispiel auch, wenn die Tube im Sommer im heißen Auto gelagert wurde. Dann kann der Lichtschutz auch bereits vor dem Ablauf der Daten nicht mehr gewährleistet werden. Wer Sonnencreme im nächsten Sommerurlaub noch verwenden möchte, der sollte die Tube am besten im Kühlschrank überwintern lassen. Hat sich dann nichts an Farbe, Geruch oder Konsistenz geändert, kann die Creme noch einmal benutzt werden. Eine Garantie für eine bestimmte Höhe des Lichtschutzfaktors gibt es nach längerem Öffnen jedoch nicht mehr.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 21. Juli 2020 | 10:45 Uhr

Mehr Quicktipps