Mit Stimmungsaufhellern aus Drogerie und Apotheke gegen den Winterblues?

Dunkles Wetter – trübe Laune, in dieser Jahreszeit durchaus normal. Um aus dem Stimmungstief rauszukommen, sollen vorwiegend pflanzliche Tees und Pillen helfen. Wie gut die uns tun und wann es wirklich ernst wird, klären wir jetzt.

Was sind Stimmungsaufheller?

Neu ist so ein Durchhänger bei Dunkelheit und Kälte nicht. Selbst eine Depression bekommt im Laufe des Lebens fast jeder Fünfte. Schuld sind unter anderem mangelnde Vitamine, Hormone und Botenstoffe, die in unserem Gehirn für eine normale Funktion sorgen. Fehlen die, geht es uns schlecht. Und schon unsere Vorfahren nutzten pflanzliche Stimmungsaufheller und Beruhigungsmittel wie Johanniskraut, Baldrian oder Lavendel. Paradox: Dass sie wirken, ist in der Praxis längst bewiesen, zuverlässige Studien gibt es hingegen für die wenigsten Stoffe. Und um richtig gegen Ängste, Schlafstörungen oder Stress zu helfen, kommt es immer auf die genaue Dosierung und die Verarbeitung der Pflanzen an.

Aus der Apotheke oder Drogerie?

Die Dosis macht die Medizin, und dabei fällt in Tests von Ökotest und Stiftung Warentest gleichermaßen auf: Die meisten Produkte aus der Drogerie oder dem Discounter haben nicht die notwendig hohe Dosierung. Auch sind auf vielen der Produkte nur vage Angaben zur Einnahmen und den Neben – und Wechselwirkungen. Dadurch kann es leicht passieren, dass man viel zu wenig Wirkstoffe zu sich nimmt und keine Besserung verspürt. Das kann die ohnehin schon angeschlagene Stimmung noch weiter drücken. „Tatsächlich können Sie sich so in eine mentale Abwärtsspirale begeben, nach dem Motto, es hat eh alles keinen Zweck und nicht mal Medikamente helfen mir noch“, warnt Verhaltenscoach Theresa Lenkeit. Einhellige Meinung der Tester: Stimmungsaufheller nur aus der Apotheke holen und sich dort beraten lassen.

Dosierung und Wechselwirkungen beachten

Gerade weil die Mittel rezeptfrei sind, wirken sie oft harmlos. Und besonders Johanniskraut oder auch die aktuell sehr beliebten CBD-Öle verursachen auf den ersten Blick eher selten Nebenwirkungen, wie Bauch- oder Kopfschmerzen. Aber: Sie beeinträchtigen die Wirkung anderer Medikamente. So warnt Verhaltensexpertin Lenkeit: „Vielen ist nicht bewusst, dass hochdosiertes Johanniskraut die Wirksamkeit der Pille beeinträchtigen kann.“

CBD-Produkte können die Wirkung von Antibiotika abschwächen. Andererseits sind in vielen Fällen aber besonders hochkonzentrierte Produkte nötig, um überhaupt einen Effekt zu erzielen. Deshalb sind eine genaue Aufklärung und persönlich zugeschnittene Dosierung nötig.

Nicht zu viel erwarten und geduldig sein

Manche Produkte, wie CBD-Öle wirken relativ schnell und unmittelbar. Die meisten Stimmungsaufheller müssen aber über mehrere Tage eingenommen werden, ehe sich ein entsprechend hoher Wirkstoffspiegel im Körper aufbaut und die aufhellende Wirkung eintritt. In dieser Zeit sollte man nicht die Geduld verlieren und nicht eigenmächtig die Dosierung erhöhen.

Immer mit dem Arzt sprechen

Auch wer nur ein vermeintlich vorübergehendes Tief hat, sollte mit seinem Hausarzt sprechen. Er kann am ehesten beurteilen, ob weitere Hilfe nötig ist. "In den letzten zehn Jahren sind die Hausärzte wesentlich sensibler für das Thema geworden. Sie beraten gut und überweisen, wenn nötig, entsprechend früher auch an einen Fachkollegen also Psychologen oder Psychiater", so die psychologische Psychotherapeutin Uta Patula. Kann der Hausarzt dir mit einer Krankschreibung oder leichten Medikamenten nicht helfen, wird er dich also überweisen.

Wann Stimmungsaufheller nicht mehr helfen

Wer länger als zwei bis vier Wochen unter Symptomen wie Schlafstörungen, Ängsten, Bauch-, Kopf- oder Rückenschmerzen leidest, sollte sich Hilfe holen. Dazu die Psychotherapeutin: "Das kann bei leichten Fällen schon ein Gespräch mit dem Sorgentelefon, einer Beratungsstelle oder das Treffen in einer Selbsthilfegruppe sein. Sanfte und freiverkäufliche Schlafmittel oder Stimmungsaufheller wie etwa Johanniskraut können da noch zusätzlich helfen." Das alles musst du aber zeitlich begrenzen. Tritt nach ein paar Wochen also keine Besserung ein, musst du zum Arzt. Wichtig: Wer aus dem Tief nicht herauskommt und seinen normalen Alltag kaum noch bewältigt, sollte sich unbedingt und schnell Hilfe holen. Denn: Der Übergang von einer leichten zu einer mittelschweren Depression ist fließend und wird oft gar nicht bemerkt. Wird es noch schlimmer können Betroffene oft alleine nicht mehr reagieren. Sie können ernsthaft und lebensgefährlich erkranken. Auch Angehörige sollten versuchen einzugreifen, wenn Betroffen über Monate Stimmungsaufheller nehmen und keine wirkliche Besserung eintritt.

Fazit

Johanniskraut und andere Stimmungsaufheller können bei leichten depressiven Verstimmungen über einen kurzen Zeitraum sehr gut helfen. Man sollte sie aber immer nur nach Absprache mit einem Arzt oder Apotheker einnehmen und dabei mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beachten. Bessert sich das Befinden nach vier bis sechs Wochen nicht, kommt man selber im Alltag nicht mehr zurecht und hat gar Suizidgedanken, sollte man unbedingt Hilfe bei einem Arzt/Therapeuten suchen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 24. Januar 2022 | 11:45 Uhr

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