Stromanbieter wechseln und dabei bares Geld sparen

01.02.2019 | 02:10 Uhr

Der Stecker einer Mehrfachsteckleiste liegt auf Euro-Geldscheinen und Münzen 1 min
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MDR JUMP Fr 01.02.2019 09:33Uhr 01:04 min

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Den Stromanbieter wechseln und bis zu 300 Euro sparen? Das geht tatsächlich, und zwar längst auch per Mausklick im Internet. Hunderte Stromanbieter buhlen mit Sonderkonditionen und Extrageschenken um dich als Kunden. Doch Vorsicht: Ein paar Stolperstellen gilt es zu beachten. Die zeigt uns jetzt Dr. Katja Henschler von der Verbraucherzentrale Sachsen.

Strompreise ändern sich oft

Das komplizierte Geflecht aus Energieerzeugern, Netzbetreibern und Stromlieferanten lässt eine logisch nachvollziehbare Kostenentwicklung beim Strom kaum zu. Hinzu kommen sich ständig ändernde gesetzliche RegelungenSo ist die Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien (kurz EEG-Umlage) aktuell das zweite Mal in Folge gesunken. Dafür verteuert die neu eingeführte Offshore-Netzumlage (unterstützt Windkraftanlagen im Meer) den aktuellen Strompreis. Das schlägt sich ganz unterschiedlich auf die Preise der Versorger nieder. Schaue besonders bei langjährigen Verträgen mal nach, denn hier gibt es besonders viel Sparpotenzial.

Wechseln lohnt sich

Der meist ortsansässige Grundversorger und die größeren Stromanbieter der Region haben nämlich oft die teuersten Tarife.

Die profitieren davon, dass viele Kunden nicht gewohnt sind, sich auf einem freien Strommarkt einen neuen Anbieter zu suchen, sondern lieber beim alten und vertrauten Versorger bleiben.

Dr. Katja Henschler

Aber ein Wechsel lohnt sich. Für einen Drei-Personen-Haushalt sind bis zu 300 Euro Einsparung drin. Es hängt natürlich von deinem Verbrauch, Wohnort und aktuellen Tarif ab. Das Wichtigste über einen langen Zeitraum ist aber, welchen Aufwand du dauerhaft treiben willst. Für jeden Wechsel gilt: Lies dir die Konditionen und Angebote ganz genau durch. Vergleiche und entscheide in Ruhe. Lies immer das Kleingedruckte. Oftmals werden vermeintlich supergünstige Tarife im Lauf der Zeit richtig teuer.

Welcher Wechseltyp bist du?

Beim Wechsel des Stromanbieters kannst du unterschiedlichen Aufwand betreiben, mit entsprechend mehr oder weniger Einsparpotenzial.

Wechseltyp 1: Du hast Spaß am Preise vergleichen im Internet, betreibst gern etwas mehr Aufwand bei der Suche in den verschiedenen Vergleichsportalen. Du hast ein gutes Zeitmanagement und verpasst keine Kündigungsfrist: Dann kannst du beim jährlichen Wechsel am meisten sparen. Du profitierst immer wieder vom Neukundenbonus und den Extra-Vergünstigungen, die viele Versorger nur im ersten Vertragsjahr anbieten.

Wechseltyp 2: Du willst dich nicht jedes Jahr neu orientieren müssen, bist aber zu einem Wechsel von deinem Grundversorger zu einem freien Stromanbieter bereit: Dann kannst du mit dauerhaft günstigem Tarif immerhin gut 230 Euro gegenüber dem Grundversorger pro Jahr sparen.

Wechseltyp 3: Du hast so gar keine Lust aufs Internet und erledigst lieber alles schriftlich. Du bekommst auch deine Rechnungen und Vertragsunterlagen am besten per Post und klärst die Details am Telefon: Dann kannst du die günstigsten Tarife auch über die Hotlines des Stromanbieters abfragen und dir Unterlagen senden lassen. Auch auf diesem Weg kannst du pro Jahr noch gut 150 Euro sparen.   

Es geht tatsächlich ganz einfach

Zum Wechsel gibst du auf einem Vergleichsportal wie etwa check24.de oder verivox.de deine Postleitzahl und deinen aktuellen Jahresverbrauch ein. Dann werden dir die preiswerteren Stromanbieter aufgelistet. Achtung: Nicht immer sind dabei die ersten Angebote auch die besten. Scrolle auch nach unten und schaue dir die Details genauer an. Viele Wechselportale verdienen ihr Geld mit Werbung und Provision. Manchmal sind also die Tarife und Anbieter, die ganz oben stehen, Werbeangebote. Dazu Dr. Henschler:

Es lohnt sich da, genau hinzuschauen und die Angebote, die Sie finden auch nochmal zu checken. Googeln Sie die Anbieter, dann werden Sie sehr schnell rausfinden, ob andere Verbraucher damit Probleme hatten oder nicht.

Dr. Katja Henschler

Wenn du dich für einen Tarif entschieden hast, kannst du direkt online den Stromanbieter wechseln.

Vorsicht Stolperfallen

Wirkliche Betrüger und schwarze Schafe gibt es unter den aktuellen Anbietern kaum. Dazu unsere Expertin:

Mir sind derzeit keine größeren Probleme oder gar Betrügereien im Zusammenhang mit Stromanbietern bekannt.

Dr. Katja Henschler

Dafür sind zu viele Firmen am Markt und der ist sehr transparent. Es würde sich also schnell rumsprechen. Aber: Viele Anbieter locken dich als Kunden mit Sondertarifen, Bonuszahlungen oder gar Sachgeschenken. Niemand hat jedoch was zu verschenken, das Geld muss also wieder rein. Deshalb solltest du folgende Dinge beachten:

  • Bonustarif gilt oft nur begrenzt: Achte beim Angebot genau auf die Laufzeiten der günstigen Tarife. Oft gibt es die nur im ersten Jahr, danach wird es wesentlich teurer. Deshalb solltest du dann wieder wechseln.
  • Kündigungsfristen einhalten: Die sollten nicht mehr als vier bis sechs Wochen lang sein, damit du zu aktuell günstigen Konditionen zum nächsten Versorger wechseln kannst.
  • Mindestlieferzeit sollte nicht länger als ein Jahr sein: Bei manchen Versorgern gibt es die Bonuszahlungen nur, wenn du diese Mindestlieferzeit auch einhältst. Während dieser Zeit sollte sich der Tarif nicht ändern, sonst wird es teuer.
  • Automatische Vertragsverlängerung: Der Vertrag sollte sich ohne Kündigung nicht automatisch um ein Jahr verlängern. Solltest du nun nämlich vergessen zu kündigen, muss der Versorger sich mit dir in Verbindung setzen.
  • Preisgarantie für den gesamten Preis: Der Strompreis setzt sich aus verschiedenen Teilen (inklusive Steuern und staatliche Abgaben) zusammen.
  • Achten Sie beim Vertrag genau darauf, dass die Preisgarantie so lang wie möglich und nicht nur für einzelne Teile gilt. Sonst drohen Preiserhöhungen.
  • Vorsicht Geschenke: Manche Versorger bieten dir hochwertige Heimelektronik und Ähnliches zum Vertrag an. Dabei entfallen aber oft alle anderen Vergünstigungen, wie Boni oder niedrige Tarife.

Der neue Stromversorger nimmt die Arbeit ab

Mit dem eigentlichen Stromanbieterwechsel hast du nur wenig Arbeit. Den Vertrag beim alten Stromanbieter musst du nicht selbst kündigen. Der neue Anbieter übernimmt in der Regel die Kündigung bei deinem aktuellen Versorger. Etwa drei Wochen Bearbeitungszeit sollten dafür eingeplant werden. Dann übernimmt der neue Anbieter die Stromlieferung.

Bei Sonderkündigung musst du selbst ran

Egal, ob du nur für ein Jahr einen Vertrag abgeschlossen hast oder schon länger bei deinem Versorger bist: Bei einer Preiserhöhung kannst du kündigen.

Sie machen dann von Ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch, dazu haben Sie nach Kenntnis der Kündigung vier Wochen Zeit.

Dr. Katja Henschler
Stempel mit der Aufschrift "INKASSO".
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Am besten kündigst du schriftlich per Einschreiben. Dem neuen Anbieter solltest du auch noch eine Kopie der Kündigung zukommen lassen. Gibt es beim Wechsel Probleme oder geht der neue Stromversorger Pleite, sitzt du trotzdem nicht im Dunkeln.

Dann rutscht man in die Grundversorgung des örtlichen Anbieters. Meistens zum Basistarif, aber da kommen Sie auch schnell wieder raus und können sich einen neuen Stromanbieter suchen.

Dr. Katja Henschler

Besser nicht schummeln

Geh bei allen Angaben über Verbrauch und Zählerstand immer sehr gewissenhaft vor. Auch wenn du oft den Anbieter wechselst und über einen längeren Zeitraum niemand direkt bei dir den Zähler abliest, irgendwann kommt jemand. Die Stromanbieter holen sich ihr Geld früher oder später, spätestens, wenn du aus der Mietwohnung ausziehst.

Wer schlichtet beim Streit

Solltest du Probleme mit deinem Versorger haben, etwa wenn er die versprochenen Bonuszahlungen nicht leistet oder nach einer ersten Mahnung gleich mit dem teuren Inkassobüro kommt, wendest du dich an Fachleute.

Sie können sich dann von der Verbraucherzentralen, der Schlichtungsstelle-Energie oder der Bundesnetzagentur beraten lassen.  

Dr. Katja Henschler

Fazit

Ein Wechsel des Stromanbieters ist online, aber auch schriftlich schnell und problemlos möglich. Je mehr Aufwand du dabei betreibst, desto mehr kannst du sparen. Achte bei der Suche im Internet, aber auch in Vertragsunterlagen auf die Details.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 01. Februar 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Februar 2019, 02:10 Uhr