Taxi-Apps: Kaum schneller, dafür günstiger

19.02.2019 | 02:10 Uhr

Ein Mann hält 2016 ein Handy mit MyTaxi-App in der Hand vor einem Taxi. 1 min
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Umschau-Quicktipp Taxi-Apps

Taxi-Apps

MDR JUMP Di 19.02.2019 02:10Uhr 01:08 min

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Wer heute mal schnell per Taxi von A nach B möchte, der muss nicht mehr lauernd am Straßenrand stehen und ein freies Taxi ranwinken oder in der Taxizentrale anrufen. Heutzutage geht das per Taxi-App. So hat man die Taxizentrale quasi immer dabei und ordert Fahrzeug und Fahrer ruckzuck an den gewünschten Ort. Klappt das überall und immer oder hat die Sache einen Haken?

Feststellung Nummer eins: Überall klappt es mit der Taxi App bislang noch nicht. Wie "Umschau-Quicktipp" recherchiert hat,  kann man bislang nur in den größeren Städten auf diesen Service zugreifen. Denn nur dort stehen entsprechende Fahrzeugflotten bereit, die mit den Apps verbunden sind. Die in Mitteldeutschland aktiven Anbieter heißen "mytaxi", "Taxi Deutschland" und "Clever Shuttle". Letzteres ist allerdings nur in Leipzig und Dresden nutzbar.

Was eine Taxi-App können sollte

Um per App an die nächste Taxifahrt zu kommen, muss man sie natürlich erstmal auf sein Smartphone laden. Kostenlose Android- und iOS-Versionen gibt es von allen in Mitteldeutschland aktiven Apps. Unterschiede gibt es bei der Live-Verfolgung des Fahrzeugs, der geschätzten Anfahrtszeit und der Möglichkeit, den Taxifahrer zu bewerten. Die Apps unterscheiden sich auch bei der Bedienbarkeit, den Zahlungs- und Vorbestellungsmöglichkeiten, der Anbindung an eine Taxi-Zentrale und Erreichbarkeit des Fahrers über die App. Auch die Wartezeiten variieren.

Einfache Bedienbarkeit

Wir haben einige dieser Kriterien bei einer identischen Fahrt in Leipzig, die nacheinander über alle drei Apps gebucht wurde, getestet. Für alle Apps, die - bis auf "Clever Shuttle" - in fast allen mitteldeutschen Städten funktionieren, gilt: Sie kosten nix. Auch in Sachen Bedienbarkeit bestehen zwischen "mytaxi", "Taxi Deutschland" und "Clever Shuttle" wenige Unterschiede.

Vorteil: Preis wird vor Fahrtbeginn angezeigt

Was ebenfalls alle können und ein Riesenvorteil der Apps gegenüber einer herkömmlichen Taxibestellung ist: Man weiß schon vor Fahrtantritt, was man nachher bezahlen muss. Bei den Preisen selber herrschen letztlich aber auch die größten Unterschiede. Denn weil "mytaxi" und "Taxi Deutschland" in Leipzig mit normalen Taxis kooperieren, sind sie auch an die sogenannte Beförderungsentgeltverordnung der Stadt gebunden. Günstiger als eine herkömmliche Taxifahrt wird es also nicht, allerdings bietet "mytaxi", das zum Daimler-Konzern gehört, als Besonderheit ab und zu Rabattaktionen an. "Taxi Deutschland, das als Genossenschaft von verschiedenen großstädtischen Taxizentralen gegründet wurde, dagegen nicht.

Zusammen wird es günstiger

Wer richtig sparen will, nutzt in Leipzig oder Dresden den "Clever Shuttle". Dabei handelt es sich um keine klassische Taxifahrt, sondern quasi um eine Mitfahrgelegenheit, und das im Elektroauto. Auch das sorgt zunächst für einen günstigeren Preis. Aber: Da sich der endgültige Preis bei "Clever Shuttle" aus Kilometerpauschaule und Anzahl der gebuchten Sitzplätze zusammensetzt, kostet eine Fahrt mehr, je mehr Plätze man bucht. Dennoch: Obwohl wir in unserem Quicktipp-Test in Leipzig zu zweit unterwegs sind und noch Koffer und Skier dabei haben, sparen wir rund ein Viertel der Kosten im Vergleich zu den Fahrten bei "mytaxi" oder "Taxi Deutschland". Alleine und ohne Gepäck hätte uns die Fahrt sogar nur die Hälfte gekostet.

Mitfahren gleich länger fahren

Einen Haken hat die Fahrt mit "Clever shuttle" zudem: Mit Umwegen und einer längeren Fahrtdauer zum Ziel muss gerechnet werden. Denn schließlich sitzen unter Umständen mehrere Leute mit unterschiedlichen Zielen im Auto. Hier spart man also definitiv Geld, möglicherweise aber keinesfalls Zeit.

Nachteil: Zuweilen lange Wartezeiten

Neben Bedienbarkeit und Preis gibt es aber noch ein wesentliches Kriterium, dass die Qualität einer Taxifahrt ausmacht: sie Wartezeit. Vorteil der Apps: Versucht man ein Taxi zu ordern, zeigen die Apps sofort an, wie lange man warten müsste, bis der Fahrer vor Ort ist. Allerdings haben wir die Erfahrung gemacht, dass – obwohl wir unseren Test unter der Woche zur Mittagszeit gemacht haben – es erstmal dauerte, bis überhaupt ein Fahrer gefunden wurde und dann auch noch Wartezeit anstand, bis das Auto uns abholte. Ausnahme: "Taxi Deutschland" – da hier das nächste freie Taxi am Stand um die Ecke aktiviert wurde, war das Fahrzeug auch relativ schnell da.

Fazit

Wer eine Taxi App nutzt, hat die Taxizentrale praktisch einstecken und kann jederzeit ein Fahrzeug aktivieren. Das geht einfach und kostenfrei. Ob das Taxi aber tatsächlich umgehend kommt, ist fraglich. Wer schon abends weiß, wann er morgens am Bahnhof sein muss, sollte daher unbedingt die Vorbuchungsfunktion nutzen. Kostenmäßig geben sich herkömmliche Taxifahrten und per App bestellte nicht viel – außer man erwischt einen Rabatt. Günstiger wird es nur, wenn man alternative Konzepten wie "Clever Shuttle" nutzt. Bei solchen "Mitfahrkonzepten" sollte man allerdings eines sicherheitshalber im Gepäck haben: Zeit!

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 19. Februar 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2019, 02:10 Uhr

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