So tricksen Produkt-Vergleichsseiten im Netz

Stehen Neuanschaffungen an, bieten Vergleichs- und Testseiten Orientierung. Kunden hoffen, seriöse Testberichte und Ergebnisse zu bekommen. Die Seitenbetreiber machen aber mit Allerweltsinformationen ein großes Geschäft.

Eine Person sitzt am Schreibtisch vorm Computer. 1 min
Bildrechte: IMAGO/Westend61

MDR JUMP Mo 06.07.2020 10:45Uhr 01:11 min

Audio herunterladen [MP3 | 1,1 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 2,2 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.jumpradio.de/podcasts/quicktipp/irrefuehrende-vergleichsseiten-100.html

Rechte: MDR JUMP

Audio

Gibst du auf der Suche nach Produktinformationen zum Beispiel "Dachgepäckträger + Test" in eine Suchmaschine ein, bekommst du viele Seiten mit vermeintlichen Testberichten, Testsiegern oder Vergleichssiegern angeboten.

Die Seiten erwecken auf den ersten Blick den Eindruck, als wurden die Produkte hier tatsächlich wissenschaftlich getestet und geprüft. In Wirklichkeit fassen viele der Betreiber aber nur andere Testergebnisse und Kundenmeinungen zusammen, oft gemixt mit Produktangaben der Hersteller. Hinzu kommt eine oft nicht nachvollziehbare Bewertung inklusive einer grafischen Aufbereitung die stark an seriöse Testgesellschaften wie die Stiftung Warentest erinnert. Die wirklichen Testkriterien sind oft nicht nachvollziehbar, Bezeichnungen wie Testsieger oder Preissieger verwirren zusätzlich. Statt also dem Kunden eine objektive Orientierung zu geben, werden bestimmte Produkte besonders hervorgehoben und können sofort gekauft werden. 

Das Geschäftsmodell

Die meisten Vergleichsseiten verlinken nämlich gleich zu  Onlineshops, in denen man die Produkte kaufen kann. Das Vergleichsportal bekommt dann von den Händlern eine Provision. Bis zu zehn Prozent vom Produktpreis sind drin. Dieses Geschäftsmodell der Portale und Händler ist im Prinzip nicht verboten und  auch bei Branchengrößen wie Amazon, Mediamarkt oder Otto üblich. Das Problem: Je teurer ein Produkt ist, desto höher fällt die Provision für das Vergleichsportal aus. Dadurch landen häufig teurere Produkte auf vorderen Plätzen. Das ist unseriös und wird von den Verbraucherzentralen als unzulässige Werbung angesehen.    

Das Bohrmaschinen-Beispiel

Du willst dir eine neue Bohrmaschine kaufen und gibst "Bohrmaschine + Test" in die Suchmaschine ein. Unter den dann angezeigten fragwürdigen Testseiten wird dir ein Testergebnis mit den angeblich zehn besten Bohrmaschinen präsentiert. Mal abgesehen davon, dass du meist nicht alle Bohrmaschinen auf einen Blick zu sehen bekommst, findest du auf der ersten Seite auch gleich den Test- und den Preissieger. Kein Grund also, sich weiter zu erkundigen. Stattdessen weiter zum Shop und Produkt gekauft! Warum solltest du dich auch weiter informieren? Du bekommst ja die Vorteile dieses Produktes aufgezeigt, in einigen Fällen gleichzeitig die negativen Seiten eines Baumarktbesuches: zu weit weg, zu voll, du musst mit dem Auto fahren, keine Parkplätze, ein beschränktes Angebot und Anstehen an der Kasse. Eine Erklärung, unter welchen Bedingungen die Auswahl der Produkte und der Test stattgefunden haben, findet sich jedoch meist nicht.

Vorsicht: Das alles dient nur dazu, dich zum umgehenden Kauf zu bewegen und nicht, um dich aufzuklären, ob das Produkt tatsächlich deinen Preisvorstellungen und Bedürfnissen entspricht. Teures Profiwerkszeug, das auf einigen Seiten empfohlen wird, braucht der normale Handwerker unter Umständen gar nicht. Scheue daher nicht den Weg in den Baumarkt. Dort erhältst du auf deine Bedürfnisse zugeschnittene Produkte, eine gute Beratung und einen angemessenen Preis. Außerdem sind die meisten Märkte sehr kulant und tauschen mitunter bis zu sieben Jahre nach Kauf ohne Nachfragen um.

Vom Test zum Vergleich

Die Verbraucherzentrale hat wegen dieser Vorgehensweise und der Vortäuschung, dass wirkliche Produkttests stattfinden, mehrere Betreiber von Testseiten abgemahnt. Daraufhin haben die Betreiber ihre Seiten umbenannt. Kritisiert wurde nämlich, dass die Seiten einen wirklichen Test der Produkte vortäuschen. Deshalb sind viele Seiten jetzt Vergleichsseiten. Denn ein Vergleich der Produkte kann auch durch Kundemeinungen oder den Seitenbetreiber selbst geschehen. Wirkliches Fachwissen braucht man dazu nicht. Ein kleiner Hinweis, dass es sich um einen Produktvergleich oder eine durch Kundemeinungen inspirierte Zusammenstellung handelt, hilft dem Kunden aber nicht wirklich weiter.      

Darum kosten gute Tests Geld

Seriöse Testportale wie die Stiftung Warentest, Finanztest oder Ökotest beschäftigen unabhängige Institute mit den Tests von Produkten. In aufwendigen und oftmals langwierigen Versuchen werden die Testprodukte ausführlich nach vorher festgelegten Kriterien untersucht. Kunden bekommen keine Kaufempfehlung oder Verlinkung zum Produkt. Die Portale finanzieren sich zum Großteil über den Verkauf Ihrer Testergebnisse. Diese Tests bieten seit über 30 Jahren zuverlässige Orientierung bei Konsumprodukten.

Fazit

Wenn du realistische Informationen über ein Produkt haben willst, dann vertraue Portalen, die dich nicht sofort an Onlineshops weiterleiten. Suche nach klar definierten Test- und Produktkriterien und vertraue nicht auf Kundenmeinungen. Die sind im Zweifel genauso frei erfunden, wie der ganze Test.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 07. Juli 2020 | 10:20 Uhr

Mehr Quicktipps