Tiere in der Mietwohnung halten - das musst du beachten

Gut 34 Millionen Haustiere leben bei uns. Im Wohneigentum kein Problem. In der Mietwohnung aber kann dein Vermieter Hund und Katze verbieten. Oder nicht? Was geht und was du unbedingt beachten solltest, klären wir jetzt.

Ein Hund liegt auf einer Couch in einer Wohnung 1 min
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MDR JUMP Mi 16.09.2020 10:45Uhr 01:05 min

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Was sagt das Gesetz?

Einen speziellen Gesetzestext dazu, ob du Hund oder Katze in deiner Mietwohnung halten darfst, gibt es nicht- aber  ein Urteil, an dem man sich orientieren kann. "Laut diesem Urteil des Bundesgerichtshofes kann der Vermieter das Halten von Tieren nicht grundsätzlich verbieten. Es kann Ihnen aber passieren, dass er sich einfach einen Mieter ohne Haustier nimmt, wenn die Nachfrage nach der Wohnung groß genug ist", erklärt Anke Matejka, Geschäftsführerin vom Deutscher Mieterbund - Mieterverein Leipzig e.V.. Pauschal verbieten geht also nicht, aber wenn der Vermieter nicht will, findet er Mittel und Wege. Es geht nämlich auch darum, ob ein Tier die anderen Mitbewohner stört oder die Mietsache erheblich beeinflusst. Bestimmte Tiere sind laut unserer Expertin grundsätzlich verboten: "Sie dürfen in der Regel keine geschützten Exoten oder gefährliche Tiere halten, die andere Mieter ängstigen könnten." Dazu zählen auch sogenannte Kampf- oder Listenhunde. Wichtig dabei: Jedes Bundesland hat bezüglich dieser Hunde seine eigenen Definitionen.

Welche Tiere darfst du ohne Zustimmung halten?

Bei sogenannten Kleintieren, musst du den Vermieter nicht fragen. Hamster, Zwergkaninchen und Co. dürfen also in der Wohnung gehalten werden. Achtung: Die Bestimmungen sind auch hier nicht ganz eindeutig, manchmal zählen Katzen zu den Kleintieren, manchmal nicht. Oberste Regel: Auch die Kleintiere dürfen deine Nachbarn nicht durch Geruch oder Geräusche und ähnliches nerven.

Wie klärst du eine Haustierhaltung mit dem Vermieter ab?

In deinem Mietvertrag müsste das geregelt sein, dazu unsere Expertin: "Sie sollten dort immer nachschauen, ob und was Sie halten dürfen. Und auch wenn Tiere erlaubt sind, fragen Sie besser trotzdem nach der Zustimmung des Vermieters. Oder es steht nix drin und dann sollten Sie auf jeden Fall nachfragen." Versuche also nicht, den Vermieter zu umgehen, im Ernstfall kann er dir kündigen, wenn du ohne seine Zustimmung Tiere  wie Hund und Katze hältst. Er kann sich dabei immer auf das Gemeinwohl aller Mieter, die Hausordnung und ähnliche Sachen berufen.

Was musst du im Umgang mit den Nachbarn beachten?

"Grundsätzlich müssen Sie darauf achten, dass ihr Tier die anderen Mieter nicht beeinträchtigt oder stört. Auch das Mietshaus muss sauber bleiben. Niemand muss es hinnehmen, das ihre Katze oder Ihr Hund ständig ins Treppenhaus macht", rät Anke Matejka. Zwar gibt es deutschlandweit keine einheitlich festgelegten Ruhezeiten - in der Hausordnung sind solche Zeiten aber oft angegeben. Und genau dann haben alle Bewohner auch das Recht auf Ruhe.

Leben in deinem Mietshaus Menschen mit Angst vor Hunden, kannst du Probleme bekommen, wenn dein Hund gerne mal an anderen schnüffelt oder gar hochsteigt. Kommentare wie "Der spielt nur." oder "Der tut nix." sind nicht nur dümmlich sondern zeugen auch von wenig Verständnis für andere.

Wie lange dürfen Hunde bellen?

Auch zu dieser Frage gibt es keine Gesetze aber ein wegweisendes Urteil. Danach sind 10 Minuten Bellen am Stück und insgesamt 30 Minuten am Tag gerade noch hinnehmbar. Natürlich wird niemand böse, wenn ein Hund ab und zu mal nachts oder in der Mittagszeit bellt. Man kann ihm nicht beibringen, sich an Zeiten zu halten." Das ist in der Wirklichkeit ja schlecht machbar, dem Hund das Bellen zu verbieten. Wenn es aber gar zu arg wird und es die Nachbarn richtig nervt, dann kann der Vermieter Ihnen die Halteerlaubnis auch wieder entziehen", warnt unsere Expertin.

Dein Nachbar darf einen Hund halten und du nicht - geht das?

Theoretisch kann der Vermieter einer Mietpartei die Tierhaltung erlauben, der anderen untersagen aber: "Das müsste Ihnen der Vermieter begründen, warum er das verschieden handhabt, da könnten Sie tatsächlich vor Gericht Erfolg haben", sagt Anke Matejka vom Mieterbund. So ein Grund könnte sein, dass dein großer Hund lauter und häufiger bellt und andere mehr ängstigt als das Schoßhündchen der netten Omi von nebenan. Und da ist wieder der Grundsatz: Haustiere dürfen Mitmieter in ihrem Leben und ihrer Wohnung nicht einschränken oder gar behindern.

Dürfen Tiere zu Besuch kommen?

Das geht - sogar dann, wenn Tiere ansonsten verboten sind. Allerdings darfst du es nicht übertreiben. Ab und zu mal eine Stunde ist kein Problem. Es darf aber nicht regelmäßig an mehreren Tagen viele Stunden einer oder gar mehrere Hunde zu Besuch sein. Und den Hund der Freunde über die Urlaubszeit aufzunehmen, kann dir der Vermieter auch verbieten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 16. September 2020 | 10:45 Uhr

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