Tipps gegen starkes Schwitzen

12.08.2019 | 02:10 Uhr

Schweißfilm auf der Schulter einer Frau 1 min
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MDR JUMP Mo 12.08.2019 02:10Uhr 01:10 min

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Durch Schwitzen hält der Körper seine Temperatur im Gleichgewicht. Befinden wir uns in warmer Umgebung oder treiben Sport, produziert der Körper Schweiß. Er wirkt wie eine Klimaanlage für den Körper und nutzt dafür die Verdunstungskälte: Die Flüssigkeit verdunstet auf der warmen Haut und entzieht dem Körper dafür die benötigte Energie in Form von Wärme. Sie wird mit dem verdunstenden Schweiß an die Luft abgegeben und der Körper kühlt herunter. Im Durchschnitt schwitzt der Mensch etwa 500 Milliliter am Tag.

So arbeiten die Schweißdrüsen

Zwischen Brustbein und Bauchnabel, mitten in der Nervenbahn des Sonnengeflechts, befindet sich der entscheidende Wärmesensor des Körpers. Nimmt er eine zu warme Temperatur wahr, leitet er ein Signal an das Gehirn. Von dort aus werden die Schweißdrüsen aktiviert und die Produktion angekurbelt. Für die wässrige Flüssigkeit, die wir Schweiß nennen, sind die so genannten ekkrinen Schweißdrüsen verantwortlich, was so viel bedeutet wie "nach außen hin absondernd". Zwischen zwei und drei Millionen von ihnen hat jeder Mensch an Achseln, Stirn, Ellenbeuge, Händen und Füßen.

Wichtigster Tipp gegen Schwitzen: Hitze meiden

Sommerhitze in Europa, und in Deutschland steigt das Thermometer auf Werte über 40 Grad.
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Klingt banal, aber tatsächlich kann man an einigen Punkten dafür sorgen, dass der Körper gar nicht erst zu stark aufgeheizt wird. Ist das Schwitz-Programm erst einmal gestartet, dauert es, bis es wieder gestoppt werden kann. Wer sich beispielsweise zu Fuß oder auf dem Rad gleichmäßig zügig bewegt, heizt seinen Körper nicht so stark auf - wie durch eine kurz eingelegte, schnelle Etappe. Natürlich ist auch witterungs- und bewegungsgemäße Bekleidung wichtig, um übermäßiges Schwitzen zu vermeiden. Neben der Schnittform ist auch der Stoff entscheidend: Baumwolle kann Schweiß gut aufsaugen. Leinen- und Funktionskleidung für den Sport sind besonders atmungsaktiv und können den Schweiß schnell abgeben.

Richtige Körperpflege gegen zu viel Schweiß

Wassertropfen fallen auf eine ausgestreckte Hand.
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Wasser ist das beste Mittel, um Schweiß von der Haut zu kriegen, das ist klar. Eine Dusche nach einem langen Sommertag ist wohltuend und erfrischend. Zu kalt sollte das Wasser dabei jedoch nicht sein. Es würde die Haut zu sehr abkühlen und dafür sorgen, dass in der warmen Umgebungstemperatur der Körper nur noch stärker mit Schweiß gegensteuern würde. Das Rasieren der Achselhaare ist außerdem empfehlenswert, denn an der glatten Haut haben die Schweißtropfen und Bakterien weniger Oberfläche, um sich anzuheften. Zum Training der Schweißdrüsen empfehlen sich regelmäßige Saunagänge und tägliches, wechselwarmes Duschen.

Antitranspirantien und Deodorant?

Während ein Deo in erster Linie gegen Gerüche hilft, bekämpft ein Antitranspirant die Ursache des Schwitzens. Sie verengen die Schweißporen und sorgen so dafür, dass die Schweißproduktion zurückgeht. Einer der Wirkstoffe von Antitranspirantien sind Aluminiumsalze. Diese sind umstritten: Sie stehen im Verdacht, das Brustkrebsrisiko zu steigern und die Entstehung von Alzheimer zu befördern. Wissenschaftliche Studien dazu sind widersprüchlich.

Hautärztin Dr. Ina Schulze aus Markkleeberg hat keine Bedenken bei der Benutzung:

Bei dieser ganzen Aluminiumdiskussion liegt ja bisher nicht wirklich etwas belastbares an Studien vor. So können meiner Meinung nach Menschen, die gesundheitlich nicht vorbelastet sind, ganz normal Deos und Antitranspirantien mit Aluminium benutzen.

Eine frau benutzt ein Deospray..
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Nach den bisherigen Untersuchungen von Stiftung Warentest konnten nur Produkte mit Aluminiumsalzen die Schweißproduktion wirkungsvoll mindern. Wer sie benutzen möchte sollte sie bestenfalls nicht auf frisch rasierter Haut auftragen, um die Aufnahme von Aluminium zu reduzieren.

Die besten Produkte

Deospray mit Sprühnebel
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"Stiftung Warentest" hat im Juni 2019 vierzehn Deos und sieben Antitranspirantien überprüft. Ergebnis: Die Top-Produkte gegen Schweiß und für guten Geruch kosten nicht viel Geld: Der als "gut" bewertete Testsieger bei den Deos, ein Roller von der Marke CD, kostet gerade mal 2,70 Euro pro 100 Gramm. Wie so oft bei Kosmetikprodukten, liegen auch die Hausmarken von Aldi Nord, dm und Rossmann mit Preisen von 0,55 Euro bis knapp drei Euro für 100 Gramm auf den mit "gut" bewerteten, vorderen Plätzen. Bei den Antitranspirantien landeten Produkte von dm und Lidl landeten Test auf den ersten beiden Plätzen und kosten nur 1,10 Euro pro 100 Gramm. Weitere Erkenntnis der Tester: Naturprodukte wirken genauso zuverlässig wie herkömmliche Deos.

Krankhafte Schweißproduktion: So hilft der Hautarzt

Menschen, die sehr stark schwitzen oder sogar unter einer krankhaften Schweißproduktion leiden, sollten einen Hautarzt konsultieren. Er kann entscheiden, wie die Funktionsstörung am besten behandelt werden kann. Die gängigen Methoden hierbei sind Tabletten und das Spritzen des Nervengiftes Botox in betroffene Körperregionen:

Arzt hält Stethoskop
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Der Einsatz von Botox sollte erst ab dem Erwachsenen-Alter erfolgen. Wenn aber Jugendliche ganz besonders stark schwitzen und alle anderen Maßnahmen nicht wirken, kann Botox in Ausnahmen auch durchaus früher helfen. Die eingesetzten Mengen sind dabei bedenkenlos gering. In der Regel müssen das die Patienten selber zahlen. Nur in Ausnahmefällen übernehmen die Kassen eine Botoxbehandlung - nämlich dann, wenn andere Behandlungen bisher nicht geholfen haben.

Dr. Ina Schulze

Im allerschlimmsten Fall können Schweißdrüsen auch operativ entfernt werden.

Diese Hausmittel wirken

Wer natürliche Hausmittel gegen den Schweiß probieren möchte, kann sich aus Zutaten aus Apotheken, Kräuterfachhandel oder Reformhaus Anti-Schwitz-Mittelchen selbst herstellen:

Salbei-Tee-Kur
Die Bitterstoffe des Salbeis regulieren die Schweißabsonderung. Für den Tee werden zwei bis drei gehäufte Esslöffel getrocknete Salbeiblätter drei Minuten in einem Liter Wasser gekocht und dann durchgeseiht. Einen Viertelliter trinkt man sofort, den Rest über den Tag verteilt. Nach einer Woche sollte man die Wirkung spüren.

Bockshornkleesamen und Blätter
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Bockshornklee-Sud
Die Inhaltstoffe des Bockshornklees beruhigen die Schweißdrüsen. Für den Sud weicht man 12 Esslöffel Bockshornkleesamen sechs Stunden in einem Liter kaltem Wasser ein und seiht ihn dann durch. Der Sud wird mit Wasser verdünnt und man badet Hände und/oder Füße für 15 Minuten darin.

Apfelessig
Der Essig soll die Schweißdrüsen verengen und damit starke Schweißproduktion drosseln. Damit er seine Wirkung entfalten kann, sollte zweimal pro Woche nach dem Duschen der ganzen Körper mit einer Mischung aus ¼ Liter Wasser und ¼ Liter Apfelessig abgewaschen werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 12. August 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. August 2019, 02:10 Uhr