Trainings-Booster fürs Fitnessstudio

28.11.2018 | 02:10 Uhr

Frau trinkt im Fitnessstudio aus einer Flasche 1 min
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MDR JUMP Mi 28.11.2018 02:10Uhr 00:53 min

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Was sind Trainings-Booster?

Das englische "to boost" bedeutet, etwas zu steigern. Und damit ist der Name dieser als Nahrungsergänzungsmittel eingestuften Drinks, Kapseln und Pulver Programm. Sie sollen für eine bessere Durchblutung und mehr Energie beim Training sorgen und im Idealfall die Leistung steigern. Auch auf der psychischen Ebene entfalten die Mittel laut Herstellerangaben ihre Wirkung in Form einer gesteigerten Konzentrationsfähigkeit, die es ermöglicht, sich mental komplett auf das Workout zu fokussieren. Die Trainings-Booster erhöhen beim Training auch den Blutfluss im Muskel – bei Kraftsportlern "pump" genannt – welcher allerdings kein Indikator für einen verstärkten Muskelaufbau ist.

Sportwissenschaftler Stefan Kwast von der Universität Leipzig gibt zu bedenken:

Der Begriff Booster ist nicht klar definiert. Diese Nahrungsergänzungsmittel sind immer ein Mix aus vielen Substanzen in unterschiedlicher Zusammensetzung. Deshalb ist es wichtig, genau auf die Inhaltsstoffe und ihre Dosierung zu achten.

Welche Zutaten stecken in den Boostern?

In den meisten Trainings-Boostern finden sich ähnliche Zutaten. Hauptbestandteile sind neben Mineralien und Vitaminen verzweigtkettige Aminosäuren, sogenannte BCAAs (englisch für Branche-Chain Amino Acids). Diese Aminosäuren können vom Körper nicht selbst gebildet werden. Die erhofften Wirkungen beim Kraft- und Ausdauertraining sind ein schnellerer Muskelaufbau und eine spätere Ermüdung beim Training.

In einigen Boostern finden sich Glutamin oder Kreatin. Glutamin ist eine Aminosäure und bewirkt bei Belastung im Muskel eine Vergrößerung des Zellvolumens. Kreatin trägt zur Versorgung der Muskeln mit Energie bei.

Mann im Fitnessstudio
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Alle Booster enthalten Stimulanzien wie Koffein oder Guarana. Dazu kommen die Aminosäuren L-Tyrosin und Beta-Alanin. L-Tyrosin ist eine Aminosäure und an vielen körperlichen Prozessen beteiligt. Es wird den Boostern beigemischt, da bei einer erhöhten Konzentration der BCAAs im Körper der Transport von Tyrosin verlangsamt wird und somit Mangelerscheinungen auftreten können. Durch Beta-Alanin wird die Übersäuerung im Muskel hinausgezögert, das heißt, das Brennen bei höheren Wiederholungszahlen wird geringer.

Nicht alle Substanzen wirken sofort spürbar, weiß der Experte Stefan Kwast.

Kreatin und Beta-Alanin reichern sich erst über die Zeit in der Muskulatur an. Das hilft natürlich auch den Herstellern, denn sie können mehr absetzen bis ein messbarer Effekt beim Sportler eintritt.

Welche unterschiedlichen Booster gibt es und wie werden sie eingenommen?

Klassische Trainings-Booster enthalten Zutaten, die sowohl den Pump fördert als auch eine aufputschende Wirkung haben. Bei Pump-Boostern wird durch die Inhaltsstoffe der Pump, also die Durchblutung der trainierten Muskulatur besonders verstärkt.

Vorsicht ist bei sogenannten Hardcore-Boostern geboten. Deren Inhaltsstoffe, unter anderem Designer-Steroide, bewegen sich oft im gesetzlichen Graubereich oder sind sogar illegal. Ihre Wirkung ist insbesondere für Laien schwer einzuschätzen, und die Einnahme kann schwere gesundheitliche Folgen haben.

In der Darreichungsform sind Pulver Kapseln vorzuziehen, denn in Wasser gelöst, sind sie im Körper schneller verfügbar. Außerdem sind Pulver meist preisgünstiger als Kapseln.

Es wird empfohlen, die Booster ca. 30 Minuten vor Trainingsbeginn einzunehmen, damit sie sich im Körper verteilen und ihre Wirkung optimal genutzt werden kann. Eingenommen werden sollten die Mittel nur an Trainingstagen und auf nüchternen Magen, da sonst die Wirkung verzögert oder gar nicht eintritt. Die letzte Mahlzeit sollte zwei Stunden zurückliegen.

Können Booster gefahrlos eingenommen werden?

Frau auf Laufband
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Ganz klar: NEIN! Jede in den Boostern enthaltene Substanz hat Nebenwirkungen. So wird Kreatin über die Nieren ausgeschieden. Eine ständig hohe Dosis kann die Nierenfunktion herabsetzen. Besonders bei Diabetikern ist hier Vorsicht geboten. Koffein in erhöhten Dosen hat Auswirkungen auf Nerven und Kreislauf. Werden stark koffeinhaltige Booster nach 16 Uhr eingenommen, beeinträchtigen sie den Nachtschlaf. Die tägliche Dosis Koffein sollte 400 mg lt. Empfehlung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nicht übersteigen.

Besonders ist auf die enthaltene Dosis Beta-Alanin zu achten.

Das kribbelt auf der Haut, was von Trainierenden als Beweis genommen wird, dass der Booster wirkt. Aber das Beta-Alanin wird im Körper in Histamin gewandelt. Und an dem Punkt wird es für Allergiker gefährlich, denn es kann zu einem akuten Schub kommen.Insgesamt sollten Booster eher sparsam eingesetzt werden, da bei dauerhafter Einnahme der Effekt nachlässt und deshalb die Gefahr einer Überdosierung steigt.

Sportwissenschaftler Kwast

Fazit

Trainings-Booster können eine Ergänzung zum Training sein, wenn man sich selbst gut einschätzen kann und seine Grenzen kennt. Auf jeden Fall sollte vor der Einnahme die Liste der Inhaltsstoffe genau hinterfragt und gegebenenfalls der Rat eines Sportmediziners eingeholt werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 28. November 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. November 2018, 02:10 Uhr