So fällt der Verzicht auf Einweg-Geschirr leicht!

23.08.2019 | 10:00 Uhr

Einweg-Geschirr wird im Schnitt nur 20 Minuten genutzt und landet dann im Müll. Das Wegwerfen ist Umweltverschmutzung, Ressourcenverschwendung und Gesundheitsgefährdung zugleich. Inzwischen haben sich einige Alternativen entwickelt.

Einweggeschirr 1 min
Bildrechte: imago/Jochen Tack

MDR JUMP Fr 23.08.2019 08:44Uhr 01:01 min

https://www.jumpradio.de/thema/quicktipp/audio-1145494.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Im März 2019 stimmte das Europaparlament mit großer Mehrheit für ein Verbot von Einwegprodukten aus Plastik. Ab 2021 sollen zunächst Teller, Besteck und Trinkhalme aus Plastik verbannt werden. Das fordert besonders die Deutschen heraus, denn im Vergleich zu anderen europäischen Ländern produzieren wir überdurchschnittlich viel Plastikabfall: pro Kopf weit über 30 Kilogramm pro Jahr. Kunststoffabfälle geraten in Flüsse und Meere und brauchen oft Jahrhunderte, um abgebaut zu werden. Sie haben sich in den Lebensräumen vieler Pflanzen und Tieren festgesetzt, werden von ihnen aufgenommen und geraten selbst in unsere Nahrungsketten. Weil es höchste Zeit ist, andere Wege zu beschreiten, haben sich inzwischen einige Alternativen zu den Wegwerf-Produkten entwickelt.

Einweggeschirr aus nachwachsenden Rohstoffen

Neben Einweggeschirr aus Papier oder Besteck aus Holz, gibt es mittlerweile auch Teller, Tassen oder Becher aus Palmblättern, Weizenkleien oder Zuckerrohr. Diese Produkte sind umweltverträglicher, sehen besser aus, sind meist aber auch etwas teuer.

Zuckerrohr
Zuckerrohr Bildrechte: imago/Peter Widmann

Zuckerrohr zum Beispiel hat als besonders schnell nachwachsender Rohstoff eine sehr gute CO2-Bilanz und ist kompostierbar. Für die Einweg-Teller werden Zuckerrohrfasern mit Wasser und einem natürlichen Bindemittel vermengt und gepresst. Geschirr aus Palmenblättern kann ganz ohne künstliche Zusatzstoffe, Farben oder Klebestoffe hergestellt werden. Dieses Geschirr wird meist aus den Blättern der Betelnusspalme herstellt. Es ist besonders robust, wasserdicht, hitzebeständig und kompostierbar.

Einige Verpackungsmaterialien lassen sich gleich mitverspeisen: Strohhalme aus Nudelteig zum Beispiel oder Imbissgeschirr aus Seealgen. An Letzterem tüftelte das renommierte Alfred-Wegener-Institut für Meeresforschung. Schon 2020 will eine Fisch-Schnellrestaurantkette diese Seealgen-Behälter auf den Markt bringen.

Warum Bambus-Geschirr keine gute Alternative ist

Ein biologisch abbaubarer Kaffeebecher aus Bambus ist während der Naturkostmesse Biofach 2017 zu sehen.
Bildrechte: dpa

In den letzten Jahren hat Bambus-Geschirr die Regale vieler Geschäfte erobert. Es wird als umweltfreundliche Alternative zu Plastikgeschirr beworben. Doch Verbraucherschützer raten zur Vorsicht. Nicht alles, was umweltfreundlich klingt, ist es auch. Die Landesuntersuchungsanstalt Sachsen hat 2018 verschiedene Bambus-Schalen und -Becher untersucht. Alle bestanden zu einem großen Teil aus Kunststoff – also aus dem Material, das der Käufer eines Bambus-Mehrweg-Bechers vermutlich vermeiden wollte. Aktuell hat auch die Stiftung Warentest mehrere Bambus-To-Go-Becher im Labor untersucht und die meisten beanstandet: "Aus mehr als der Hälfte der getesteten Becher gehen sehr hohe Mengen Melamin ins Getränk über", heißt es. Mit anderen Worten: Die Benutzung von Bambusgeschirr kann die Gesundheit gefährden. Die Stiftung Warentest rät deshalb, "für Heißgetränke unterwegs Mehrwegbecher aus anderen Materialien als Bambus" zu verwenden.

Geschirr und Besteck mieten

Ein leerer Teller und ein Glas Wasser stehen auf einem rot-weiß-karierten Tischtuch.
Geschirr und Besteck lassen sich auch mieten. Bildrechte: imago/imagebroker

Wer eine größere Feier plant und viele Gäste bewirten muss, für den ist Einweggeschirr eine bequeme Lösung. Doch man kann Geschirr und Besteck wie andere Partyausstattung auch mieten. Verschiedene lokale oder überregionale Anbieter offerieren vom Cocktailglas bis zur Kuchengabel fast alles. Gegen einen Aufpreis kann man das Geschirr bringen und wieder abholen lassen. Wer sich den Abwasch sparen will, kann es gegen eine Reinigungsgebühr auch schmutzig zurückgeben.

"To go" – ein Auslaufmodell?

RECUP-Kaffee-Pfandbecher
Coffee to go: Pfandsystem statt Wegwerfbecher Bildrechte: imago images / Jens Jeske

Immer mehr Städte, auch in Mitteldeutschland, klagen über eine hohe Mehrbelastung durch Wegwerf-Kaffeebecher und anderes Einweggeschirr. Denn diese Art von Müll nimmt viel Platz in Anspruch und landet statt in der Mülltrennung im Restmüll. In einigen Städten gibt es deshalb ein neues Pfandsystem namens "Recup". Das Prinzip: Wer beim Kaffee-Kauf keinen Mehrwegbecher dabei hat, bekommt für einen Euro einen Pfandbecher, der in allen teilnehmenden Läden wieder abgegeben werden kann. Der Pfandbecher ist zwar aus Plastik, aber besonders langlebig, wie Sebastian Gerstenhöfer vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) erklärt: "Der Hersteller garantiert 500 Wiederverwendungen. Die Becher lassen sich gut stapeln und kleben nicht zusammen." In vielen Städten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt es bereits teilnehmende Läden. In der App und auf der Internetseite des Anbieters zeigt eine Karte, wo sie zu finden sind.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 23. August 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. August 2019, 00:10 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP