Urlaubsplanung 2020: Ansprüche und Fristen für den Antrag

20.11.2019 | 02:10 Uhr

Urlaubsanspruch: Was steht mir eigentlich zu?

In Deutschland regelt das Bundesurlaubsgesetz (BurlG) die Ansprüche, Rechte und Pflichten rund um den bezahlten Erholungsurlaubsanspruch. Der dient dem Gesundheitsschutz und der Prävention. Arbeitnehmer mit einer Fünf-Tage-Woche haben demnach einen Anspruch auf mindestens 20 Urlaubstage. Die meisten Unternehmen bieten allerdings sechs Wochen an, also gut 30 Urlaubstage. Dies gilt auch für Teilzeitkräfte, die jeden Tag im Betrieb arbeiten. Erst sechs Monate nach Beginn des Beschäftigungsverhältnisses steht einem Mitarbeiter ein Urlaubsanspruch in vollem Umfang zu. Wurde – im Falle eines Arbeitgeberwechsels – bei dem früheren Arbeitgeber allerdings der gesamte Jahresurlaub bereits verbraucht, dann besteht für dieses Jahr auch im neuen Unternehmen keinen Urlaubsanspruch mehr.

Bis wann muss der Antrag beim Chef sein?

Viele Arbeitgeber verlangen die Urlaubsanträge ihrer Mitarbeiter sehr früh, oft schon bis zum Ende des Vorjahres. Arbeitnehmer müssen dieser Aufforderung rein rechtlich zwar nicht nachkommen. Allerdings kann dies auch Nachteile für die individuelle Urlaubsplanung nach sich ziehen, beispielsweise wenn es um beliebte Urlaubszeiten wie Ferien oder unbeliebte Dienste zur Weihnachtszeit geht. Nach dem Motto "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst" können Chefs dann frühzeitig eingereichte Anträge bevorzugen. Eine weitere Einschränkung sind Betriebsferien. Unternehmen können in dieser Zeit Arbeitnehmer zum Urlaub zwingen. Wichtig: Bezogen auf den gesamten Urlaubsanspruch dürfen Arbeitnehmer über zwei Fünftel des Jahresurlaubs selbst bestimmen. Zudem stehen jedem Mitarbeiter zwölf aufeinanderfolgende Werktage als Urlaub zu.

Der Urlaubsantrag: Was muss rein?

Ein ausgefüllter Urlaubsantrag liegt auf Reiseprospekten.
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Ein Urlaubsantrag muss nicht zwingend schriftlich eingereicht werden. Einige Unternehmen regeln dies über formlose Aushänge oder auch durch mündliche Zusagen. Um Unstimmigkeiten zu vermeiden, empfiehlt sich allerdings auch hier eine schriftliche Bestätigung. Große Firmen arbeiten im Normalfall mit schriftlichen Anträgen. Falls es keine Vorlage des Unternehmens gibt, sollten Anschrift, Personalnummer, Position, die Anzahl der beantragten Urlaubstage sowie der Zeitraum auf dem Antrag nicht fehlen.

Welche Fristen gibt es?

Grundsätzlich gilt: Urlaub muss innerhalb des Kalenderjahres verbraucht werden. Jedoch gibt es hierbei eine Besonderheit: Nach einer Entscheidung des europäischen Gerichtshofes gilt dies nur, wenn der Arbeitgeber ausdrücklich darauf hinweist, dass noch ausstehender Urlaub genommen werden muss oder sonst ersatzlos entfällt. Fehlt der Hinweis, verlängert sich die Frist bis Ende März des folgenden Jahres.

Normalerweise müssen Urlaubsanträge mindestens 14 Tage vor Urlaubsantritt eingereicht werden. Hier kann es allerdings individuelle Regelungen in den Unternehmen geben. Eingereichte Anträge sollten innerhalb von sieben bis zehn Tagen durch den Arbeitgeber beantwortet werden. Eine explizite gesetzliche Frist gibt es hierfür allerdings nicht. Für Arbeitnehmer gilt: Keine Antwort heißt nicht automatisch Bewilligung. Noch gilt der Urlaub als nicht genehmigt. Fehlt man ohne Genehmigung trotzdem, gilt dies als unentschuldigtes Fehlen am Arbeitsplatz bzw. Leistungsverweigerung und kann arbeitsrechtliche Folgen bis hin zur Kündigung haben. Am besten nochmal nachhaken! Wurde der Urlaub genehmigt, ist er für beide Seiten verbindlich.

Antrag abgelehnt – und nun?

Während die einen eher die Tage vor Feiertagen oder Brückentage Urlaub möchten, bevorzugen besonders Arbeitnehmer mit schulpflichtigen Kindern Ferienzeiten. Fallen jedoch viele Wünsche auf ein und dieselbe Zeit, lassen sie sich innerhalb einer Firma meist nicht gleichzeitig erfüllen. Deshalb gibt es einige Regeln. Grundsätzlich haben Arbeitnehmer keinen Rechtsanspruch auf Urlaub an einem bestimmten Termin. Zwar sollte der Arbeitgeber Wünsche berücksichtigen, aber dies ist aus verschiedensten Gründen nicht immer möglich. Es gibt zwei Gründe, aus denen Arbeitgeber Urlaubsanträge ablehnen dürfen:

Lebkuchen und Weihnachtsgebäck stehen in einem Supermarkt.
Bildrechte: dpa

Dringende betriebliche Belange
Ist im Unternehmen Hochsaison, also der Hitzesommer in der Eisdiele oder die Weihnachtszeit im Einzelhandel, dürfen Arbeitgeber Urlaubsanträge ablehnen. Dies ist auch möglich, wenn Teile der Belegschaft zu dieser Zeit bereits ausgefallen sind, beispielweise durch eine Grippewelle, aber auch zu Zeiten von Wetter- und Umweltkatastrophen.

Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer
Überschneiden sich die Urlaubswünsche verschiedenen Arbeitnehmer, kann der Chef nach sozialen Kriterien Urlaub genehmigen. Bevorzugt werden können dann Eltern von schulpflichtigen Kindern oder Arbeitnehmer mit Ehepartnern in besonderen Berufen (zum Beispiel Lehrer). Aber auch Alter und Arbeitsjahre im Unternehmen können eine Rolle spielen. Zum Teil gibt es eine Urlaubsordnung. Sie macht es möglich, dass der Arbeitnehmer, der seinen Urlaubswunsch ein oder mehrere Male nicht genehmigt bekommen hat, im Folgejahr die Genehmigung bekommt. Rollierendes Modell wird dies meist genannt.

Wegweiser zum Betriebsrat.
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Laut Betriebsverfassungsgesetz hat der Betriebsrat ein Mitspracherecht in Urlaubsfragen. Sollte sich also Arbeitnehmer und Arbeitgeber nicht einigen können, hilft eventuell der Betriebsrat. Bei einer Ablehnung ist auch eine Klage am Arbeitsgericht möglich. Die sollten Arbeitnehmer aber nur dann in Erwägung ziehen, wenn der Arbeitgeber keinen triftigen Grund für die Ablehnung genannt hat.

Kann bereits genehmigter Urlaub gestrichen werden?

Nein. Einmal bewilligter Urlaub kann nur mit dem Einverständnis des Arbeitnehmers gestrichen werden. Ist dies der Fall, kann der Arbeitnehmer vom Arbeitgeber verlangen, angefallene Kosten wie Stornokosten für einen gebuchten Flug zu übernehmen. Soll ein Urlaub frühzeitig beendet werden, ist dies auch nur mit dem Einverständnis des Arbeitnehmers möglich.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 20. November 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. November 2019, 02:10 Uhr

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