Verträge richtig kündigen

03.04.2020 | 02:10 Uhr

Verträge sind leicht geschlossen aber schwer gekündigt. Diese Binsenweisheit kann richtig viel Geld kosten. Wir klären jetzt, wie man einfach und pünktlich aus Verträgen rauskommt und wann man sich Beratung holen sollte.

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Die ordentliche Kündigung

Wer wirksam kündigen möchte, muss sich an die Kündigungsfristen halten. Die sind entweder vom Gesetzgeber festgelegt, wie zum Beispiel bei Mietverträgen oder im Vertrag selbst festgeschrieben. Wichtig ist dabei vor allem, dass man rechtzeitig kündigt - besonders wenn ansonsten eine stillschweigende Vertragsverlängerung droht. Tipp: Am besten immer eine bis zwei Wochen vor der eigentlichen Frist kündigen, damit der Vertragspartner die Kündigung auch wirklich fristgerecht erhält. Es zählt nämlich nicht, wann eine Kündigung rausgegangen ist, sondern wann beim Vertragspartner mit der Kenntnisnahme zu rechnen ist. Beispiel: Kommt eine Kündigung am Samstag irgendwo an, können bis zur Kenntnisnahme noch zwei Tage vergehen und das kann zu spät sein.

Die außerordentliche Kündigung

Wird eine Dienstleistung während der Vertragslaufzeit teurer oder ändert der Anbieter einseitig etwas anderes Wesentliches am Vertrag, hat der Kunde in der Regel ein Sonderkündigungsrecht. Damit kann man raus aus dem Vertrag, auch wenn der eigentlich noch länger läuft. Dafür gelten aber Fristen, meist von vier bis sechs Wochen nach Kenntnisnahme der Änderung.  

Das Widerrufsrecht

Wer einen Vertrag schnell und eventuell unüberlegt abgeschlossen hat, kann ihn innerhalb von 14 Tagen widerrufen. Das sogenannte Widerrufsrecht gilt vor allem, wenn Verträge online, an der Haustür oder gar auf der Straße geschlossen wurden. Aber auch Kredit- oder Bausparverträge und Aboverträge können so rückgängig gemacht werden. Achtung: Die 14-Tagefrist läuft erst, nachdem man vom Vertragspartner über das Widerrufsrecht informiert wurde. Wenn der das unterlässt, kann so ein Vertrag auch nach bis zu einem Jahr widerrufen werden. Rein praktisch ist das kein Hexenwerk: Schriftlich sollte es sein und am besten nach einem Muster des Gesetzgebers.

Kündigung gleich nach Vertragsabschluss

Vertragsexperten wie Michael Hummel von der Verbraucherzentrale Sachsen raten bei bestimmten Verträgen zur vorsorglichen Kündigung direkt nach Ablauf der 14 tägigen Widerrufsfrist:

Gerade bei kurzfristigen Abos oder Verträgen, die ich nach einem Jahr auf jeden Fall wieder kündigen will, lohnt es sich vorsorglich zum gewünschten Termin gleich wieder zu kündigen.

Dabei muss aber auf die richtige Formulierung geachtet werden. Auf keinen Fall sollte man solche Verträge lange vorher mit sofortiger Wirkung kündigen. Sonst könnte der Vertragspartner das falsch verstehen. Ansonsten ist diese direkte Kündigung gerade bei Pay-TV-Kanälen eine gute Möglichkeit um bessere Preise zu feilschen. Die Anbieter wollen ihre Kunde schließlich gerne behalten.

Brief oder Mail

Seit 2016 ist die Kündigung per Mail bei vielen Verträgen möglich. Ausnahmen gelten zum Beispiel für Miet- oder Arbeitsverträge. Die müssen nach wie vor mit Unterschrift gekündigt werden, bedürfen also der Briefform. Am sichersten werden Briefe per Einschreiben verschickt. Davon gibt es verschiedenen Formen. Am sichersten ist das Einschreiben mit Rückantwort. Ansonsten können Verträge mit Bank, Versicherung oder auch Strom- und Wasserversorger leicht per E-Mail gekündigt werden. Verbraucher- Experte Michale Hummel mahnt aber:

Sie müssen den Mailverkehr auch nachweisen können. Bei Widerrufen oder bei telefonischen Bestellungen reicht Ihr Mail-Ausgang. Bei anderen Verträgen müssen Sie nachweisen, dass der Vertragspartner die Mail, auch wirklich bekommen hat.

Dazu bieten viele Firmen eine Empfangsbestätigung, die man unbedingt anfordern sollte. Oder man fordert selber eine Lesebestätigung an. Sollte der Vertragspartner darauf nicht reagieren, ist eine schriftliche Kündigung sicherer. Auch hier gilt deshalb: Wer ein paar Wochen vor der eigentlichen Frist kündigt, kann noch reagieren, wenn der Vertragspartner auf stur schaltet.  

Die richtigen Formulierungen

Eine genaue Textvorgabe für Kündigungen gibt es nicht. Wichtig ist, dass dem Vertragspartner klar wird, wer welchen Vertrag wann kündigen will. Am besten arbeitet man immer mit Kunden- oder Vertragsnummer.

Beratung bei langfristigen Verträgen

Gerade bei langfristigen Verträgen mit hohen finanziellen Volumen wie bei einer Lebensversicherung oder Bausparverträgen sollten Sie sich unbedingt vor der Beendigung beraten lassen. Dann bekommen Sie sicher auch das ausgezahlt, was Ihnen zusteht und es gibt keine Problem.

Michael Hummel

Eine Stunde Beratung bei der Verbraucherzentrale inklusive Durchrechnung des Vertrages kostet etwa 30 Euro. Auch Internetanbieter wie kündigen.de oder Aboalarm  sind bei frist- und formgerechten Kündigungen hilfreich.

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