Vorfälligkeitsentschädigung bei Krediten - so sparst du bares Geld!

21.01.2020 | 02:10 Uhr

Auf einem Kreditvertrag liegen Geldscheine und ein Füllfederhalter. 1 min
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MDR JUMP Di 21.01.2020 02:10Uhr 01:09 min

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Was ist eine Vorfälligkeitsentschädigung (VFE)?

Möchte ein Kreditnehmer seinen Kredit vorzeitig, also vor Ablauf der vereinbarten Laufzeit,  bei der Bank ablösen, kann eine Vorfälligkeitsentschädigung fällig werden. Diese beschreibt einen Geldbetrag, den der Kreditnehmer als Ausgleich für entgangene zukünftige Zinsgewinne an die Bank zahlen muss.

VFE bei Ratenkrediten

Buchumschlag einer Ausgabe des Bürglerichen Gesetzbuchs
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Für normale Ratenkredite ist die Höhe der VFE auf maximal ein Prozent der Restschuld begrenzt. Liegt die Restlaufzeit des Kredites bei unter einem Jahr, dürfen es maximal 0,5 Prozent der Restschuld sein. Grundlage hierfür ist §502 im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Eine Ausnahme sind Ratenkredite, die vor dem 11.06.2010 zustande gekommen sind: Hier ist die Höhe der VFE nicht begrenzt.

VFE bei Baukrediten

Grundsätzlich gilt: Baukredite können erstmalig 10 Jahre nach Vertragsschluss abgelöst werden. Vorher gibt es nur die Möglichkeit einer außerordentlichen Kündigung, wenn die Immobilie verkauft wird oder wenn sie der Absicherung eines weiteren Kredites dient. Im Fall einer außerordentlichen Kündigung fällt eine VFE an. Baufinanzierungen sind von der Regelung des §502 BGB ausgeschlossen. Hier gibt es dementsprechend keine einheitlichen Vorgaben.  Wird ein Baukredit frühzeitig abgelöst, ist die Berechnung der VFE komplizierter und für Verbraucher sehr schwer nachvollziehbar.

Keine VFE

In Einzelfällen müssen Kreditnehmer keine VFE an die Bank zahlen:

  • Bei einem Vertrag mit langer Zinsbindung. Ein Darlehensvertrag mit gebundenem Sollzins kann nach 10 Jahren kostenfrei gekündigt werden. Sechsmonatige Kündigungsfrist beachten.
  • Bei einem Vertrag mit variablen Zinsen: Sind solche Zinssätze mit Marktanpassung vereinbart, kann ohne VFE gekündigt werden. Kündigungsfrist hier drei Monate.
  • Vertrag wird durch Bank gekündigt: Auch in diesem Fall muss keine VFE gezahlt werden. Dies gilt auch, wenn die Bank aufgrund ausbleibender Ratenzahlungen kündigt.
  • Bei einer einvernehmlichen Kündigung.

Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung

Um die Höhe der VFE zu bestimmen, müssen Banken einzelne Posten berücksichtigen und diese vom Verlust aus entgangenen Darlehenszinseinnahmen abziehen. Abgezogen werden konkret:

  • eingesparte Verwaltungskosten auf Seiten der Bank,
  • eingesparte Risikokosten (Zahlungsausfall des Kreditnehmers).

Für die genaue Berechnung der VFE, also des für die Bank entstandenen Zinsschadens, hat der Bundesgerichtshof zwei Methoden als zulässig anerkannt.

Aktiv-Passiv-Methode

Bei dieser oft genutzten Berechnungsmethode werden Pauschalen angesetzt. Sie betrachtet die Differenz aus vereinbartem Zins und einer fiktiven Wiederanlage in festverzinsliche Hypothekenpfandbriefe. Für alle Verträge, die ab dem 21.03.2016 geschlossen wurden, ist die Methode zulässig und wird in der Praxis fast ausschließlich angewendet.

Aktiv-Aktiv-Methode

Diese Methode unterstellt, dass vorzeitig zurückgeflossene Darlehensanteile für die Restlaufzeit (Zeitraum der geschützten Zinserwartung) wieder einem neuen Kreditgeschäft zugeführt werden können. Da hierbei von den Kreditgebern Zinsmargen offen gelegt werden müssen, wird die Methode in der Praxis nur selten angewendet.

Marktwächteruntersuchung

Eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Bremen aus dem Jahr 2019 hat sich mit der Höhe von Vorfälligkeitsentschädigungen beschäftigt. Hierzu wurden 733 Anbieterberechnungen zwischen 2017 und 2019 näher betrachtet. Die Untersuchung zeigt, dass in über drei Viertel aller Fälle die von der Bank geforderte VFE höher lag, als die von den Verbraucherschützern ermittelte VFE. Heißt: In diesen Fällen haben die Banken zu viel verlangt. Den Grund sehen Experten in zu niedrig angesetzten Pauschalen bei Abzügen für entfallene Risiko- und Verwaltungskosten. Deshalb schlagen sie einen neuen Berechnungsansatz, die "Methode Löw" vor. Diese ermittelt den reinen Schaden der Zinsverschlechterung des Kreditgebers durch eine vorzeitige Kündigung ohne mit Pauschalwerten zu arbeiten. Anders als bei der Aktiv-Passiv-Methode wird entgangener Gewinn hier nicht entschädigt.

Tipps

Eine Frau sitzt auf dem Bett und arbeitet am Laptop
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Tipp 1: Vorher vergleichen
Bereits bei der Kreditsuche sollten auch möglicherweise anfallende Vorfälligkeitsentschädigungen verglichen werden. Hierfür gibt es spezielle Rechner im Internet.

Tipp 2: Sondertilgungsoptionen
Wer bei Vertragsabschluss die Möglichkeit von Sondertilgungen vereinbart, kann im Falle einer vorzeitigen Ablösung des Kredites die VFE reduzieren, auch wenn das Sondertilgungsrecht nicht in Anspruch genommen wurde. Laut Entscheidung des Bundesgerichtshofes (Aktenzeichen XI ZR 388/14 BGH) müssen Banken die zukünftigen Sondertilgungsrechte des Kunden berücksichtigen und vom Zinsschaden also der Vorfälligkeitsentschädigung abziehen.

Tipp 3: Beraten lassen
Besonders beim vorzeitigen Ablösen von Baukrediten ist es empfehlenswert, die Konditionen unabhängig prüfen zu lassen. Hilfe gibt es zum Beispiel in den Filialen der Verbraucherzentralen. Wichtig ist dieser Punkt auch bei der Frage, ob sich eine Umschuldung wirklich lohnt. Die Höhe der VFE muss bei solchen Überlegungen unbedingt mit einbezogen werden.

Tipp 4: Widerrufsbelehrung checken
Zum Teil enthalten Kreditverträge unwirksame Widerrufsbelehrungen. Besonders bei Verträgen, die zwischen 2002 und 2010 geschlossen wurden, wurden immer wieder Fehler entdeckt. Es muss klar formuliert sein, dass der Kreditvertrag innerhalb von 14 Tagen ohne Konsequenzen widerrufen werden darf. Ist dies nicht der Fall, können Kreditnehmer den Vertrag widerrufen und müssen keine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen.

Tipp 5: Fehlende Angabe im Vertrag
Kreditanbieter sind seit dem 21.03.2016 verpflichtet, bestimmte Pflichtangaben in die Verträge zu schreiben. Dies sind Laufzeit des Vertrags, Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung oder das Kündigungsrecht des Kreditnehmers. Fehlen Angaben, besteht kein Anspruch auf Vorfälligkeitsentschädigung.

Tipp 6: Steuererleichterung
Unter Umständen lassen sich VFEs als Werbungskosten absetzen und wirken sich somit steuermindernd aus.

Tipp 7: Erstmal zahlen
Auch wenn aus Sicht des Kreditnehmers die Vorfälligkeitsentschädigung strittig ist, sollte die geforderte Summe zunächst an den Kreditgeber gezahlt werden. Nur so wird die Löschungsbewilligung erteilt. Allerdings sollte man sich bei Zahlung ausdrücklich vorbehalten, die VFE rechtlich und rechnerisch prüfen zu lassen, um nach Prüfung durch einen Experten zu viel gezahlte Beträge zurückfordern zu können.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 21. Januar 2020 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Januar 2020, 02:10 Uhr

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