Zum Optiker oder Augenarzt für die Vorsorge

Eigentlich sollte man regelmäßig seine Augen kontrollieren lassen. Doch wer einen Termin beim Augenarzt braucht, kann in seinem Kalender weit vor blättern. Könnte da nicht der Optiker auch drüber schauen? Wir gucken mal!

Unterschied Augenarzt – Optiker

Der Arzt ist ein Mediziner und kann deshalb das Organ Auge mit den verschiedensten Methoden genau untersuchen. Er kann Krankheiten wie den Grauen oder Grünen Star diagnostizieren und entsprechend behandeln. Außerdem werden beim Augenarzt Leistungsfähigkeit und Zustand des Auges ermittelt. Wie scharf kann man sehen, wie groß ist das Gesichtsfeld, wie hoch ist der Augeninnendruck. Aus diesen Daten lassen sich Rückschlüsse auf bestimmte Krankheiten ziehen. Und genau hier überschneiden sich die Möglichkeiten von Optiker und Augenarzt. Dazu Karolin Truckenbrod, Diplom Ingenieurin für Augenoptik: „Neben den Standards Sehschärfe und Gesichtsfeld, bieten Optiker, die sehr gut ausgestattet sind, ohne weiteres auch eine Augendruckmessung an. Nicht alle können aber die Ergebnisse immer korrekt auswerten. Zum Beispiel beim Grünen Star, da ändert sich der Augendruck nicht immer, und so könnte bei falschen Interpretationen die Krankheit nicht entdeckt werden.“ Ein Grundsatz lautet deshalb: Für Standardmessungen und Routinekontrollen zum Optiker, bei Erkrankungen zum Augenarzt.

Darum gibt es so schwer einen Termin beim Augenarzt

Es ist schrecklich einfach: Es gibt zu wenige Augenärzte und sie werden als niedergelassene Ärzte so schlecht bezahlt, dass sich eine eigene Praxis ohne aufwendige Zusatzbehandlung kaum lohnt. Es sei denn, die Praxis arbeitet ausschließlich auf Bezahlbasis also für Privatpatienten oder gegen Cash.

Auch bei einem Notfall halten einige Praxen erstmal die Hand auf, bevor sie mit einer Behandlung beginnen, manche Augenkliniken nehmen ohne Überweisung gar keine Notfallpatienten auf. Hier hilft der Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung, im Notfall und auch mit einem schnelleren Termin. Innerhalb weniger Tage dran zu kommen ist jedoch fast aussichtslos.  

Optiker können wesentlich schneller

„Grundsätzlich bekommen Sie bei einem Optiker schneller einen Termin, besonders, wenn Sie im ländlichen Raum wohnen. Wir sind privatwirtschaftlich organisiert und können auf Nachfragen schneller reagieren“, so unsere Expertin. Hinzu kommt, dass sich ein Optiker in der Regel mehr Zeit für eine Sehschärfemessung oder den obligatorischen Sehtest für den Führerschein nehmen kann. Manchmal sind diese Tests sogar kostenlos.

Wann zum Augenarzt?

Wenn Kinder schielen, ältere Patienten Diabetes oder Rheuma haben, bei der Einnahme bestimmter Medikamente oder auch bei akuten Problemen, sollte schnellstmöglich ein Augenarzt helfen. Er ist auch der Ansprechpartner für bestimmte Routineuntersuchungen. Dazu unsere Diplom-Ingenieurin für Augenoptik: „Ab 40 steigt das Risiko für Augenerkrankungen wie den grünen Star, da sollten sie aller fünf Jahre einen Termin beim Augenarzt machen.

Ab etwa 60, 65 Jahren steigt das Risiko für Augenerkrankungen nochmal deutlich. Da sollten sie wenigstens aller zwei Jahre zur Kontrolle zum Arzt.“

Unbedingt zum Arzt sollte auch, wer plötzlich Probleme mit dem Sehen bekommt. „Wenn Sie zum Beispiel Doppelbilder sehen oder bei einem Blick auf kariertes Papier Dellen und Löcher, also solche extremen Dinge, dann sollten Sie schnellstens zum Arzt“, rät Karolin Truckenbrod.

Wann zum Optiker?

Wer schon Brillenträger ist, kann seine Werte jährlich beim Optiker prüfen lassen. Dazu Karolin Truckenbrod: „Dann können wir bei hinterlegten Sehwerten schnell erkennen, ob sich ihre Sehfähigkeit zum Beispiel von 90 Prozent auf 80 Prozent verschlechtert hat. Und dann würden wir erst einmal nachschauen, was die Ursachen dafür sein könnten. Und bei Bedarf empfehlen wir Ihnen dann einen Arztbesuch.“ Aber auch wer noch wie was mit den Augen hatte, kann bei Problemen erstmal zum Optiker. “Die normale Altersweitsichtigkeit oder auch eine sich entwickelnde Kurzsichtigkeit bemerken sie dadurch, dass sie Dinge in der Nähe nicht mehr richtig scharf stellen können, oder einfach auch in der Ferne nicht mehr so richtig scharf sehen. Und wenn ihnen Lesen oder auch Computerarbeit allgemein schwerfällt oder Sie dabei Kopfschmerzen bekommen, sind das mögliche Anzeichen. Dann sollten Sie auf jeden Fall ihre Sehwerte überprüfen lassen“, rät unsere Expertin.

Optiker oder Brillendiscounter – ist nicht egal

Ja, auch bei der Optikerkette mit vielen Filialen und besonders preiswerten Angeboten arbeiten gute Optikerinnen. Aber die haben oftmals überhaupt nicht die Zeit, viel mehr als die Sehschärfe zu messen. Dazu abschließend Karolin Truckenbrod: „Die Kunden sind bei den Ketten viel enger getaktet. Wir nehmen uns bis zu einer Stunde Zeit für einen Kunden. Da können wir auch mal das Gesichtsfeld messen oder auch Sehnerv und Augendruck prüfen.“

Wohlgemerkt, das geht nicht bei jedem Optiker und es kostet auch ab 30 Euro für die einfache Überprüfung, für eine Stunde können dann schon mal bis zu 90 Euro fällig werden. Und das wird von der gesetzlichen Krankenkasse nicht bezahlt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 14. Oktober 2021 | 11:45 Uhr

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