Wandern: Tipps für Anfänger

07.03.2019 | 02:10 Uhr

Rucksack und Wanderschuhe, abgestellt auf einer Wiese an einem Bach 1 min
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MDR JUMP Fr 08.03.2019 02:10Uhr 01:05 min

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Robuste Schuhe an die Füße, Rucksack auf den Rücken und ab auf wunderschöne Wege im Erzgebirge, dem Thüringer Wald oder der Dübener Heide: Wandern galt vor einigen Jahren noch als Rentner-Sport, heute interessieren sich auch Jüngere wieder dafür. Jeder Zweite geht wenigstens ab und an in landschaftlich reizvollen Regionen wandern. Darunter sind auch viele Familien mit Kindern. Auf der Internationalen Tourismus-Börse Berlin (ITB) im März gehört Wandern zu den Schwerpunkten. Wir haben einige Tipps zusammengestellt, wie man eine für alle abwechslungsreiche Wandertour planen und vorbereiten kann.

Alltagstaugliche Kleidung reicht

Wir Deutschen neigen dazu, für jede neue Sportart und jedes Abenteuer gleich teure und extrem belastbare Ausrüstung zu kaufen. Die brauche man für Tagestouren in Mittelgebirgen nicht, sagt Erik Neumeyer. Er ist stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Wanderverbands.

Es gibt drei wichtige Ausrüstungsgegenstände: Gute belastbare und feste Schuhe, einen Tagesrucksack, wie ihn die meisten Leute sowieso schon haben und eine regenabweisende Schicht. Das kann eine Regenjacke oder atmungsaktive Jacke sein.

Erik Neumeyer, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Wanderverbands

Wandern geht auch in der Freizeitjacke aus dem Alltag und in Jeans gut, findet Stefan Winter. Er ist Experte für Breitensport beim Deutschen Alpenverein:

Die Kleidung sollte halt vom Tragekomfort Bewegungen ermöglichen, vielleicht mit einem Stretch-Material.

Stefan Winter, Experte für Breitensport beim Deutschen Alpenverein

Gute Schuhe sind wichtig

Wer vorab Geld in gute Ausrüstung investieren wolle, sollte den Fokus auf gute Wanderschuhe legen. Die gebe es ab 100 Euro aufwärts, sagt Alpenverein-Experte Winter:

Das Wichtige ist, dass die Schuhe eine stabile und stark profilierte Sohle haben. Die hilft gegen das Ausrutschen und gibt einem einen guten Halt. Wer ein bisschen wackelig im Knöchel ist, der sollte Schuhe mit Schaft haben.

Stefan Winter
Outdoor und Trekking Stiefel
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Und auch wenn es banal klingt: Die Schuhe sollten gut passen. Schließlich stößt man beim Wandern auch ab und an gegen Steine oder Wurzeln. Das kann in zu kleinen Schuhen auf Dauer schnell richtig schmerzen.  

Kleine Notfall-Ausrüstung

Handy, Getränke, Pflaster, Verbandsmaterial und falls nötig persönliche Medikamente: Viel mehr muss gar nicht in den Tagesrucksack.

Sie sind beim Wandern in Deutschland meist nicht weit weg von der Zivilisation und davon, mit jemandem in Kontakt zu treten.

Erik Neumeyer

Ich persönlich hab noch eine Rettungsdecke dabei, wie man sie im Auto im Erste-Hilfe-Kasten hat. Die ist klein, billig, hilft enorm und wiegt nicht viel.

Stefan Winter

Beide Experten halten es für unnötig, Pfefferspray oder Elektroschocker für die Abwehr von Wildtieren einzupacken. Solche Hilfsmittel seien selbst in Regionen mit Wölfen nicht nötig, findet Stefan Winter:

Wenn man sich wirklich im Wald unwohl fühlt, könnte man auch durch Gespräche oder Holzklopfen mit Stecken auf sich aufmerksam machen. Das vertreibt in der Regel schon das Wildtier.

Stefan Winter

Wer zudem Jungtiere oder Mütter mit Nachwuchs großräumig umgehe, brauche sich keine Sorgen vor Tierangriffen zu machen.

Zecken-Impfschutz für einige Wanderregionen

Zecke auf einem Arm
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Wer im Freien unterwegs ist, sollte sich vorab kurz mit dem Thema Zecken beschäftigen. Die Spinnentiere können gefährliche Krankheiten übertragen: Geschätzt jede dritte Zecke trägt den Erreger für die Gelenk- und Muskelentzündung Lyme-Borreliose in sich. Dagegen kann nicht geimpft werden. Wer lange Hosen trägt, die Hosen sicherheitshalber noch in die Strümpfe steckt und Cremes oder Sprays gegen die Tierchen aller paar Stunden aufträgt, ist schon recht gut geschützt. Zudem sollte man den Körper nach dem Wandern auf Zecken absuchen. In einigen Regionen Deutschlands können Zecken auch FSME (kurz für Frühsommer-Meningoenzephalitis) übertragen. Zu den Risikogebieten gehören der Süden von Sachsen, der Süden und Osten von Thüringen, große Teile Bayerns und Baden-Württembergs und einzelne Regionen in Hessen, in Niedersachsen, im Saarland und in Rheinland-Pfalz (Stand: Februar 2019). Dazu veröffentlicht das Robert-Koch-Institut einmal im Jahr eine FSME-Karte. Meist bezahlen Krankenkassen die Schutzimpfung, wenn man in den deutschen Risikogebieten wohnt oder dorthin reisen will. Allerdings sollte man sich rechtzeitig vor dem Urlaub impfen lassen. Erst nach zwei Spritzen baut der Körper einen Schutz vor den Viren auf. Zwischen den Impfungen müssen mindestens drei bis vier Wochen Abstand liegen.

Etwas Vorab-Training hilft

Wer seine persönliche Fitness kennt und beim Planen der Wanderrouten auch berücksichtigt, muss sich aus Sicht von Wanderverband-Geschäftsführer Neumeyer nicht extra mit Sport vorbereiten:

Wenn sie keine Vorerkrankungen haben, ist das Schöne beim Wandern, dass sie da keine großen Einstiegshürden haben.

Erik Neumeyer

Stefan Winter empfiehlt zumindest etwas Bewegung im Vorfeld:

Zweimal pro Woche mit dem Fahrrad fünf Kilometer zur Arbeit und zurück – da kommt der Kreislauf in Schwung.

Stefan Winter

Für längere und anstrengendere Touren seien aber Joggen oder Rennradfahren als Vorbereitung unbedingt nötig.

Bei Touren auf Kinderbedürfnisse achten

Familien mit Kindern kennen das Problem: Wandern gehört nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen von Kindern. Eltern können die Touren aber so anlegen, dass diese auch Kindern Spaß machen und für die nächsten Male vielleicht auch die Motivation hochsetzen.

Streckenlänge – Wandertouren mit Kindern sollten spürbar kürzer sein als die reinen Erwachsenenvarianten.

Man kann das Alter des Kindes nehmen und das ist dann auch die maximale Streckenlänge für die ganze Wanderung in Kilometern. Und auch die maximale Summe an Höhenmetern in den Bergen.

Stefan Winter

Bei einem sechsjährigen Kind wären das also höchstens sechs Kilometer und maximal 600 Meter Höhenunterschied. Die Kinder sollten zudem entscheiden dürfen, wann sie Pausen machen möchten.

Abwechslung – Wasser wie Bäche oder Pfützen, Klettermöglichkeiten und keine schnurgerade Route: Das ist laut unseren Experten ein guter Mix für eine kindgerechte Wanderroute. Eltern wissen zudem: Wenn sie sich auf die Entdeckungen ihrer Kinder am Wegesrand einlassen, wird es für alle spannender und gleichzeitig gelassener.

Zudem sollte man noch ein paar Geschichten und Lieder auf Lager haben.

Stefan Winter

Gütesiegel – Eltern können in vielen Regionen auf familiengerechte Routen des Deutschen Wanderverbandes zurückgreifen. Die sind unter dem Label "Qualitätsweg – Wanderbares Deutschland" eingeordnet. Mehr als 200 Wanderwege mit einer Gesamtlänge von 15.000 Kilometern sind es bisher.

Da gibt es einen Kriterienkatalog 'Familienspaß' und es wird darauf geachtet, dass die Wege nicht zu lange gerade ausgehen oder dass es Erlebnispunkte unterwegs gibt oder dass der Bodenbelag möglichst naturnah ist. Also ein wurzeliger Pfad, ein bisschen abenteuerlich und vielleicht auch ein bisschen mystisch.

Erik Neumeyer

Das "Familienspaß"-Label hätten bisher erst wenige Wege. Es kämen aber immer neue dazu. Der Deutsche Wanderverband hat die Tipps für Familien noch einmal in einem Faltblatt zusammengefasst.

Wanderkarten einpacken

Unsere Experten raten Wanderern, sich nicht ausschließlich auf das Smartphone und dessen Navigationsfähigkeiten zu verlassen.

Wir empfehlen so genannte topografische Karten. Die bilden das Gelände perfekt ab, der Wanderweg ist besonders hervorgehoben. Einkehrmöglichkeiten, Gipfel und Sehenswürdigkeiten auf der Strecke angegeben.

Stefan Winter

Für eine Übersicht reichten Karten im Maßstab 1:50.000. Bei 1:25.000 könnten Wanderer genauer die Route sehen.

Gut ist auch, wenn das ganze Wanderwege-Netz abgebildet ist und nicht nur einzelne Routen als Auswahl. Das ist immer dann wichtig, wenn ich variieren will und wenn was unvorhergesehenes gefällt.

Erik Neumeyer

Die Karte sollte zudem nicht älter als drei bis fünf Jahre sein.

Apps als zusätzliche Orientierung

Komoot, Locus, PeakFinder, Maps 3D Pro, ADAC-Wanderführer, Bergfex-Touren – in den App-Stores für iPhones und Android-Smartphones gibt es zahlreiche gut gemachte Wander-Apps. Da viele Anbieter zunächst eine kostenlose Variante mit einer begrenzten Routenwahl bereitstellen (weitere Routen dann gegen Gebühr), können Nutzer mit etwas Ausprobieren die für sie passende Wander-App finden.

Die App sollte eine Offline-Funktion haben, falls ich im Wald kein Netz habe. Außerdem kann man bei den regionalen Tourismuszentren und Naturparks nach Apps nachfragen – die haben meistens ein regionales Angebot. Dort finden sie dann auch tolle Tourenvorschläge.

Erik Neumeyer

Stefan Winter empfiehlt die hauseigene App des Deutschen Alpenvereins:

In dem Portal gibt es auch viele Tourenvorschläge und man findet schon in der kostenlosen Version viele Infos, wo man was zu welcher Jahreszeit machen kann.

Stefan Winter

App-Nutzer sollten zudem darauf achten, ob die empfohlenen Routen auch als markierte, offizielle Routen vorhanden sind, rät Erik Neumeyer:

Dann können sie relativ sicher sein, dass diese markierte Route mit Eigentümern und den Naturschutzgeboten abgestimmt ist. Das ist nicht bei jedem digitalen Track, den ich irgendwo runterladen kann, automatisch so.

Erik Neumeyer

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 07. März 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2019, 02:10 Uhr