Augen auf beim Fischkauf

25.01.2019 | 02:10 Uhr

Ein Fisch liegt auf Eis. 1 min
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MDR JUMP Fr 25.01.2019 02:10Uhr 01:04 min

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Frischer Fisch direkt vom Fischer ist natürlich am besten. Im Alltag ist das leider kaum möglich. Deshalb gibt es Zander, Lachs und Co. in den Regalen der Supermärkte und Discounter, aber auch auf Wochenmärkten und natürlich in Restaurants. Wie so oft beim Thema Einkaufen gilt auch hier: Nicht immer ist drin, was drauf steht. Wir haben zusammengefasst, was es zu beachten gilt.

Fischstäbchen vs. Backfischstäbchen

Fischstäbchen im Ofen auf einem Ofenblech.
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Für diese beiden Produkte gelten unterschiedliche Anforderungen. Während in Fischstäbchen der eingewogene Fischanteil mindestens 65 Prozent betragen muss, sind es bei Backfischstäbchen lediglich 40 bzw. 50 Prozent. Bei gleichmäßiger Form des Fisches im Backteig gelten mindestens 50 Prozent Fischanteil, bei einer unregelmässigen Form, wie bei Fischnuggets, nur 40 Prozent. Ein aktueller Test von ARD Marktcheck hat das genauer unter die Lupe genommen und festgestellt, dass die vergleichsweise günstigen Aldi Nord „Eskimo Backfischstäbchen“ mit 60 Prozent einen höheren Fischanteil aufweisen als die teureren Marken-Backfischstäbchen von Iglo mit nur 49 Prozent. Trotz geringerer Anforderungen an den Fischanteil zeigte der Test auch, dass Backfischstäbchen teurer sind als handelsübliche Fischstäbchen. Zudem sind sie fett- und kalorienhaltiger.

Greife im Zweifelsfall also besser zu Fischstäbchen, denn hier ist der Fischanteil meist um einiges höher. Auch von der Aufschrift „100 Prozent Filet“ sollte man sich nicht täuschen lassen - die 100 Prozent beziehen sich auf den eingesetzten Fischanteil und nicht auf das ganze Produkt. Bei speziellen Sorten wie Vollkorn-, glutenfreien oder Omega-3-Fischstäbchen empfiehlt sich ein Blick auf die Nährwertangaben. Nicht immer ist der höhere Preis dafür gerechtfertigt. So zeigte der Test auch, dass sich die "Omega-3-Fischstäbchen" von Iglo in den Nährwerten kaum von den handelsüblichen Fischstäbchen unterscheiden.

"Frischer" Fisch

Verpackter Fisch in einem Supermarkt, Tokio, Japan.
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Frischer Fisch darf in Deutschland zur Haltbarmachung lediglich gekühlt, nie eingefroren werden. Zulässig ist die Bezeichnung auch, wenn der Fisch im Vakuum oder unter Schutzatmosphäre verpackt wurde. Supermärkte und Discounter bieten neben Tiefkühlware auch abgepackten, scheinbar frischen Fisch an. Doch der Eindruck kann täuschen. Oft handelt es sich schlicht um für den Verkauf aufgetaute Tiefkühlware. Im Vergleich zum Tiefkühlfisch ist der vermeintlich frische Fisch allerdings wesentlich teurer. Auf Verbraucher kann dies irreführend wirken. Aufgetauter Fisch muss vom Hersteller mit einem entsprechenden Hinweis versehen werden. Dieser wird oft relativ klein auf die Verpackung gedruckt. Qualitativ ist "frisch aufgetauter" Fisch vergleichbar mit Tiefkühlware, keinesfalls jedoch mit fangfrischem Fisch. Frage deshalb auch an Frische-Theken genau nach, ob es sich um frischen oder aufgetauten Fisch handelt.

Schummelei bei der Herkunft

Auch auf Wochenmärkten wird frischer Fisch angeboten, häufig mit dem Attribut "wild gefangen". Doch einige beliebte Arten wie Lachs und Dorade gibt es kaum noch aus Wildfang. Wie ein Test des NDR Magazins "markt" bei einer Stichprobe 2018 herausfand, bieten Händler deshalb zum Teil Zuchtfisch als Wildfisch an. Der Unterschied: Während die Tiere bei Wildfang ihrem natürlichen Lebensraum entnommen werden, ist Zuchtfisch aus Aquakulturen nichts anderes als Fisch aus Massentierhaltung. Durch die Mast mit Fischfutter ist die Qualität von Zuchtfisch wesentlich geringer als die von wild gefangenem Fisch. Beim Test fanden sich zudem in fünf von acht Proben Rückstände von Ethoxyqin, einem Konservierungsmittel das in Fischfutter enthalten ist. Das Mittel gilt als möglicherweise krebserregend und wurde deshalb ab 2019 EU weit verboten.

Verbraucher können Zuchtlachs an einer auffälligen orangen Färbung erkennen. Ein weiterer Indikator für Wildfang bei Lachs sind die im Fisch enthaltenen Omega-3-Fettsäuren. Ist der Lachs wild gefangen, sollte der Gehalt an Omega-3-Fettsäuren wesentlich höher sein. Dies läßt sich allerdings nur im Labor erkennen.

Anders sieht das bei der Dorade aus. Der typische Wildfang ist hier besonders fettarm. Bei fetthaltigen Doraden zeigt dies, dass sich die Fische nicht natürlich ernährt haben. Dickes, fettiges Fleisch ist daher eher ein Zeichen für Zuchtfisch. Zucht-Doraden kannst du auf dem Wochenmarkt weiterhin daran erkennen, dass sie keine Zähne haben. Der Grund: Sie fressen nur Fischfutter in Form von Pellets. Wild lebende Tiere brauchen die Zähne, um Muscheln oder Schnecken aufzuknacken.

Am Ende lassen sich auch hier die Händler den angeblichen Wildfang gut bezahlen. Ein Tipp: Fangmethode und Herkunft müssen auch bei Wochenmärkten auf den Schildern stehen. Frage auch hier kritisch nach.

Falscher Fisch auf dem Tisch

Augen auf auch in Gaststätten: Hier wird manchmal schlicht eine falsche Fischsorte serviert. Statt teurer Seezunge gibt es dann beispielsweise günstigen Pangasius. Als Filet serviert, sehen sich die beiden Fischarten zum Verwechseln ähnlich. Recherchen des ARD-Magazins "Vorsicht, Verbraucherfalle" 2017 zeigten, dass in acht von 14 getesteten Gaststätten auf diese Weise Gäste getäuscht werden. Für die Wirte lohnt sich das: Während grätenfreies Pangasiusfilet ohne Haut als Tiefkühlware bereits für 5 Euro/kg zu haben ist, kostet ausgelöstes Seezungen-Filet circa 70 Euro/kg - das 14fache! Wird Seezunge auffällig günstig im Restaurant angeboten, sollten Verbraucher aufmerksam werden. Ein Tipp: Bestelle einfach statt des Filets den ganzen Fisch. So kann der Unterschied zweifelsfrei festgestellt werden. Stellt sich heraus, dass der falsche Fisch serviert wurde, solltst du sofort reklamieren. Wer den Fisch aufisst und sich erst danach beschwert, verwirkt sein Recht auf Ersatz oder Preisminderung.

Fazit

Vermeintlich frischer Fisch aus dem Supermarkt oder Discounter ist oft aufgetauter Fisch. Achte daher auf das Kleingedruckte und wäge ab, ob der Aufpreis es dir wert ist. Kaufst du Fisch auf Wochenmärkten, fragst du nach der Herkunft, denn Zuchtfisch wird manchmal als teurer Wildfisch angeboten. Im Restaurant umgehst du Schummeleien, indem du am besten den ganzen Fisch bestellst.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 25. Januar 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Januar 2019, 02:10 Uhr