Wie sich Waschzusätze und Weichspüler auf deine Wäsche auswirken

29.08.2019 | 02:10 Uhr

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Umschau-Quicktipp Waschmittel

Waschmittel

MDR JUMP Do 29.08.2019 02:10Uhr 01:05 min

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Waschzusätze, auch Waschadditive genannt, werden in letzter Zeit verstärkt angeboten. Insgesamt kaufen die Deutschen 60.000 Tonnen davon pro Jahr. Sie kommen vor, während oder nach dem eigentlichen Waschvorgang zum Einsatz.

Roter Fleck wird 2005 mit Spray behandelt
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Vor dem Waschen werden hauptsächlich Einweichmittel und Präparate zur Behandlung von Flecken eingesetzt. Diese werden als Universalmittel oder als auf spezifische Flecken ausgerichtete Mittel in Form von Pulvern, Pasten, Gel, Flüssigkeit oder Spray angeboten. Je nach Fleckart variieren die Inhaltsstoffe der Fleckentferner. Hauptbestandteile sind aber meist Seifen, Enzyme, Tenside, Alkohole und Bleichmittel. Das wohl bekannteste Mitteln zur Vorbehandlung der Wäsche ist Gallseife, eine klassischerweise mit Ochsengalle versetzte Kernseife. Inzwischen gibt es aber auch vegane Alternativen zur Gallseife auf Pflanzenölbasis. In der Regel werden diese Mittel auf den Fleck direkt aufgebracht, man lässt sie einwirken und es reicht dann die Waschmitteldosierung für normal verschmutzte Wäsche.

Ein Sonderfall sind die sogenannten Waschkugeln oder Waschbälle. Sie sollen anstatt eines Waschmittels in die Trommel gegeben werden und ohne jegliche Chemie die Wäsche waschen. Die Kugeln bestehen aus Plastik und haben viele kleine Öffnungen. In den Waschbällen befinden sich kleine Kügelchen aus natürlichen Mineralien, die beim Kontakt mit Wasser negativ geladene Ionen abgeben, die dann wiederum den Schmutz aus der Wäsche lösen sollen. Ein weiterer Reinigungseffekt tritt durch die Reibung des Balls an den Textilien ein, da dabei ebenfalls Schmutz aus den Fasern gelöst wird. Waschbälle sind für bis zu 1.000 Waschgänge ausgelegt und kosten ab 20 Euro, Importe gibt es schon ab 5 Euro. Die Waschkraft der Waschbälle wird kontrovers diskutiert und verschiedene Tests haben gezeigt, dass die Kugeln maximal einen geringen Reinigungseffekt haben.

Eine Hand füllt Waschmittel in eine Waschmaschine
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Während des Waschvorgangs können Fleckentferner, Waschkraftverstärker, Wasserenthärter, Anti-Pilling-Mittel und sogenannte Verfärbungsinhibitoren in Form von Pulver, Flüssigkeit, als Tabs oder Tücher zugegeben werden. Sie enthalten unter anderem Bleichmittel, Tenside, Enzyme und sogenannte Gerüststoffe, z.B. Soda.

Fleckensalze und Waschkraftverstärker werden, meist in Pulverform, mit dem Waschmittel in die Maschine gegeben. Das Waschmittel wird dabei wie gewohnt dosiert, denn Fleckensalz und Waschkraftverstärker sollen ja seine Wirksamkeit erhöhen und helfen, besonders stark verschmutzte Wäsche sauber zu waschen.

Wasserenthärter dienen zum Schutz vor Ablagerungen auf Wäsche und Waschmaschine, denn sie binden Magnesium und Calcium aus dem Leitungswasser. Werden sie eingesetzt, kann das Waschmittel für weiches Wasser dosiert werden. Wasserenthärter enthalten meist Citrate und/oder Zitronensäure und Polycarboxylate (die verhindern Ablagerungen auf Wäsche und Heizstab) als Wirkstoff. Die gängigste Form auf dem Markt sind Tabs, die in die Waschtrommel gegeben werden. Allerdings enthalten die meisten Waschmittel bereits Wasserenthärter. Wer sich also vor dem Einsatz eines zusätzlichen Wasserenthärters über die genauen Inhaltsstoffe seines Waschmittels informiert, spart Geld und schont die Umwelt.

Anti-Pilling-Mittel sollen den Pilling-Effekt, also die Knötchenbildung auf Textilien verhindern. Die Knötchen entstehen durch kleine Fasern, die sich beim Tragen und Waschen aus dem Gewebe lösen und an der Oberfläche verfilzen. Die Mittel sind allerdings nur für Leinen, Baumwolle und viskosehaltige Textilien geeignet und nicht für Wolle, die ja am häufigsten Knötchen zeigt. Die Mittel in Pulverform werden mit der Wäsche und ohne weiteres Waschmittel in die Trommel gegeben. Ihre Tauglichkeit ist umstritten. Zu haben sind Anti-Pilling-Beutel ab knapp 2 Euro.

Relativ neu auf dem Markt sind sogenannte Verfärbungsinhibitoren. Sie werden als Farbfangtücher angeboten und können je nach Hersteller einmal oder auch mehrfach verwendet werden. Man gibt die Tücher mit der Wäsche in die Trommel. Dort verhindern sie das Abfärben von Textilien untereinander, indem sie lose Farbpigmente binden. Je nach auf der Packung angegebener Lebensdauer, werden die Tücher nach einmaliger oder bis zu 30facher Nutzung entsorgt. Welche Inhaltsstoffe in den Tüchern gebunden sind, lässt sich den Verpackungen leider nicht entnehmen.

Auch relativ neu sind Schwarz-Tücher. Sie sollen verblassten schwarzen Textilien wieder einen intensiven Schwarz-Effekt geben. In den Tüchern ist schwarze Textilfarbe gebunden, die während des Waschvorganges an die Wäsche abgegeben wird. Das Tuch entsorgt man danach im Müll. Schon ab 45 Cent pro Waschladung gibt es die Tücher im Handel.

Waschzusätze, die in die "Weichspüler-Kammer" gegeben werden und nach dem Waschvorgang zur Wirkung kommen, sind Wäscheweiß, Stärke, Duft, Desinfektions- und Imprägniermittel und Weichspüler.

Wäscheweiß kaschiert Grauschleier oder Vergilben von weißer Wäsche und Gardinen, indem mit Hilfe von Inhaltsstoffen wie optischem Aufheller, Stärke und Pigmenten das auf die Textilien fallende Licht bläulich erscheint und somit der Eindruck strahlenden Weißes entsteht. Insbesondere Wäscheweiß-Tücher haben in Tests gute Ergebnisse gezeigt.

Wäschestärke, die hauptsächlich aus Wasser, Konservierungsmitteln, Mais-, Reis- oder Kartoffelstärke besteht, verfestigt die Fasern der Textilien. Sie ist für zu bügelnde Haushaltswäsche und Hemden geeignet.

Großer Beliebtheit erfreuen sich Waschparfüms, die hauptsächlich aus Parfümölen bestehen. Wer parfümfreies Waschmittel nutzt, kann mit einem Duftstoff der eigenen Wahl den Geruch der Wäsche bestimmen. Neu sind Waschperlen, die die Wäsche nach Herstellerangaben besonders langanhaltend zum Duften bringen. Sie werden direkt zur Wäsche in die Trommel gegeben und kosten zirka 5,50 Euro pro Packung. Waschperlen können chemische Stoffe enthalten, die nicht auf der Packung ausgewiesen werden müssen und Allergien erzeugen können. Verbraucherschützer raten von der Verwendung der Perlen auch aus umweltpolitischen Gründen ab.

Desinfektionsmittel, sogenannte Hygienespüler, werden gegen Bakterien auf Stoffen eingesetzt und enthalten umweltbelastende Chemikalien. Generell wird von ihrem Einsatz abgeraten, es sei denn, Textilien sind infektiös verunreinigt

Imprägniermittel können statt auf die Kleidung gesprüht zu werden auch nach der eigentlichen Wäsche eingewaschen werden. Sie sorgen dafür, dass Wasser von der textilen Oberfläche abperlt, sind speziell für Outdoor-Kleidung konzipiert und enthalten Tenside und Silikone. Der am häufigsten nach dem eigentlichen Waschvorgang eingesetzte Waschzusatz ist aber nach wie vor der Weichspüler.

Weichspüler

Hände dosieren Weichspüler in einer Dosierkappe
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Textilien verlieren durch häufiges Waschen an Farbe und die Fasern versteifen. Weichspüler können dem entgegen wirken. Dazu kommen ihr Duft und die im Ergebnis kuschelig weiche Wäsche, die wohl viele zum Einsatz von Weichspülern bewegen. Laut Umweltbundesamt verwenden die Deutschen im Jahr 2017 251.000 Tonnen Weichspüler pro Jahr. Weichgespülte Wäsche lässt sich leichter bügeln und ihre geglättete Oberfläche schützt die Fasern, wodurch sich die Lebensdauer der Textilien verlängert.

Inhaltsstoffe von Weichspülern
Genau wie andere Pflegeprodukte für die Wäsche enthalten die meisten Weichspüler neben anderen chemischen Substanzen wie Emulgatoren, Lösungsmittel und Parfümöle auch Inhaltsstoffe, die aus tierischem Abfall gewonnen werden, denn der ist billig im Einkauf. Wird auf den Flaschen "Dihydrogenated Tallowoylethyl Hydroxyethylmonium Methosulfate" ausgewiesen, verbirgt sich dahinter Rindertalg, der dazu beiträgt, die Oberflächen der Fasern zu glätten und sie so weich zu machen. Außerdem wirkt "Dihydrogenated Tallowoylethyl Hydroxyethylmonium Methosulfate" antistatisch. Auch andere tierische Bestandteile können in Weichspülern enthalten sein. Für Verbraucher ist es schwierig herauszufinden, was genau in der Flasche ist, denn dazu müsste er jeden einzelnen ausgewiesenen Inhaltsstoff nachschlagen. Das macht kaum jemand, und darauf spekulieren die Hersteller. Wer sicher gehen will, dass keine tierischen Inhaltsstoffe im Weichspüler sind, achtet auf die Kennzeichnung des Produktes als "vegan" bzw. auf ein entsprechendes Siegel auf der Flasche.

Wie Flüssigwaschmittel enthalten auch Weichspüler Tenside (von lateinisch tensus=gespannt). Diese Chemikalien beeinflussen die Oberflächenspannung von Flüssigkeiten und sorgen so für die leichtere Verbindung verschiedener Wirkstoffe. Entsprechend einer EU-Verordnung müssen Tenside seit 2006 biologisch abbaubar sein. Nichtsdestotrotz sind sie Chemikalien, die eine zusätzliche Umweltbelastung darstellen. Die in Weichspülern enthaltenen Parfümöle, die den Duft erzeugen, sowie weitere organische Inhaltsstoffe fallen allerdings nicht unter die EU-Regelung. Sie werden in Kläranlagen nicht herausgefiltert. Über das Grundwasser, in dem sie nicht abgebaut werden, gelangen sie in den Boden. Außerdem stehen diese Stoffe im Verdacht, krebserregend zu sein.

Eine junge Frau hat sich den Kragen ihres Rollkragenpullovers bis über die Nase gezogen
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Vorsicht bei diesen Stoffen
Bei bestimmten Textilien sollte man generell auf die Anwendung von Weichspüler verzichten. Dazu zählt Sportkleidung, denn die muss Schweiß aufsaugen können. Das verhindert der Weichspüler, da er die Oberfläche glättet. Künstliche Fasern, wie z.B. Nylon, die nicht imprägniert werden dürfen, vertragen auch keinen Weichspüler. Wolle verliert durch Weichspüler ihre Elastizität, Seide ihren Glanz. Stretchige Gewebe büßen ihre Formstabilität ein. Daunen sollten ebenfalls nicht mit Weichspüler behandelt werden.

Weichspüler und Bakterien
Da die Fasern der Textilien durch Weichspüler geglättet werden, bedeutet das auch, dass sie eng aneinander liegen. Sie bieten so einen guten Nährboden für Bakterien, die Wäsche verliert ihren tollen Duft und fängt an, unschön zu riechen. Wer regelmäßig Weichspüler verwendet, sollte das Waschmittel höher dosieren, denn der Schutzfilm, den der Weichspüler um die Fasern legt, verhindert auch das Eindringen von Wasser und Waschmittel. Rückstände von Weichspüler in der Waschmaschine beschleunigen ebenfalls die Ansiedlung von Bakterien. Dichtungsgummi und Flusensieb müssen deshalb öfter gereinigt werden.

Achtung bei der Anwendung für Allergiker und Babys
Vorsicht beim Einsatz von Weichspülern ist auch geboten, wenn Allergiker die Wäsche tragen, denn die Haut kann bei ihnen mit Juckreiz, Rötungen und weiteren allergischen Reaktionen auf die Inhaltsstoffe, insbesondere auf Duftstoffe, reagieren. Das gilt auch für Babys. Zusätzlich nimmt der Weichspüler Textilien ihre Saugfähigkeit. Die ist aber gerade bei Babywäsche wichtig. Deshalb sollte, wer Weichspüler unbedingt verwenden will, auf duftstofffreie Produkte mit neutralem pH-Wert setzen.

Fazit

Aktuell auf dem Markt befindliche Vollwaschmittel sind absolut ausreichend. Weichspüler und Waschzusätze sind für ein gutes Waschergebnis nicht nötig und außerdem umweltschädlich. Zudem enthalten vor allem flüssige Waschmittel oft schon Anteile von Weichspülern, und wer einen Wäschetrockner nutzt, macht damit die Wäsche weich und fluffig. Bei hartnäckigen Flecken hilft ein Fleckensalz.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 29. August 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. August 2019, 02:10 Uhr