Was tun, wenn das Smartphone ins Wasser gefallen ist

Über 100 Millionen aktive Handys gibt es bei uns. Und gerade jetzt sind sie besonders in Gefahr. Schwimmbad, Baggersee oder gar das Meer - überall kann so ein Handy reinfallen. Was du dann auf jeden und auf keinen Fall tun solltest, klären wir jetzt.

Smartphone im Wasser 1 min
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MDR JUMP Fr 31.07.2020 10:45Uhr 01:05 min

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Was du als erstes tun solltest

Egal ob Kamera, Sensoren, Lade- und Anschlussbuchsen- Fast alle Bauteile eines Handys sind wasserempfindlich. Besonders die Platinen und Akkus im Inneren leiden, wenn sie nass sind. Je länger, desto schlimmer. Deshalb lautet die erste Bürgerpflicht: Handy so schnell wie möglich raus aus dem Wasser.

Eine Frau bedient ein Smartphone.
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"Dann sollten Sie es auf jeden Fall ausmachen, um Kurzschlüsse zu vermeiden. Grob von außen trocknen können Sie das Gerät auch noch, dann wird’s schon schwierig. Die meisten aktuellen Geräte bekommen Sie nämlich gar nicht so ohne weiteres auf ", sagt Tobias Kronawitter vom Reparaturportal kaputt.de.

Deshalb rät der Experte auch, wenn es denn geht, so schnell wie möglich zu einem Reparaturdienst zu gehen und das Gerät dort professionell trocken legen zu lassen. Vorher kannst du aber noch Speicher- und Sim-Karten entfernen und an der Luft trocknen, so behältst du wenigstens noch deinen Daten.

Was du auf keinen Fall tun solltest

Einschalten um zu prüfen, ob es noch geht, ist keine gute Idee. Zumindest dann nicht, wenn das Handy wirklich komplett im Wasser war und du davon ausgehen musst, dass es im Inneren so richtig nass ist - es droht der erwähnte Kurzschluss. Das Gerät einfach irgendwie aufzuhebeln ist ebenfalls ein großer Fehler. Erstens könntest du es noch mehr kaputt machen und zweitens gehen dir bei den allermeisten Geräten die Garantieansprüche verloren. Mal abgesehen davon, dass die meisten Geräte sich nicht so ohne weiteres Werkzeug und Wissen öffnen lassen. Auf speziellen Reparaturseiten bekommst du zwar Hilfe und Anleitung, wie du dein Handy auch selbst auseinander bauen kannst. Da solltest du aber tatsächlich nur probieren, wenn du technisch sehr fit bist und dir eine verfallene Garantie nichts ausmacht. Das Gerät trocken zu föhnen oder auf die Heizung zu legen, sind schlechte Ideen, es drohen Hitzeschäden im Inneren.

Was Reis und andere Hilfsstoffe können - und was nicht

Viele Ratgeberseiten empfehlen, das Gerät für bis zu 48 Stunden in eine  Beutel mit Reis oder einen Smartphone-Rescue-Kid zu legen. Unser Experte hält davon nix: "Dass der Reis die Flüssigkeit aufsaugt, klingt erstmal plausibel. Die Feuchtigkeit ist aber gar nicht das Hauptproblem. Viel schlimmer sind die im Wasser gelösten Mineralstoffe. Die bleiben auf Platinen und anderen Bauteilen haften und das macht den Geräten zu schaffen."

Wann du zum Profi gehen solltest

Deshalb solltest du auf jeden Fall in eine Werkstatt gehen, um das Gerät dort professionell trocknen zu lassen. Achtung: Bei Salzwasser ist noch größere Eile geboten, das ist zu allen Bauteilen noch aggressiver. "Die Profis gehen da auch nicht einfach, wie oft empfohlen, mit destilliertem Wasser sondern mit Reinigungsalkohol ran", so Reparaturspezialist Tobias Kronawitter.

Wie du einen guten Reparaturservice findest

Wenn gar nichts mehr geht, kann noch der Support des Herstellers helfen, entweder direkt oder im Garantiefall auch kostenlos über einen universellen Service. Wichtig: Seriöse Anbieter schicken dir einen verbindlichen Kostenvoranschlag mit Festpreis für die Reparatur. Auch der Vor-Ort-Service in Elektronikmärkten kann helfen. Wenn du Glück hast, kannst du dort das Gerät gleich wieder mitnehmen. Beachte immer: Eine Trocknung oder/und Reparatur kann von 50 Euro aufwärts kosten. Vergleiche das mit dem Neupreis deines Handys, dann klärt sich, ob sich die Reparatur überhaupt lohnt.

Aktuelle Bewertungen zu Reparaturdiensten findest du auch bei der Stiftung Warentest oder auf Reparaturportalen.

Warum eine hohe IP-Zahl nicht immer Sicherheit verspricht

Die IP Zahl (nicht verwechseln mit der IP Adresse) sagt mit zwei Ziffern aus, wie staub- und wassergeschützt dein Gerät ist. Je höher, desto besser.

Aktuell haben die meisten Geräte eine 68, sind also optimal vor Staub und selbst einem Vollbad geschützt. Aber: "Auf die IP-Zertifizierung können Sie sich gerade bei einem älteren Gerät nicht einfach so verlassen. Es reichen schon Kratzer oder ein kleiner Sprung im Display, den Sie gar nicht mitbekommen und Ihr Gerät ist eben nicht mehr völlig staub- oder wasserdicht", warnt unser Experte.  

Wie du vorbeugen kannst

Für optimalen Schutz am Strand kannst du dein Handy in eine wasserdichte Handyhülle stecken. Damit gehen sogar problemlos Unterwasseraufnahmen. Besonders schön sind die Teile nicht, aber preiswert und praktisch.

Ordner mit der Aufschrift "Versicherungen"
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Ob eine Versicherung für dein Handy Sinn macht, hängt vom Alter und dem Zustand ab. Für rund 5 Euro pro Monat gibt es schon einen relativ guten Schutz. Du kannst dir das ganz leicht auf Vergleichsseiten für deinen speziellen Fall ausrechnen lassen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 31. Juli 2020 | 10:45 Uhr

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