Was taugen Wassersprudler?

22.03.2019 | 02:10 Uhr

Ein Mitarbeiter zeigt, wie der Wassersprudler funktioniert. 1 min
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Umschau-Quicktipp Wassersprudler

Wassersprudler

MDR JUMP Fr 22.03.2019 02:10Uhr 01:01 min

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Eine Flasche mit Leitungswasser füllen, in ein Gerät einklinken und mit einem Knopf oder Hebel Kohlensäure ins Trinkwasser pumpen: So einfach funktionieren Wassersprudler. Sie ersparen einem das lästige Schleppen von Wasserkästen und besser für die Umwelt sind die Sprudler auch. Wer sie nutzt, muss sich aus Sicht unserer Experten auch keine Sorgen um Schadstoffe im aufgesprudelten Wasser machen.

Unterschiede bei Standfestigkeit und Bedienung

Trinkwasser-Sprudler gibt es schon seit den 70er Jahren, in Deutschland setzten sich die Geräte ab den 90-iger Jahren durch: Entsprechend ausgereift erscheint die Technik. Das zeigt auch ein aktueller Test der Zeitschrift Ökotest, die acht Sprudler für 40 bis 266 Euro geprüft hat. Danach lässt sich mit allen Geräten Leitungswasser gut mit Kohlensäure versetzen. Die teuren Sprudler wirken laut Ökotest meist etwas wertiger und standfester und bieten einen Hebel, mit dem sich die Kohlensäuremenge dosieren lässt. Bei günstigeren Geräten wird das mit einem Knopf gemacht. Das Dosieren klappt aber laut dem Test auch mit dem Knopf gut.

Alle sind sicher

Die Kohlensäure zum Sprudeln liefern genormte CO2-Zylinder. Die passen in alle Sprudler. Wer sehr günstig kauft, muss den Zylinder für die Kohlensäure für rund 30 Euro noch selbst kaufen. Der ist bei den teureren Geräten für die erste Nutzung schon im Lieferumfang dabei. Ökotest hat geprüft, ob die wiederverwendbaren Wasserflaschen aus Plastik oder Glas bei sehr hohem Druck bersten können. Doch selbst bei 16 bar und damit bei einem Druck deutlich über Alltagsbedingungen verformten sich die Flaschen nicht. Dieses Testergebnis gilt allerdings nur für unbeschädigte Wasserflaschen, schreibt Ökotest.

Besser für die Umwelt

Wassersprudler werden gern als umweltfreundliche Alternative zu Mineralwasser aus dem Supermarkt beworben. Für letzteres müssen Flaschen hergestellt, mit Mineralwasser gefüllt und dann über mehrere Stationen zum Kunden nach Hause transportiert werden. Ökotest hat untersucht, welche Folgen für die Umwelt Sprudeln mit Leitungswasser im Vergleich zum Mineralwasserkauf im Geschäft hat. Danach belasten die Sprudelgeräte die Umwelt achtmal weniger als deutsches Mineralwasser. Vorausgesetzt, die Geräte werden über fünf Jahre für täglich zwei Liter Wasser genutzt. Auch die Kosten für Nutzer hat Ökotest verglichen: Selbst mit dem teuersten Sprudler im Test (Anschaffungspreis 266 Euro) kommt eine Familie im ersten Jahr auf rund 400 Euro Kosten. In der Summe sind unter anderem die Preise für den Tausch leerer CO2-Zylinder enthalten. Mit Wasser aus dem Getränkemarkt für 60 Cent pro Flasche wären pro Jahr rund 470 Euro fällig.

"Trinkwasserqualität in Deutschland ist sehr gut"

Wasserglas
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Für die Sprudelgeräte kann bedenkenlos Leitungswasser verwendet werden, sagt Thomas Rapp. Er ist Trinkwasserexperte beim Umweltbundesamt. Eine Ausnahme gebe es aber: In manchen Häusern etwa in großen Städten sind noch Bleirohre verbaut, aus denen Schadstoffe ins Wasser gelangen könnten.

Wir raten, den Vermieter zu fragen, ob noch Bleirohre im Haus verwendet werden. Wenn man da nicht weiterkommt, kann man beim örtlichen Gesundheitsamt nachfragen. Das ist für die Kontrolle der Trinkwasserqualität zuständig.

Thomas Rapp, Trinkwasserexperte beim Umweltbundesamt

Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, kann einen Trinkwassertest machen. Analyse-Sets gibt es online ab 20 Euro.

Wir haben mit dem WDR-Fernsehen solche Tests mal überprüft. Einige davon waren gut gemacht mit schönen Anleitungen und Versandkartons. Die können vernünftige Ergebnisse bringen.

Dr. Ulrich Borchers vom IWW Zentrum Wasser aus Mühlheim an der Ruhr

Zudem bietet Ökotest die Wassertests in Zusammenarbeit mit einem Schadstofflabor an. Das berechnet für die Analyse rund 30 Euro.

Kurz laufen lassen

Auch IWW-Experte Borchers betont noch einmal, die Wasserqualität in Deutschland werde streng kontrolliert. Er rät Nutzern der Sprudelgeräte aber, vor dem Füllen der Flaschen das Wasser kurz laufen zu lassen.

Wenn das Wasser über Nacht gestanden hat, könnten da Metalle aus dem Installationsmaterial drin sein. Die Wasserqualität wird zum Beispiel in Schulen und Kliniken überwacht und da zeigt sich in Tests, dass in den ersten Schlucken Nickel aus den Armaturen drin war.

Ulrich Borchers

Wer diese Vorsichtsmaßnahme beachte, brauche auch keinen zusätzlichen Schadstoff-Filter für das Leitungswasser. Die gibt es online und in Baumärkten ab 20 Euro aufwärts. Auch UBA-Experte Rapp rät von den Filtern ab:

Wasserhahn mit laufendem Wasser
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Die Filter selbst können verkeimen, wenn die nicht regelmäßig gewartet werden, und können dann das Wasser selbst verunreinigen.

Thomas Rapp

Regelmäßig reinigen

Als Ende der 90-iger Jahre die Sprudelgeräte in Deutschland in Elektro-Großmärkte und Supermärkte einzogen, gab es regelmäßig auch Berichte über Schadstoffe im selbst hergestellten Wasser. Die sollen beispielsweise durch die Dichtungen in das Sprudelwasser gelangt sein. Ökotest hat das auch im aktuellen Test überprüft und in den Dichtungen nichts gefunden, was beanstandet werden könnte. Die Tester raten aber, die Wasserflaschen und auch Einfüllröhrchen und Einfüllbereich am Sprudler regelmäßig zu reinigen. So könnten Nutzer sicher gehen, dass sich keine gesundheitsgefährdenden Keime in den Geräten bilden. Flaschenbürste und mildes Spülmittel reichen für die Reinigung der Wasserflaschen. Spezielle Reinigungstabs sind nicht nötig. Leider sind nur bei zwei von acht getesteten Geräten die Wasserflaschen spülmaschinentauglich.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 22. März 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. März 2019, 02:10 Uhr