Blindflug-Gefahr: Wie bekommt man Feuchtigkeit aus dem Auto?

11.02.2019 | 11:00 Uhr

Kaum noch Sicht nach draußen: Von innen beschlagene Autoscheibe 1 min
Bildrechte: imago/STPP

MDR JUMP Mo 11.02.2019 10:45Uhr 01:12 min

https://www.jumpradio.de/thema/quicktipp/audio-964148.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Feuchtigkeit gelangt gleich auf mehreren Wegen in den Innenraum: Im Winter schleppt man oft Schnee mit der Jacke oder den Schuhe ins Auto. Das Schmelzwasser sammelt sich dann in den Polstern, den Fußmatten oder in den Fahrzeugteppichen. Die können bei den niedrigen Temperaturen nicht richtig trocknen. Auch verstopfte Wasserablauflöcher im Kofferraum oder in Radkästen oder Stau in den Abläufen der Türen können die Ursache für Wasser im Auto sein.

Schlechte Sicht auf die Straße

Feuchtigkeit im Auto kann richtig gefährlich werden. Johannes Boos vom ADAC sagte MDR JUMP:

Autofahrer versuchen dann, die Scheiben von innen mit der Hand zu säubern und dabei entstehen Schlieren. Die schränken die Sicht ein.

Zudem könne sich Schimmel im Innenraum bilden und im schlimmsten Fall kann das Auto von innen rosten. Das habe oft teure Reparaturen zur Folge.

Erste Hilfe: Lüftung und Klimaanlage

Am schnellsten klappt die Entfeuchtung mit einer funktionierenden Klimaanlage. Die entzieht der Luft im Innenraum Feuchtigkeit.

Das klappt allerdings nur, wenn die Außentemperatur nicht zu niedrig ist. Sechs Grad Plus ist da die Richtgröße.

Die Lüftung darf nicht auf Umluft eingestellt sein, sonst bleibt die Feuchtigkeit im Auto. Etwas langsamer schafft das Einschalten des Luftgebläses Abhilfe. Dabei solltest du die Lüftung direkt auf die Frontscheibe stellen.

Nasse Fußmatten sollten raus aus dem Auto und trocknen, beispielsweise im warmen Keller. Wem das zu umständlich ist, der kann im Winter auch auf Gummimatten wechseln. Außerdem sollte man das Fahrzeug gut durchlüften, so man das von zu Hause vom Querlüften kennt und danach die Heizung stark aufdrehen.

Zwangsentlüftungen im Kofferraum, die meist hinter der Seitenverkleidung liegen, können durch Gepäck blockiert werden. Das verhindert eine gute Durchlüftung, sie sollten freigeräumt werden. Ein weiteres Mittel gegen Feuchtigkeit im Auto ist ein Entfeuchter. Die kosten um die 10 Euro im Handel und zeigen an, wenn sie gesättigt sind. Aber auch zusammengeknüllte Zeitung, Katzenstreu oder grobes Salz in einem Stoffbeutel oder einer alten Socke können helfen.

Feuchtigkeit wegwischen

Hilfreich sind auch trockene und vor allem saubere Scheibenschwämme und Tücher. Die entfernen den größten Teil der niedergeschlagenen Feuchtigkeit. Wichtig dabei: Halte die Autoscheiben immer möglichst sauber und putze die auch mal mit einem speziellen Scheibenreiniger. Sie lassen sich so besser und ohne Schlieren zu hinterlassen trockenwischen. Antibeschlag-Sprays können zwar in einem gewissen Maß das Beschlagen der Scheiben vermindern. Sie hinterlassen aber oft einen schmierigen Film, der gerade bei Dunkelheit und Gegenlicht oder direkter Sonneneinstrahlung die Sicht behindern kann.   

Nicht immer wird das Auto in der Garage trocken

Gerade wenn Karosse und Dichtungen im Schnee und Regen richtig nass geworden sind, trocknen sie besonders schlecht in kleinen, kaum durchlüfteten Garagen.

Eine trockene, warme Garage kann Feuchtigkeit im Auto vorbeugen. Die muss aber eben gut durchlüftet sein. Sonst hat man schnell feuchte Stellen und Pfützen auf dem Garagenboden. Da hilft aber oft auch eine eingebaute Garagenlüftung.

Ein Carport ist oft eine bessere Alternative zu einer feuchten Garage ohne Durchlüftung.

Wenn die Feuchtigkeit bleibt

Es ist tatsächlich zu einem gewissen Teil bauartbedingt, wie stark ein Auto unter Innenraumfeuchtigkeit "leidet". Besonders ältere Modelle mit ungünstig gelegenen Zwangsentlüftungen können betroffen sein. Lüftung und Klimaanlage brauchen dann einfach länger zum Entfeuchten, sollten es aber in jedem Fall schaffen. Ist das Auto trotzdem immer wieder feucht, muss die Ursache gefunden und beseitigt werden.

Laub entfernen

Häufige Ursache für Feuchtigkeit im Auto ist Laub: Besonders wichtig ist es daher, herabgefallenes Laub nicht einfach nur oberflächlich vom Blech zu fegen. Auch die Senke zwischen Motorhaube und Frontscheibe, wo meist die Scheibenwischer montiert sind, muss gründlich gereinigt werden. Häufig sorgt das Laub für Verstopfungen der Regenabläufe. Das Wasser kann nicht entsprechend ablaufen und landet gegebenenfalls in den Fahrzeuglüftungen. Außerdem gelangt so feuchte Luft durchs die Lüftungskanäle ins Auto.

Abflusslöcher freistochern

Wasserablauflöcher, die sich etwa im Kofferraum oder in den Radkästen befinden, können verstopft sein. Auch die Türen haben Abläufe, die frei sein müssen, damit sich im Auto die Feuchtigkeit nicht staut und in den Innenraum gelangen kann. Bei Feuchtigkeit sollten Autobesitzer daher immer auch versuchen, die Abflüsse vorsichtig freizustochern. Nutze dafür allerdings keine scharfkantigen Werkzeuge. Die könnten empfindlichere Teile beschädigen.

Klimaanlage checken

Klimaanlage im Auto
Bildrechte: imago/Panthermedia

Nicht selten sind auch das Gebläse oder die Klimaanlage sowie möglicherweise auch der Innenraumfilter beeinträchtigt und damit für die zunehmende Feuchtigkeit im Auto verantwortlich. Eine gründliche Reinigung der Lüftung sowie der Austausch des Innenraumfilters sorgen in der Regel für ein besseres Klima im Auto. Außerdem kann nur eine gut gewartete und somit einwandfrei funktionierende Klimaanlage richtig entfeuchten. Bei den Durchsichten in der Werkstatt sollte auf die entsprechenden Wartungsintervalle geachtet werden.

Dichtungen überprüfen und pflegen

Hat das Auto schon ein paar Jahre auf dem Buckel, sollten die Gummidichtungen an Türen, Kofferraumklappe oder Schiebedach kontrolliert werden. Sind sie porös oder gerissen, kann Wasser eindringen. Diese Stellen pflegst du am besten regelmäßig mit speziellen Gummipflegemitteln. Außerdem sollte man bei Autowäschen mit einem Hochdruckreiniger nicht zu nah ans Auto rangehen, weil dies die Gummidichtungen an Fenstern und Türen schädigen kann.

Hilfe vom Profi

Haben die genannten Arbeiten keinen Erfolg, bleibt nur die Fahrt in die Werkstatt. Die Bordelektronik kann Schaden nehmen und teure Reparaturen sind die Folge. Fachleute kennen meist die Problematik und prüfen bekannte Schwachstellen, wie beschädigten Heizkühler, ungenügender Druck und Füllstand der Klimaanlage, einen gebrochenen Schlauch der Heckscheibenreinigungsanlage und auch verstopfte Abflusslöcher im Fahrzeugboden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 11. Februar 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Februar 2019, 16:45 Uhr

Noch mehr Umschau-Quicktipps