Flohmarkt, Ankaufs-Apps oder Kleiderspende: Wohin mit aussortierten Klamotten?

09.03.2019 | 02:10 Uhr

Secondhand Textil Shop am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg 1 min
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MDR JUMP Sa 09.03.2019 02:10Uhr 01:18 min

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Wenn der Kleiderschrank aus allen Nähten platzt, die Kleider der vorvorletzten Saison nicht mehr gefallen und die schon zu klein gekauften Hosen vermutlich wirklich nie passen werden, dann ist es Zeit, auszumisten. Das befreit, schafft Platz für Neues und bringt sogar ein bisschen Geld in die Haushaltskasse – je nachdem, was man mit den aussortierten Klamotten anstellt, denn Wegschmeißen ist selbst bei alten Kleidern noch viel zu schade.

Second-Hand-Läden: Kleidung verkaufen auf Kommission

Der Klassiker für alte, noch gut tragbare Kleider ist der Second-Hand-Laden. Gerade in Großstädten gibt es in den letzten Jahren immer mehr davon, denn Kleidung aus zweiter Hand zu tragen, ist nicht nur günstig, sondern gilt auch als hip und ökologisch wertvoll. Selbst schräge Stücke aus grauen oder besser grellbunten Vorzeiten finden meist noch einen glücklichen, neuen Besitzer. Wer hier verkaufen möchte, sollte wissen: Die meisten Läden nehmen die Kleidung auf Kommission an. Geld gibt es also erst, wenn die Ware wirklich verkauft wurde. Den unverkauften Rest bekommt man nach einer gewissen Zeit wieder zurück. Den Preis für die Kleidungsstücke legt der Ladenbesitzer in der Regel selbst fest und zieht vom Verkaufspreis einen Teil für sich selbst ab.

Feilschen auf dem Flohmarkt: Eigener Marktstand oder Online-Plattform?

Ein Flohmarkt am Tag der Deutschen Einheit lockt hunderte Menschen an die Karl Liebknecht Straße (KarLi) in Leipzig.
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Das Ambiente eines Flohmarkts ist für viele das Reizvolle: Man kommt mit seinen Kunden ins Gespräch und hat im besten Fall einen schönen Tag im Freien. Wenn es jedoch regnet oder windig ist, können die Stunden hinter dem Flohmarktstand ziemlich unangenehm werden. Es empfiehlt sich also, einen überdachten Stellplatz zu wählen oder gerade in den kalten Monaten einen Flohmarkt auszusuchen, der drinnen stattfindet. Tische oder Kleiderstangen müssen meist selbst mitgebracht werden. In den seltensten Fällen verkauft man beim Flohmarkt alle Produkte, außerdem können die Kunden wirklich hartnäckig sein, wenn es darum geht, die Preise zu drücken. Und: Bei all den vielen Ständen auf einem Markt muss man es schaffen, die Kunden für seine Sachen zu begeistern. Präsentationsgeschick und Redegewandtheit sind auf jeden Fall von Vorteil.

Es gibt auch im Internet Plattformen, die wie Flohmärkte funktionieren: ebay Kleinanzeigen, Shpock, Kleiderkreisel oder Mädchenflohmarkt sind die bekanntesten Anbieter. Hier stellt der Anbieter seine Kleider mit Fotos, einer kurzen Beschreibung und der Preisvorstellung ein. Der Vorteil: Online-Flohmärkte sind unabhängig vom Wetter und man kann jederzeit die Produkte einstellen. Allerdings ist der Aufwand nicht unerheblich: Die Fotos sollten gut aussehen und aussagekräftig sein, der Beschreibungstext präzise und ausführlich, denn je besser die Präsentation, umso schneller wird ein potentieller Käufer überzeugt. Die Preisverhandlungen können ähnlich zäh sein wie auf dem "echten" Flohmarkt, oft springen die Interessenten auch urplötzlich ohne weitere Nachricht ab. Je nachdem, woher der Käufer kommt, muss das Kleidungsstück eventuell noch verpackt und versendet werden.

Ankaufportale im Internet: Wenig Aufwand, wenig Geld

Wer sich all den Aufwand mit den Fotos, Beschreibungen und Verhandlungen sparen will, kann seine Klamotten auch unkompliziert an Ankaufportale im Internet geben und dafür etwas Geld bekommen. Anbieter sind unter anderem Texcycle, Momox Fashion, Remix und Buddy & Selly. Je nach Geschäftsmodell schickt man die Altkleider kostenfrei an das Unternehmen und bekommt nach dessen Bewertung Geld dafür ausgezahlt oder man erfährt schon beim Auswählen von Kleidungskategorie und Marke, wie viel Geld es für den Artikel gibt. Teilweise haben sich die Unternehmen auf Designerkleidung spezialisiert, andere lehnen den Ankauf von bestimmten, günstigen Marken generell ab. Bei einigen kann man nur dann Altkleider einsenden, wenn die Menge ein gewisses Gewicht überschreitet. Was mit den Sachen dann passiert, wird von vielen Anbietern nicht veröffentlicht. Momox dagegen hat ein eigenes Second-Hand-Portal namens Ubup, wo die angekauften Altkleider wieder verkauft werden. Somit kann man auch nachverfolgen, wie viel Verkaufsspanne die eigenen Altkleider für das Unternehmen noch erwirtschaften: Will man beispielsweise einen Damenmantel der Marke Tommy Hilfiger an Momox verkaufen, bietet einem das Portal einen Ankaufswert von rund 27 Euro an. Bei Ubup wiederum werden Mäntel des Herstellers für 60 bis 100 Euro gehandelt.

Rückgabe bei Handelsunternehmen: Altkleider gegen Gutschein

Einige Handelsketten nehmen ebenfalls alte Kleidung zurück, allerdings gibt es bei ihnen kein bares Geld, sondern Gutscheine für den Einkauf – Altkleidersammeln als Kundenbindung also. Bei H&M beispielsweise gibt es für jeden mit Altkleidern gefüllten Beutel, den man in die Filiale bringt, einen Rabattgutschein in Höhe von 15 Prozent beim Kauf von einem Artikel. Ähnlich läuft es bei der H&M-Tochter Monki. Hier gibt es pro gespendeter Tüte einen Gutschein über 10% für einen Einkauf innerhalb der nächsten sechs Monate. Eigenen Angaben zufolge hat H&M weltweit im Jahr 2017 auf diese Weise 17.771 Tonnen Altkleider gesammelt. Auch C&A sammelt alte Kleider. Bei der Kaufhauskette muss man ein Paket mit den alten Sachen einschicken und bekommt anschließend einen 15%-Gutschein für einen kompletten Einkauf. Die Versandkosten übernimmt C&A. Und über die App "Wardrobe" kann aussortierte Damenkleidung an Zalando verkauft werden. Es wird pro Kleidungsstück ein Festpreis angeboten. Den Wert gibt es jedoch nur als Einkaufsgutschein. Basic-Teile und niedrigpreisige Marken werden nicht angekauft.

Wo die Kleidung landet, die man an Handelsketten verkauft, ist unterschiedlich und hängt unter anderem vom Zustand der Sachen ab: Teilweise wird sie Bedürftigen gespendet, teilweise weiter als Second-Hand-Ware verkauft, teilweise auch zu Putzlappen verarbeitet. Wem der weitere Weg seiner Kleidung am Herzen liegt, der sollte sich vor der Abgabe über die einzelnen Verwertungsmodelle der Shops informieren.

Kleiderspende an soziale Einrichtungen: Gutes tun mit alten Kleidern

Eine der verbreitetsten Möglichkeiten, alte Kleidungsstücke loszuwerden, ist die Kleiderspende. In Deutschland werden jährlich etwa eine Tonne Altkleider gespendet, schätzt FairWertung, das bundesweite Netzwerk von gemeinnützigen Organisationen, die Altkleider sammeln. Für die Kleiderspende gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen die Abgabe bei sozialen Organisationen oder in speziellen Sammelstellen wie Kleiderkammern, Spendenzentralen oder Sozialkaufhäusern. Diese Einrichtungen nehmen die Altkleider entgegen, sortieren sie und geben sie, wenn möglich, direkt an Bedürftige vor Ort weiter. Teilweise werden die Kleidungsstücke auch sehr günstig als Second-Hand-Ware an Menschen mit geringem Einkommen verkauft oder, wenn vor Ort keine Verwendung besteht, ins Ausland weiter gespendet.

Altkleidercontainer: Vorsicht vor schwarzen Schafen!

Mann steckt eine Jacke in einen Altkleidercontainer
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Die zweite Möglichkeit der Kleiderspende ist der Altkleidercontainer. Die Abgabe ist denkbar einfach: alte Kleidung einfach in einen Plastikbeutel packen und in den Container werfen. Die Kleider, die hier landen, werden laut FairWertung in der Regel an kommerzielle Verwerter verkauft. Der Erlös kommt den gemeinnützigen Organisationen zu Gute, die die Container aufstellen. Doch es mischen sich auch immer mehr Anbieter darunter, die die Altkleider-Container teilweise illegal aufstellen und mit dem Verkauf ausschließlich Gewinn machen. Deshalb sollten Spender genau hinsehen, in welchen Container sie ihre Kleidungssäcke werfen, wer die Kleider genau sammelt und was damit passiert. Einige Container tragen einen Aufkleber von FairWertung. Somit ist gewährleistet, dass die Kleidungsstücke bzw. deren Wert durch den Verkauf tatsächlich bei gemeinnützigen Organisationen landet.

Auch bei Kleiderspende auf Zustand der Kleidung achten

Wichtig ist, dass gespendete Kleidung nicht zu stark verschlissen, verschmutzt oder nass ist. Nur die Kleidung, die auch wirklich noch jemand tragen kann und die man vielleicht auch guten Gewissens einem Freund schenken würde, sollte gespendet werden – alles andere ist ein Fall für die Restmülltonne.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 09. März 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. März 2019, 02:10 Uhr