Zahnspangen: Welches Modell ist das richtige für mein Kind?

Mädchen bei einem Zahnarzt 1 min
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MDR JUMP Do 10.09.2020 10:45Uhr 01:14 min

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Etwa jedes zweite Kind in Deutschland trägt eine Zahnspange. In vielen Fällen ist das sicher sinnvoll. Doch Kritiker bemängeln, dass oft auch aus rein ästhetischen Gründen eine Spange verordnet wird. Wann eine Zahnspange nötig ist und was es zu beachten gibt, haben wir zusammengefasst.

Wann benötigt ein Kind eine Zahnspange?

Sind die ersten Milchzähne ausgefallen, passiert es bei vielen Kindern, dass die neuen Zähne schief herauswachsen. Manche Kinder haben auch Fehlstellungen oder Lücken im Gebiss. Es gibt verschiedene Arten von Zahnfehlstellungen. Die häufigsten sind:

  • Engstand: Etwa die Hälfte aller Fehlstellungen ist durch den Engstand bedingt. Dabei haben die neu durchbrechenden Zähne nicht genug Platz im Kiefer, weil dieser nicht groß genug ist oder aber die Zähne selbst zu groß sind.
  • Lückenbiss: Beim Lückenbiss ist der Kiefer im Verhältnis zu den Zähnen zu groß. Zwischen diesen gibt es deshalb große Lücken.
  • Kreuzbiss: Beim Kreuzbiss beißen die Zähne versetzt aufeinander. Das kann nur einzelne Zähne betreffen, oder sich aus einem Missverhältnis der Kieferknochen entwickeln.
  • Überbiss und Vorbiss: Bei beiden Fehlstellungen ist das Größenverhältnis von Ober- und Unterkiefer unharmonisch. Beim Überbiss ist der Oberkiefer zu groß und die oberen Zähne liegen weit vor denen des Unterkiefers. Beim Vorbiss hingeben ist es genau umgekehrt und die unteren Zähne stehen vor.
  • Tiefer oder offener Biss: Beim tiefen Biss überdecken die Schneidezähne die unteren Zähne zu weit. Hingegen fehlt beim offenen Biss der Kontakt im Bereich der Schneide- oder Backenzähne.

Welche Arten von Zahnspangen gibt es?

Unterschieden werden feste und lose Zahnspangen. Ob eine feste oder eine lose Spange eingesetzt wird, hängt von der Art der Zahnfehlstellung ab.

Zahnspange
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  • Feste Zahnspangen: Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen das Basismodell mit sogenannten Metallbrackets und Stahlbögen. Die Brackets sind fest auf den Zähnen verankert und die Stahlbögen werden mit Gummis daran befestigt. Experten erachten dieses Basismodell als völlig ausreichend für die Behandlung einer Zahnfehlstellung. Optisch unauffälliger und komfortabler sind Brackets und Zahnbögen aus Kunststoff oder Keramik. Für diese fallen allerdings Kosten von locker über 1.000 Euro an, die nicht von der Kasse getragen werden.
  • Lose Zahnspangen: Sie werden meist zu Beginn der kieferorthopädischen Behandlung verwendet, um das Kieferwachstum zu regulieren. Lose Zahnspangen können zum Essen und Zähneputzen rausgenommen werden. Sie beeinträchtigen das Sprechen mehr als festsitzende Spangen

Wie lange muss die Zahnspange getragen werden?

Die Tragedauer kann sich von Fall zu Fall stark unterscheiden und reicht von einigen Monaten bis zu vier Jahren. Bei losen Spangen ist oft schon nach ein paar Monaten ein Behandlungserfolg sichtbar. Oft schließt sich dann die Behandlung mit einer festen Zahnspange an. Natürlich ist die Dauer auch stark von der Mitarbeit der Kinder und Eltern abhängig.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Zahnspange?

Oft werden Zahnfehlstellungen bei Routineuntersuchungen vom Zahnarzt entdeckt, der dann Eltern und Kinder zum Kieferorthopäden schickt. Dieser stellt die Diagnose und setzt einen Behandlungsplan auf. Früher hieß es: je eher eine Spange, desto besser. Oft wird deshalb schon bevor alle Milchzähne ausgefallen sind mit der Behandlung begonnen. Studien haben aber gezeigt, dass sich das Behandlungsergebnis nicht verändert, wenn erst im Jugendalter gestartet wird. Meist wird im Alter von neun bis zehn Jahren mit der Behandlung begonnen. Handelt es sich um Zahnfehlstellungen, die eine Hemmung des Kieferwachstums verursachen können, kann mit der Behandlung auch schon ab dem vierten Lebensjahr gestartet werden.

Wer übernimmt die Kosten?

Feste Zahnspange im Mund von einem Mädchen.
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Zahnarzt oder Kieferorthopäde müssen den Schweregrad der Zahnfehlstellung auf einer Skala von 0 (keine Fehlstellung) bis 5 (extreme Fehlstellung) bewerten. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Behandlungskosten erst ab Schweregrad 3, private Krankenkassen häufig auch bei niedrigeren Graden. Nach Prüfung und Genehmigung des Behandlungsplans übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen zunächst 80 Prozent der Kosten, bei gleichzeitiger Behandlung von weiteren, im gleichen Haushalt lebenden Kindern sogar 90 Prozent. Die restlichen 20 bzw. 10 Prozent der Kosten müssen die Eltern zwischenzeitlich als Eigenanteil zahlen. Diesen bekommen sie aber nach Abschluss der Behandlung von den Kassen erstattet. Neuere diagnostische und therapeutische Varianten, wie z. B. Keramik- oder Kunststoffbrackets und sogenannte unsichtbare Zahnspangen, werden von den Kassen nicht bezahlt. Soll es eine solche Spange fürs Kind sein, müssen die Eltern die Mehrkosten, die über die Grundversorgung bei Zahnspangen hinausgeht, zuzahlen. In jedem Fall sind Zahnarzt oder Kieferorthopäde aber verpflichtet, über die Möglichkeit der kostenfreien Behandlung aufzuklären und sie dürfen eine Behandlung auch nicht von der Wahl einer kostenintensiveren Spangenvariante abhängig machen.

Kann ich eine Zahnspange vermeiden?

Ist die Zahnfehlstellung angeboren, lässt sich eine Zahnspange nicht vermeiden. Aber etwa zwei Drittel der Zahnfehlstellungen sind durch äußere Faktoren verursacht und die kann man sehr wohl beeinflussen. Schon im Baby- und Kleinkindalter können Eltern deshalb Zahnfehlstellungen vorbeugen. So sollten Daumenlutschen, zu langes Nuckeln an der Flasche und ungeeignete Nuckel unbedingt vermieden werden. Auch ein frühzeitiger Verlust der Milchzähne, z. B. durch Karies, fördert Zahnfehlstellungen des bleibenden Gebisses. Regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt sind deshalb auch für Kinder unerlässlich.

Kritik

Einige Kieferorthopäden erklären öffentlich, dass in Deutschland vielfach zu häufig und zu früh Zahnspangen verordnet werden. Oft sei der Hauptnutzen nur ästhetischer Natur bzw. „eine Verbesserung von Körperzuständen“ statt wirkliche Therapie. Es gebe in Deutschland eine vergleichsweise hohe Dichte an Kieferorthopäden, die schließlich alle leben müssten, so die Meinung.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 10. September 2020 | 10:45 Uhr

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