Zeckenstich: Wie du dich davor schützt und was im Ernstfall zu tun ist

Haben wir ein Zeckenproblem? Ja, sagt das Robert Koch Institut. Schon im vergangenen Jahr gab es deutlich mehr Erkrankungen durch Zeckenstiche als je zuvor und der Trend hält an. Wir klären, wie du trotzdem entspannt durchs Gehölz huschen kannst.

Darum nimmt die Zahl der Zeckenstiche deutlich zu

Corona ist schuld. Besser gesagt das Phänomen, dass wir viel mehr spazieren gehen, wenn wir mal nicht weit weg dürfen. Das hat im vergangenen Jahr dazu geführt, dass es deutlich mehr Meldungen über Infektionen nach einem Zeckenstich gab. Und auch für dieses Jahr erwarten die Experten hohe Zahlen an Infektionen. Das solltest du ernst nehmen, denn Zecken können wirklich böse Erreger übertragen.

Diese Krankheiten machen Zecken gefährlich

Zuerst die durch Viren übertragene Frühsommer-Meningo-Enzephalitis, kurz FSME. Das ist eine Hirnhautentzündung, die von gar keinen Symptomen über Lähmungen bis hin zum Tod führen kann. Die FSME-Viren sind aktuell nicht in ganz Deutschland in Zecken enthalten, sondern nur in sogenannten FSME-Risiko-Gebieten. Wichtig: Das Verbreitungsgebiet wird jedes Jahr nach Norden hin größer, auch Mitteldeutschland ist betroffen.

Die zweite Krankheit ist eine Borreliose, durch Bakterien übertragen. Unerkannt kann sie zu lebenslangen Muskel- und Gelenkschmerzen und anderen neurologischen Problemen führen. Wichtig: Eine Borreliose kannst du dir in fast ganz Europa einfangen, bis zu 20 Prozent aller Zecken tragen die Viren in sich.

Impfen und frühe Diagnose helfen

Gegen FSME kannst du dich vorbeugend impfen lassen. „Die Arzneimittelexperten der Stiftung Warentest empfehlen die Impfung gegen Zecken für Kinder und Erwachsene, die sich vorüber­gehend oder dauerhaft in FSME-Gebieten aufhalten und viel Zeit in der Natur verbringen“, so die Stiftung Warentest. Wichtig: Drei Impfungen sind nötig, um einen kompletten Schutz aufzubauen. Sprich das mindestens sechs Wochen vor dem Urlaub mit deinem Arzt ab. Dann ist noch genügend Zeit, um eine entsprechende Schutzwirkung zu erzielen.

Ob du mit Borrelien infiziert wurdest, erkennst du im Idealfall an einer rötlichen, ringartigen Verfärbung rund um den Zeckenstich, hinzu können grippeähnliche Symptome kommen. Sie müssen es aber nicht. Deshalb: Wurdest du gestochen, fühlst dich nach einem Wald-Wiesen-Besuch nicht gut oder findest gar solch einen Ring, dann unbedingt schnell zum Arzt. Dort kann genauer getestet und mit Antibiotika behandelt werden. Es gilt: Je früher, desto besser. Lässt du die Röte abklingen und meldest dich erst Wochen später beim Arzt, musst du mit Langzeitfolgen rechnen.

Wo die Zecken stecken

Sie mögen weder große Hitze noch Trockenheit. Deswegen haben sie sich in den letzten immer wärmer werdenden Sommern in den Wald zurückgezogen.

Sie lieben es dunkel und körperwarm. Im kniehohen Gras warten sie auf ihre Wirtstiere, wie Mäuse und Hasen. Kommen wir zufällig vorbei, lassen sie sich aber auch mal auf uns fallen. Ebenso können Hunde, Katzen und Vögel die Zecke in unseren Garten schleppen.

So schützt du dich und deine Familie wirkungsvoll

Vorbeugen durch Impfung: Das gilt nicht nur, wie erwähnt bei uns in Deutschland, sondern auch bei Reisen in ganz Europa. Dazu ein Tipp von der Stiftung Warentest: „Fragen Sie wegen einer Kostenübernahme am besten Ihre Krankenversicherung. Über Extraleistungen der Versicherungen zu Impfungen informiert unser Krankenkassenvergleich.“

Die richtige Kleidung: Je mehr du bedeckst, desto länger braucht die Zecke um an deine Haut zu kommen. Hosen in die Socken stecken oder beim Wandern Stulpen tragen. Ideal ist immer helle Kleidung, weil du dort die Zecken besser siehst. Spezielle Strümpfe aus Sachsen sollen die Zecke davon abhalten, sich auf deinen Beinen festzuhalten. Wichtig: nach jeder Wanderung oder Aufenthalt in Wald und Wiese, Klamotten ausschütteln und absuchen. Merke: Erst ab 60 Grad Celsius Waschtemperatur und im Trockner geben Zecken ihren Geist auf.

Mittel zur Abwehr: Sogenannte Repellents helfen für eine gewisse Zeit, Zecken abzuwehren. Die Tiere können den Geruch nicht ertragen und haften sich erst gar nicht fest. Dazu empfiehlt die Stiftung Warentest: „Im Test von 14 Sprays gegen Zecken und Mücken hielten die Besten die Blutsauger mindestens sechs Stunden auf Abstand. Allerdings bleiben Hautflächen unter der Kleidung oder den Haaren meist unbe­handelt.“ Vorsicht: Die enthaltenen Wirkstoffe können mitunter und besonders bei Kindern Hautreizungen verursachen. Am besten vor dem Urlaub ausprobieren und den Arzt befragen. Für Babys und Kinder unter zwei Jahren sind die Mittel in der Regel nicht geeignet.

Absuchen muss sein: Kinder sind viel länger und intensiver draußen unterwegs. Im Sommer solltest du deshalb jeden Abend einen intensiven Zeckencheck machen. Guck auch dorthin, wo es peinlich erscheint: Gern setzten sich Zecken im dunklen körperwarmen Intimbereich ab. Auch Achsel, Ellenbeuge oder Kniekehlen sind beliebt. Wichtig: Auch auf der Kopfhaut können sich Zecken

festsetzen. Sind sie noch im sogenannten Nymphenstadium, erkennst du sie nur bei genauem Hingucken. Das solltest du aber, denn auch kleinste Zecken übertragen schon die Erreger für FSME und Borreliose.

Schnell und vorsichtig entfernen

Die FSME Viren kommen beim Stich direkt über den Speichel in deinen Blutkreislauf. Das kannst du nicht verhindern. Die Borreliose-Bakterien sitzen bei der Zecke aber im Darm und deswegen braucht es ein paar Stunden, ehe sie übertragen werden. Je eher du die Zecke also entfernst, desto besser. Dazu rät Mediziner und Fernsehmoderator Dr. Carsten Lekutat: „Man sollte darauf achten, dass man die Zecke so weit vorn wie möglich anpackt und komplett herauszieht". Spezielle Pinzetten, Zeckenzangen oder –karten helfen dabei.

Wichtig: Die Zecke langsam und gleichmäßig herausziehen. Versuche nicht eine festsitzende Zecke mit Öl zu ersticken oder gar mit einem Feuerzeug zu erhitzen. Sie wird im Überlebenskampf Viren und Bakterien in deinen Blutkreislauf abgeben.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 12. Juli 2021 | 10:45 Uhr

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