Nachbarschaftsstreit: Gibt es ein Recht auf eine verschlossene Haustür?

20.02.2019 | 16:24 Uhr

Streit unter Nachbarn beschäftigt immer wieder die Gerichte. In Mehrfamilienhäusern sorgt oft die Frage für Zoff, ob die Hauseingangstür abgeschlossen werden sollte oder eben nicht. Wir klären, ob es für den Fall eine gesetzliche Regel gibt und wie ein Kompromiss aussehen könnte.

Eingangstür
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Fast jeder zweite Deutsche hat sich schon einmal mit seinem Nachbarn gestritten, zeigt eine Umfrage für einen Versicherungskonzern. Wegen Hecken, Bäumen und Sträuchern an der Grenze zum Nachbargrundstück gibt es oft Streit - wie wird aber eigentlich richtig gemessen, wie hoch das Grün ist? Für mehr Klarheit mussten kürzlich die Richter des Bundesgerichtshofs sorgen.

Die Nachbarn wohnen am Hang auf übereinanderliegenden Grundstücken. An der Grenze ist eine Stufe im Gelände mit einer ein Meter hohen Mauer. Dort entlang hat der untere Nachbar eine Lebensbaum-Hecke, die dem oberen viel zu hoch ist. In Bayern, wo der Fall spielt, sind maximal zwei Meter erlaubt. Die Sache ging bis zum Bundesgerichtshof, um zu klären, was das heißt - vom Boden oder vom Mauerrand aus. Die Richter entscheiden sich für die Mauer: Alles darunter störe ja nicht.

Oder: Ein Nachbarschaftsstreit in Rudolstadt (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt) hat mit dem Einsatz von Pfefferspray geendet. Die 72-Jährige und der 63-Jährige hätten sich nicht über die Hausordnung einigen können. Bei dem Streit im Keller eines Mehrfamilienhauses soll die Frau Pfefferspray eingesetzt haben. Die Rentnerin erhielt eine Anzeige wegen des Verdachts auf gefährliche Körperverletzung. Gegen den Rentner wird wegen des Verdachts der Nötigung ermittelt.

Hauseingangstür verschließen - wie ist die Rechtslage?

Ein weiterer Fall über den sich immer wieder gestritten wird: Soll die Hauseingangstür verschlossen werden? Der Grund dafür ist klar: Sicherheit. Durch verschlossene Haustüren haben es Einbrecher schwerer, ins Haus an die Wohnungstüren zu kommen. Das Treppenhaus und damit auch die Hausausgangstür sind aber ein wichtiger Fluchtweg. Bricht im Haus ein Feuer aus, ist es überlebenswichtig, das Haus schnell und ohne unnötige Verzögerungen zu verlassen.

Fakt ist aber auch: Eine gesetzliche Regelung darüber, ob die Haustür zu verschließen ist, oder nicht, gibt es nicht. Auch die Gerichte in Deutschland verfolgen in dieser Frage keine einheitliche Linie, erklärt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterschutzbund im MDR JUMP-Interview:

Das ist eine der Fragen, die im Mietrecht noch nicht abschließend geklärt ist. Man muss auch sagen, die Interessen der Mieter in dieser Frage sind sehr unterschiedlich. Die einen möchten, dass die Tür den ganzen Tag offen ist, auch spät abends. Die anderen möchten, dass die Haustür geschlossen wird. Also, es ist kompliziert. Die Interessenlage ist unterschiedlich und genauso urteilen auch die Richter.

Fest steht, man muss zwischen dem Einbruchsschutz und dem Brandschutz abwägen. Insofern kommt es bei dieser Frage immer auf den Einzelfall an - eine generelle Regelung ist in dem Fall schwierig. Allerdings hat Ulrich Ropertz vom Mieterschutzbund noch einen anderen Vorschlag:

Es gibt die Möglichkeit das Haustürschließsystem so anzulegen, dass die Haustür verschlossen werden kann, aber von Innen kann man jederzeit die Tür öffnen - auch ohne Schlüssel.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Morningshow | 21. Februar 2019 | 06:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2019, 15:29 Uhr

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