Reich werden mit Pokémon-Sammelkarten?

Pokémon-Sammelkarten waren Mitte der 2000er auf dem Schulhof der letzte Schrei, es wurde gesammelt und getauscht, was das Zeug hält. Seltene Karten werden mittlerweile zu Rekordpreisen versteigert.

Ein Hand voll Pokémon-Sammelkarten
Bildrechte: IMAGO/ZUMA Wire

Mit manchem Retro-Spielzeug lässt sich heute wahnsinnig viel Geld machen. Pokémon-Sammelkarten gehören dazu. Und er Hype um die Karten wird gerade von Youtubern und Twitch-Streamern mächtig befeuert.

200.000 Dollar für ein Glitzer-Glurak

Ganz vorne mit dabei ist der US-Youtuber Logan Paul. Er hat nach eigenen Angaben zwei Millionen Dollar für Boxen mit den Sammelkarten ausgegeben. Alles für die Jagd nach seltenen Glitzerkarten, die bei Versteigerungen Rekordwerte erzielen. Ein Glitzer-Glurak der ersten Auflage brachte bei einer Auktion vergangenen Oktober über 200.000 US-Dollar Erlös ein. Wesentlich mehr als die erwarteten 80.000 Dollar.

Und der Hype hat auch die deutsche Szene erfasst: Streamer Trymacs aus Hamburg beschäftigt sich etwa seit Ende letzten Jahres mit Pokémon-Karten. Seine Videos laufen ganz ähnlich ab, wie die sogenannten Box-Breaks von Logan Paul.

Für eine irre Summe, zum Teil mehrere Tausend Euro, wird eine sogenannte Display-Box gekauft, also eine Schachtel, in der im Laden die kleinen Päckchen mit den zusätzlichen Karten liegen, mit denen man seinen Kartensatz aufwerten kann. Dann öffnet er nach und nach die einzelnen Verpackungen und zeigt jede Karte. Die wertvollen natürlich zum Schluss, damit es spannend bleibt.

Das Interesse der Youtuber führt dazu, dass die Nachfrage nach Pokémon-Karten steigt und damit auch die Preise. Zack Browning, ein bekannter US-Sammler vermutet im Blog der US-Firma PSA, die sich auf die Bewertung von Sammelkarten spezialisiert hat, dass Pokémon-Karten bald zum festen Repertoire der Sammelkarten-Investoren gehören werden. Er ist sich sicher, dass besonders seltene Karten bald bei renommierten Auktionshäusern wie Sothebys versteigert werden.

Nicht jede Karte macht reich

Allerdings ist nicht jede Karte Unsummen wert. Für wie viel Geld eine Karte verkauft werden kann richtet sich nicht nur nach ihrer Häufigkeit in den Sets, sondern auch danach, aus welcher Auflage sie stammt. Erstauflagen sind besonders begehrt und haben ein kleines Icon auf der Karte.

Wenn sie noch dazu in sehr gutem Zustand oder eben sogar originalverpackt ist, kann sie durchaus mehrere tausend Euro wert sein. Ein Blick in den Keller, auf die eigenen Pokémon-Karten kann sich also durchaus auch lohnen. Seltene Karten in gutem Zustand aus späteren Auflagen können mit etwas Glück immer noch Preise über hundert Euro bei Ebay erreichen. Reich wird man mit benutzten Karten wohl aber eher nicht.

Nachdruck mit Nachdruck

Die Pokémon Company, Hersteller der Karten, könnte den Investoren allerdings einen Strich durch die Rechnung machen und den Hype zumindest dämpfen. In einem Tweet zeigt sich, dass die steigenden Preise nicht an der Firma vorbeigegangen sind.

Schuld seien neben der durch den Hype gestiegenen Nachfrage auch Versandbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie. Betroffene Karten würde man so schnell es die Kapazitäten erlauben nachdrucken.

Für Sammler und Investoren werde das eine schmerzhafte Lektion sein, schätzt Sammelkarten-Experte Browning. Glitzer-Gluraks der ersten Auflage dürften von den Nachdrucken allerdings eher wenig betroffen sein. Dennoch könnte der Nachdruck dazu führen, dass seltene Karten aus späteren Sets weniger wert werden.

Auch ist völlig offen, wie es mit dem Hype weitergeht, wenn Streamer und Youtuber wie Trymacs oder Logan Paul irgendwann das Interesse an den Pokémon-Karten verlieren. Der Handel mit Pokémon-Karten ist momentan eher ein Glücksspiel, als ein sicheres Investment.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Nachmittag | 03. März 2021 | 15:15 Uhr

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