Ein Scrabble-Fan in den USA hat einen Minivan komplett mit den Buchstabenstein zugeklebt
Bildrechte: Imago/Shari L.

Spiele-Klassiker Scrabble feiert 70. Geburtstag

16.12.2018 | 00:00 Uhr

In vielen Spiele-Schränken in Deutschland liegt auch eine Scrabble-Packung. Die dunklen Nachmittage und Feiertage mit viel Zeit sind eine gute Gelegenheit, das Spiel mal wieder rauszuholen. Zumindest so lange, bis wieder laut über Worte wie "Dunkelfisch" und "Schwanzhund" gestritten wird.

Ein Scrabble-Fan in den USA hat einen Minivan komplett mit den Buchstabenstein zugeklebt
Bildrechte: Imago/Shari L.

Ein grünes Spielfeld mit Zahlen, beigefarbene Buchstabensteine und grüne Stoffbeutel: Das Spiel für Wortakrobatik und lautstarke Debatten wird am 16. Dezember schon 70 Jahre alt. 1948 meldete James Brunot das Spiel als Marke an. Das Verb "to scrabble" steht im Englischen für "suchen" oder "wühlen" und beschreibt damit die Haupttätigkeit beim Spiel ziemlich gut: Im Beutel nach den richtigen Buchstaben ramschen und im Kopf nach den besten Möglichkeiten wühlen, ein X, ein Q oder ein Y irgendwie aufs Feld zu bringen.

Nix mit "Buchstaben-Yolo"

Im September sorgte Mattel für viel Aufregung: Der Spielehersteller wollte seinem Klassiker zum 70. Geburtstag einen neuen Namen verpassen. Aus "Scrabble" sollte angeblich "Buchstaben-Yolo" werden. Die Ankündigung wurde mit feinstem Werbesprech garniert: "Die neue Version bietet dabei mehr Spaß als je zuvor - für die gesamte Family Crew und vor allem für die Kids und Fans von lässiger Jugendsprache". Passend dazu ließ man Rapper MC Fitti im Werbevideo herumhüpfen:

Doch die groß als "Sensation" angekündigte Verjüngungskur stellte sich als Fake und PR-Kampagne heraus. Immerhin: Der Spieleklassiker war für kurze Zeit wieder im Gespräch.

Scrabble-Erfinder Alfred Mosher Butts in den 30ern
Bildrechte: IMAGO

Fakt 1

Fakt 1

Die erste Idee für Scrabble hatte der US-Architekt Alfred Mosher Butts 1931: Bei "Lexiko" gab es schon Wertungspunkte für Buchstaben aber kein Spielbrett. Der Erfolg der damals aufkommenden Kreuzworträtsel brachte den Erfinder dazu, ein Spielfeld zu entwickeln. "Criss-Crosswords" war aber auch kein Erfolg. Der kam erst, als sich Butts‘ Freund und Crosswords-Fan James Brunot um Scrabble kümmerte.

Scrabble-Buchstabensteine
Bildrechte: Imago

Fakt 2

Fakt 2

Wie oft soll ein E oder ein Q in den Stoffbeutel? Für diese Frage durchkämmte Erfinder Alfred Butts die Titelseite der New York Times. Für das deutsche Spiel wurde die Buchstabenverteilung natürlich angepasst: In den 102 Steinen kommt das E beispielsweise 15 mal vor, das Q nur einmal. Früher waren die Scrabble-Schachteln übrigens weinrot, erst später änderte der Hersteller die Farbe auf das heute bekannte dunkle Grün.

Sneakers - Die Lautlosen
Bildrechte: Imago

Fakt 3

Fakt 3

Scrabble taucht unter anderem im Loriot-Film auf, in dem Damenkränzchen über das Wort "Schwanzhund" in Streit gerät. Auch beim Pumuckl eskalierte ein Scrabble-Streit. In den erfolgreichen Kinofilmen "Black Hawk Down", "Snow Cake", "Sneakers" und "Rosemarys Baby" wird auch Scrabble gespielt. In den Büchern "Lolita" und "Der Report der Magd" geht es ebenfalls um den Spieleklassiker.

Scrabble als Würfelspiel
Bildrechte: Imago

Fakt 4

Fakt 4

Über die Jahre brachte Spielehersteller Mattel zahlreiche andere Scrabble-Varianten auf den Markt: Für Reisen, mit Würfeln, als Kartenspiel, als Ausgabe für Kinder und als Luxus-Edition mit vergoldeten Steinen. Gespielt werden kann auch per App und über E-Mail.

Scrabble-Turnier 2012 in London
Bildrechte: Imago

Fakten 5

Fakten 5

Auf der ganzen Welt gibt es Scrabble-Turniere. Die Spitzenspieler prägen sich als Vorbereitung beispielsweise Wortlisten aus dem Duden ein. Das sind dann etwa Wörter, bei denen das Y an dritter Stelle steht. Der Buchstabe bringt viele Punkte. Der aktuelle Deutsche Meister Ben Berger lernt nach eigener Aussage mit Anagrammen wie "Reklame" oder "Makrele", bei denen die gleichen Buchstaben in verschiedener Reihenfolge stehen.

Scrabble-Buchstabenleiste mit schwierigen Buchstaben
Bildrechte: Imago

Fakten 6

Fakten 6

Geschätzt sind weltweit eine Million Buchstabensteine für Scrabble verloren gegangen. Den offiziellen Highscore für die meisten Punkte in einem Spiel hält der Engländer Philip Appleby mit 1.049 Punkten. Das Wort "Muzjiks" (Russische Bauern) gilt in der englischen Variante als das Wort, mit dem als erster Spieler die meisten Punkte einfahren kann: 128. "Schwanzhund" bringt übrigens 57 Punkte.

Gesammelte Buchstabensteine
Bildrechte: Imago

Fakt 7

Fakt 7

In den USA sind alle anstößigen Worte aus dem offiziellen Scrabble-Wörterbuch entfernt worden. Dort gibt es sogar eine Stadt namens "Scrabble" im Bundesstaat West Virginia. Allerdings gibt es dort nicht mal einen Scrabble-Club. Legt man alle jemals produzierten Buchstabensteine nebeneinander, würde die Kette die Erde achtmal umrunden. In der englischen Variante gibt es 100 Buchstabensteine, in Deutschland 102. Die meisten haben die Italiener und Portugiesen mit je 120.

Hier gibts übrigens die offiziellen Regeln als PDF-Datei, falls mal wieder Streit am Scrabble-Brett ausbricht und die Anleitung fehlt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 16. Dezember 2018 | 14:56 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Dezember 2018, 00:00 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP