Stefanie Kloß zur Kulturkrise: „Nenn mir jemanden, der für ein Jahr Puffer hat!“

Silbermond-Sängerin Stefanie Kloß entschuldigt sich als erstes in unserer Videoschalte dafür, dass sie eigentlich gerade auf Gammel-Look eingestellt ist. Das finde ich persönlich nicht und freue mich über ein offenes Gespräch zu neuer Musik, fiesen Spielchen ihrer Band-Jungs und der aktuellen Kulturkrise. Auch in der Silbermond-Crew gab es schon Abgänge. Für selbstständige Kulturarbeiter gäbe es momentan keine Rettung.

Steffi von Silbermond im MDR JUMP Interview 27 min
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MDR JUMP Mo 16.11.2020 18:00Uhr 26:54 min

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Wann es für die Band Silbermond wieder auf die Bühne geht, ist aufgrund der Konzertbeschränkungen durch die Corona-Pandemie ungewiss. Einige Crewmitglieder der Band hätten sich bereits umorientieren müssen, um ihre Miete zu zahlen und ihre Kinder zu ernähren, sagt Sängerin Stefanie. „Wenn du selbstständig bist, gibt es eben auch keine Kurzarbeit. Es gibt keinen doppelten Boden. Es gibt nichts, was dich retten kann.“, so Kloß. „Nenn mir jemanden, der, für ein Jahr oder für ein Dreivierteljahr oder lass es ein halbes Jahr sein, so viel Puffer hat.“

Angst vor der Zukunft

Und diese Situation lässt sie mit Besorgnis auf die Zukunft schauen. „Wenn das so weiter geht und wir nächstes Jahr irgendwann wieder anfangen dürfen zu spielen, dann haben wir alle ein Problem, gute Leute zu bekommen, weil die vielleicht alle ihren Job nicht mehr machen.“, sagt Stefanie. 

Wir schaffen es große Firmen zu unterstützen, damit es die weiterhin gibt. Dann werden wir es doch auch schaffen, so viele kleine Schicksale und Existenzen zu unterstützen. Da muss es doch irgendeinen Weg geben. Ich bin keine Politikerin und ich kann dir keinen Plan auf den Tisch legen, aber wir müssen doch irgendwas machen können.

Emotionale Stimmung bei der letzten Tour

Silbermond sind aus der Babypause zurück auf der Bühne! Am 4. Februar 2020 standen sie in Erfurt auf der Bühne.
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Als eine der wenigen Bands des Landes konnten Silbermond Anfang des Jahres noch ihre geplante Tour zum Album „Schritte“ spielen. Gerade ein Song über die ambivalente Stimmung in Ostdeutschland sei laut Sängerin Stefanie Kloß das Highlight der Tour gewesen. Dies sei auch in Westdeutschland der Fall gewesen: „,Mein Osten‘ hat so einen berührenden Moment live aufgemacht. Meine Mutter hat gesagt: ,Mensch, so einen Song will in Köln bestimmt keiner hören.‘ Und ich hab gesagt: ,Nee Mutti, das ist nicht so!‘ Das war mucksmäuschenstill und die Leute haben so lange applaudiert. Das war der längste Szenenapplaus, den wir überhaupt während all dieser Abende hatten.“

Ambivalenz im Osten

Diese Erfahrungen machen der 36-Jährigen Hoffnung für uns aller Zusammenleben: „Da merkt man, da ist etwas, das uns alle zusammenschweißt. Nämlich die Art und Weise, wie wir als Gesellschaft miteinander umgehen und dass wir einen Weg finden müssen, auch wenn wir unterschiedlicher Meinung sind, irgendwie den gemeinsamen roten Faden zu finden. Auch wenn es schwer ist.“ Im Songtext von „Mein Osten“ heißt es unter anderem: „Risse gehen durch Familien und ein Riss geht auch durch mich, denn ich weiß, mit Mittelfingern lösen wir dieses Problem hier nicht. Werden reden müssen, streiten, um Kompromisse ringen müssen und so weiter. Aber was nicht hilft, sind wir uns da einig, Ideen von 1933.“

Im langen Videointerview verrät Stefanie außerdem, dass Schlagzeuger Nowi für den Webstream der Band („Die Silbermond Wäbschow“) alle Kabel selbst verlegt hat. So richtig geheuer ist ihr das nicht. Und sie ist etwas erschrocken darüber, wie fies ihr Freund Thomas bisher in den dortigen Spielrunden zu ihr war…

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Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend | 16. November 2020 | 21:50 Uhr

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