Ein Zettel mit der Aufschrift 'Wir stellen ein und wollen Sie!' hängt in einem Schaufenster.
Bildrechte: dpa

Tankgutscheine, Zusatzurlaub oder Geldprämien - so werben Firmen um Arbeitnehmer

12.03.2019 | 14:27 Uhr

Gerade in ländlichen Regionen fällt es Firmen immer schwerer passende Mitarbeiter und Azubis zu finden. Manch ein Betrieb wird da kreativ und lockt Bewerber mit Sonderleistungen wie Tankgutscheinen, Willkommensprämie, Kita-Zuschuss oder Fitnessbereich.

Ein Zettel mit der Aufschrift 'Wir stellen ein und wollen Sie!' hängt in einem Schaufenster.
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Eine Firma in der Oberlausitz bietet ihren Mitarbeitern sogar einen eigenen, exklusiven Badesee. Ein Baustoffhandel im Landkreis Mansfeld-Südharz dagegen hat das Comedy-Duo "Elsterglanz" engagiert, die auf YouTube die Ausbildungsplätze der Firma bewerben.

Fakt ist: Firmen in Mitteldeutschland müssen sich anstrengen, geeignete Mitarbeiter zu finden, sagt Sachsen Wirtschaftsminister Martin Dulig im Gespräch mit Timo Close und Nora Sanne von der MDR JUMP Feierabendshow:

Die Unternehmen haben gemerkt, dass sie aktiv etwas tun müssen, um junge Leute zu überzeugen. Die Zeiten sind ja vorbei, wo junge Leute Schlange standen vor den Unternehmen und die Unternehmer sich dann aussuchen konnten und die Besten dann rausgenommen haben.

Deshalb läuft im Freistaat gerade die Aktion "Schau rein!". Schüler ab Klasse 7 können sich sachsenweit praxisnah über Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten sowie über berufliche Anforderungen informieren. Dafür stehen rund 2900 Angebote mit über 23 000 Plätzen zur Verfügung.

"Wir stellen eine absolute Zunahme von Sonderleistungen fest."

Aber das Problem hat nicht nur Sachsen. Anfang März waren bei der Bundesagentur etwa 784 000 offene Stellen gemeldet - mit 20 000 mehr als im Vorjahr ein neues Februar-Hoch. Die Zahl der zu besetzenden Jobs nannte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände ein Alarmsignal für Deutschland als Wirtschaftsstandort. In Thüringen konnten im letzten Jahr rund tausend Lehrstellen nicht besetzt werden. Thomas Fahlbusch von der Industrie- und Handelskammer Erfurt (IHK) erzählt im MDR JUMP-Interview:

Wir befinden uns ja in einer Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs. Die Auftragsbücher sind voll. Und all diejenigen, die in der Ausbildung fehlen - und das geht ja nun schon seit Jahren so - die fehlen natürlich auch später am Arbeitsmarkt. Dementsprechend sind die Quellen für Arbeitskräfte fast am Versiegen.

Bedeutet: Arbeitgeber müssen kreativ sein, um potentielle Mitarbeiter zu überzeugen. Der Phantasie sind dabei offenbar keine Grenzen gesetzt, erzählt Sachsens Wirtschaftsminister Dulig: "Zum Beispiel gibt es ein Seniorenheim, was seinen Fachkräften wahlweise 100 Euro Mobilitätszuschuss zahlt oder sogar einen Dienstwagen auch zur privaten Nutzung bereit stellt". Und Thomas Fahlbusch von der IHK Erfurt erzählt:

Wir stellen eine absolute Zunahme von Sonderleistungen fest. Das geht los bei übertariflicher Vergütung, zusätzliche Urlaubstage habe ich schon gesehen, Tankgutscheine, Büchergeld, Prämien werden vereinbart, die oberhalb der tariflichen Vergütung liegen. Also, da ist die Bandbreite unheimlich groß.

Auf die faule Haut dürften sich Bewerber aber trotzdem nicht legen, meint Thomas Fahlbusch von der IHK Erfurt: "Die gefragten Lehrstellen sind natürlich sehr schnell weg. Und natürlich braucht es auch Zeit, um sich - beispielsweise durch Praktika - mit den Unternehmen bekannt zu machen".

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 12. März 2019 | 15:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. März 2019, 14:27 Uhr

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