Tschechien verhängt landesweiten Lockdown

Tschechien galt als Musterschüler in der Corona-Krise. Doch jetzt wird das Land umso härter von der Pandemie getroffen. Mit Konsequenzen für die deutschen Nachbarn.

Ein Mann mit Gehstöcken trägt einen Mund-Nasen-Schutz und geht über die Karlsbrücke.
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Die Lage in Tschechien ist dramatisch: Vergangene Woche infizierten sich teilweise über 10.000 Menschen am Tag mit dem Corona-Virus und die tschechische Regierung ergreift jetzt drastische Maßnahmen: Von Donnerstagmorgen an müssen fast alle Geschäfte schließen, wie Gesundheitsminister Roman Prymula am Mittwoch bekanntgab. Ausgenommen sind unter anderem Lebensmittelgeschäfte, Drogerien und Apotheken.

Zudem werden Ausgangsbeschränkungen wie im Frühjahr verhängt: Die Regierung hat angeordnet, dass Leute ihre Kontakte mit anderen Menschen auf die "absolut notwendige Zeit" begrenzen müssen. Das gilt nicht für den Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe, Arzt- und Familienbesuche. Erlaubt sind auch Spaziergänge in Parks und der freien Natur.

Höchste Neuinfektionsrate Europas

Das tschechische Gesundheitsministerium bat bereits vor ein paar Tagen im Ausland lebende Ärzte, nach Tschechien zurückzukehren.

Man sei dankbar für jede helfende Hand, sagte der tschechische Ärztekammer-Präsident. Besonders dringend gesucht: Anästhesisten, Intensivmediziner und spezielles Pflegepersonal. Diese Bitte könnte auch das deutsche Gesundheitssystem treffen, denn an all diesen Kräften fehlt es auch in Deutschland.

In keinem Land Europas infizieren sich derzeit mehr Menschen, als in Tschechien. Krankenhäuser sind an der Belastungsgrenze, die tschechische Regierung hat zusätzliche Betten angekauft und die Armee baut ein Feldkrankenhaus auf.

Dabei galt das Land lange als Musterschüler im Umgang mit der Corona-Pandemie. Die Regierung hatte die Grenzen schnell geschlossen, eine Maskenpflich in der Öffentlichkeit verhängt und einen nationalen Lockdown beschlossen. Durch die Maßnahmen blieb das Land im Frühjahr von den ersten Wellen der Pandemie verschont.

Das führte allerdings auch dazu, dass die Tschechen die Pandemie nicht mehr so ernst nahmen. Bereits im Juni feierten tausende Menschen in Prag das Ende von Corona - ohne Maske. Die zu frühe Rückkehr zur Normalität rächt sich in Tschechien offenbar gewaltig.

Notstand ausgerufen

Anfang Oktober hat die Regierung in Tschechien den Notstand ausgerufen und strengere Corona-Regeln verhängt.

Landesweit gilt Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln, an Haltestellen, im Freien, wo der Mindestabstand von 2 Metern nicht eingehalten werden kann, in PKW bei Fahrgemeinschaften, die nicht aus dem gleichen Haushalt kommen und in allen Innenräumen. Wohnungen und Unterkünfte, zum Beispiel Hotelzimmer, sind davon ausgenommen. Schulen und Restaurants sind geschlossen. In Geschäften dürfen sich maximal zwei Personen treffen.

Die Grenzen zu den Nachbarländern sind allerdings weiterhin offen. Und auch der Grenzverkehr von und nach Sachsen läuft nach wie vor.

Mit Material von dpa

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 21. Oktober 2020 | 19:10 Uhr

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