Hund beißt Frau in den Arm
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So verhältst du dich bei einem Hundeangriff

27.08.2018 | 15:09 Uhr

Es passiert nicht häufig, aber wenn ein Hund einen Menschen attackiert, geht alles ganz schnell. So kannst du erkennen, ob ein Hund gerade aggressiv ist oder nicht.

Hund beißt Frau in den Arm
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Der knurrende, frei laufende Hund aus dem Stadtpark, der Menschen ganz plötzlich einfach so anfällt und verletzt, ist ein eher seltener Fall. In den meisten Fällen stammt der Hund aus dem näheren Umfeld, also aus der eigenen Familie oder von Nachbarn. Und fast immer deutet sich der Angriff an.

Woran erkenne ich, dass ein Hund gefährlich ist?

Hund fletscht die Zähne
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Karin Bendix betreibt in der Gemeinde Kaiserpfalz im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt eine Praxis für Verhaltenstherapie bei Kleintieren. Sie weiß, wie Hunde zu lesen sind und wann man vorsichtig sein sollte. Wenn die Vierbeiner etwa den Nasenrücken rümpfen, das Maul öffnen, die Zähne fletschen oder sich ihre Rückenhaare sträuben, seien das erste klare Warnzeichen. Spätestens wenn ein Hund sich dann große mache oder knurre, empfiehlt Bendix vorsichtig zu sein.

Wenn ein Hund jemanden anspringen will, empfinden das viele Menschen als aggressiv. Bendix erklärt, dass es aber auch einfach eine freudige Begrüßung des Hundes sein könne.

Wie kann ich die Situation entschärfen?

Hund
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Wenn ein Hund schon aus der Distanz droht, rät Bendix, sich ihm auf keinen Fall weiter zu nähern. "Für Hunde bedeutet schon direkt aufeinander zugehen oder in die Augen starren Konfrontation", erklärt die Tierärztin. Stattdessen sollte man ihr zufolge stehenbleiben, den Kopf abwenden und sich möglichst seitwärts entfernen, um den Sicherheitsabstand zu erhöhen. Das alles könne helfen, die Situation zu entspannen. Vermeiden sollte man dabei hektische Bewegungen oder laute Schreie. "Das kann sogar den Angriff auslösen."

Viele Konflikte entstehen, wenn sich zwei Halter mit ihren Hunden begegnen. Auch in diesen Fällen sollte der Mensch vermeiden, dass die Tiere gerade aufeinander zugehen. Bendix empfiehlt, einen großen Bogen zu gehen. "Das bedeutet in Hundesprache: Ich will jetzt keinen Konflikt mit Dir." Wenn das nicht möglich ist, rät sie zur Notumkehr: Umdrehen und in die andere Richtung gehen.

Wenn zwei Hunde schon miteinander kämpfen, gibt es für den Menschen aus ihrer Sicht nur eine Regel: "Da sollte man als Mensch auf keinen Fall dazwischen gehen."

Weil die Tiere erregt sind, drohen hier schlimmstenfalls Verletzungen – auch durch den eigenen Hund. Wenn nichts anderes hilft empfiehlt die Spezialistin für Hundeverhalten dem Halter: Umdrehen und in die entgegengesetzte Richtung laufen, so dass der eigene Hund hinterher kommt. Dabei sollte man stets die Ruhe bewahren."Wenn wir schreien oder auf die Hunde einreden, kann es die Aggression noch verstärken", erklärt Bendix.

Was geht in dem Hund vor?

Hund
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"Aggression gehört für Hunde zum Normalverhalten", sagt Bendix und verweist auf die vier unterschiedlichen Verhaltensmöglichkeiten, mit denen Hunde auf einen Konflikt reagieren können. Experten sprechen von den vier F. Flight: Hunde können fliehen. Flirt: Sie beginnen zu spielen oder machen Übersprungshandlungen wie Gähnen. Freeze: Sie verfallen in eine Art Schreckstarre. Fight: Sie drohen und greifen an.

Die Gründe für eine Aggression können dabei laut Bendix vielfältig sein. Sie zählt auf: Möglicherweise will ein Hund sein Territorium verteidigen, eine Hündin will ihre Welpen schützen, Hunde können sich auch aggressiv verhalten, weil sie an einer Krankheit leiden. "Aber der Grund, der am häufigsten zu Konflikten führt, ist Aggression aufgrund von Unsicherheit und Angst beim Hund." Deswegen sei es so wichtig, Hund bis zur 16. Lebenswoche gut zu sozialisieren und mit ihrer Umwelt vertraut zu machen. "In dieser Zeit sollten Hunde viele andere Hunde kennenlernen und auch viele verschiedene Menschen. Frauen, Männer, Kinder, Leute mit Mänteln, mit Fahrrädern." Andernfalls könne der Hund im schlimmsten Fall ängstlich werden und deswegen aggressiv reagerien.

Genau das testen Tierärztin Karin Bendix oder ihre Kollegen übrigens beim so genannten Wesenstest. In verschiedenen Alltagssituationen muss sich der Hund dort Alltagssituationen stellen - zum Beispiel einem Betrunkenen. Die Prüfer kontrollieren dann, wie souverän und gelassen der Hund mit diesen Störungen umgeht.

Was mache ich, wenn es doch zur Attacke kommt?

Der kroatische Hundetrainer Denis Prtenjaca hat seinen Hund Ami auf Clowns abgerichtet.
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"Weglaufen bringt meistens nicht, weil Hunde oft schneller sind und es kann ihr Jagdverhalten aktivieren." Insofern rät Bendix vor allem dazu, das eigene Gesicht zum Beispiel mit einer Tasche zu schützen oder irgendeine Form von Barriere zwischen sich und den angreifenden Hund zu bringen.

Hunde, die unsicher sind oder Angst haben, beißen ihrer Schilderung zufolge in der Regel eher kurz zu. Es gebe aber durchaus auch Tiere, die mehrfach nachsetzen.

Wieder gilt: Keinen Augenkontakt mit dem Hund, keine hektischen Bewegungen und sich nicht unnötig interessant machen für ihn.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 27. August 2018 | 10:22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. August 2018, 15:09 Uhr

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