Die erste Zahnbürste für ein Baby
Bildrechte: imago images / blickwinkel

Mit dieser Pflege bleiben Kinderzähne gesund

17.04.2019 | 13:43 Uhr

Für Eltern und kleine Kinder ist es ein großes und oft tränenreiches Ereignis: Der erste Milchzahn kommt durch. Auch aus Sicht von Zahnärzten ist das ein wichtiger Zeitpunkt. Dann sollten sich Eltern um die Zahnpflege bei ihren Kindern kümmern, damit Milchzähne und die auch die späteren Zähne gesund und schön bleiben.

Die erste Zahnbürste für ein Baby
Bildrechte: imago images / blickwinkel

Mit der richtigen Zahnpflege können Eltern und Kinder nicht früh genug anfangen. Darauf machen Zahnärzte regelmäßig aufmerksam und das hatte in der Vergangenheit auch spürbare positive Folgen: Laut Bundeszahnärztekammer (BZÄK) hat sich die Mundgesundheit bei Kindern und Jugendlichen über die letzten 25 Jahre extrem verbessert. Heute gibt es bei den 12-jährigen so viele Kinder mit Zähne ohne Karies und Füllungen wie noch nie. Die Kariesbelastung ist laut einer aktuellen Studie um 80 Prozent zurückgegangen.

Milchzähne sind wichtige Platzhalter

Eine Entwicklung bei Milchzähnen bereitet Prof. Dr. Christian Gernhardt aber Sorgen. Er ist stellvertretender Direktor in der Universitätspoliklinik für Zahnerhaltungskunde Halle/Saale und sagte MDR JUMP:

Prof. Dr. Christian Gernhardt, stellvertretender Direktor in der Universitätspoliklinik für Zahnerhaltungskunde Halle/Saale
Bildrechte: Christian Gernhardt

Unsere Sorgengruppe sind die ganz kleinen Kinder zwischen null und sechs Jahren, also ab dem ersten Zahndurchbruch. Da haben wir das Problem der frühkindlichen Karies, der Milchzahnkaries.

Die würde bei sehr kleinen Kindern Milchzähne massiv zerstören. Auch wenn die Milchzähne später ausfallen und durch bleibende Zähne ersetzt werden, sind sie extrem wichtig:

Die Milchzähne sind Platzhalter für bleibende Zähne, die sind für die Gebissentwicklung enorm wichtig und auch für die Sprachentwicklung der Kinder.

Zudem hätten die Kinder oft massive Schmerzen. Studien würden auch darauf hindeuten, dass Kinder mit Karies an den Milchzähnen auch später Probleme mit den "richtigen" Zähnen haben. Aus Sicht unseres Experten gibt es zwei Gründe für die zunehmende Zahl von kleinen Kindern mit Milchzahnkaries: Fehlende Mundpflege und falsche Ernährung. Eltern würden kleinen Kindern gesüßte Tees und Säfte in der Nuckelflasche geben. Die Getränke umspülten so ständig die Milchzähne und würden sie so schädigen.

Gleich beim ersten Zahn zum Zahnarzt

Christian Gernhardt rät Eltern, mit ihren Kindern früh zum Zahnarzt zu kommen. Am besten dann, wenn der erste Zahn die Mundhöhle erreicht:

Dann gewöhnt sich das Kind an die Situation Zahnarzt. Meist ist da nichts zu tun und da lernen sie nichts Negatives kennen. Und das kann dann vielleicht die zukünftige Zahnarzt-Karriere beeinflussen.

Regelmäßige Vorsorgenuntersuchungen seien genauso wichtig wie die richtige Zahnpflege. Bei der sollten Eltern aus Sicht unserer Experten auch größere Kinder bis zum achten Lebensjahr noch unterstützen und nach dem Zähneputzen kontrollieren.  

Wie putzt man richtig?

Zwei Minuten sind aus Sicht von Zahnärzten in Ordnung, drei Minuten wären aber besser. Zahnärzte empfehlen die KAI-Plus-Technik: Erst kommen die Kauflächen dran (K), dann die Außenflächen der Zähne (A) und die Innenflächen (I).

Das Plus steht dafür, dass die Eltern nachputzen. Das kann man auch bei sechs- bis achtjährigen nicht zu 100 Prozent an die Kinder delegieren. Und sonst werden Flächen und Nischen vergessen.

Perfekt für Kinder sei eine Handzahnbürste mit einer "planen", also ganz geraden Bürstenoberfläche, einem kurzen Putzkopf und einem etwas dickeren Griff perfekt. Den können Kinderhände besser fassen. Für die ersten Zähne gibt es zudem spezielle Bürsten, die kleine Babyzähne schonend reinigen. Extra Bürstchen oder Zahnseide für die Zahnzwischenräume sind aus Sicht unseres Experten bei Kindern noch nicht nötig:

Das würde die manuellen Fähigkeiten von Kindern übersteigen. Und glücklicherweise wenn die Zähne gesund sind und alle vorhanden, stehen die Milchzähne lückig.

Zahnputz-Apps sind eine gute Motivation

Unser Experte rät Eltern, Kindern nicht zu zeitig eine elektrische Zahnbürste zu schenken. Das sieht auch der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer Prof. Dr. Dietmar Oesterreich so, der auch selbst als Zahnarzt arbeitet. Er sagte MDR JUMP:

Prof. Dr. Dietmar Oesterreich - Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer und selbst praktizierender Zahnarzt
Bildrechte: imago images / allefarben-foto

Wichtig ist, dass Kinder die motorischen Fähigkeiten fürs Zähneputzen entwickeln. Das heißt: Man sollte schon am Anfang mit den Kindern mit der Handzahnbürste putzen lernen. Trotzdem spielen auch elektrische Zahnbürsten eine wichtige Rolle. Mit denen können gleich gute oder bessere Ergebnisse in kürzerer Zeit erreicht werden.

Für Android-Smartphones und iPhones gibt es inzwischen eine ganze Menge kostenloser Zahnputz-Apps. Die können aus Sicht von Dietmar Oesterreich helfen, Kinder zum ausdauernden und sorgfältigen Putzen zu animieren:

Der Spaß beim Zähneputzen soll gefördert und erhalten werden. Alles was die Technik berührt, was die Mundhygiene berührt und die Zahnflächen: Das wird in Apps dargestellt und auf die Länge der Putzaktion ist das durchaus eine sinnvolle Maßnahme, die das unterstützt.

Volkskrankheit Kreidezähne

Bei bis zu dreißig Prozent der 12-jährigen sind aktuell die Zähne von der Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) betroffen. So lautet die medizinische Bezeichnung für „Kreidezähne“. MIH ist eine Strukturanomalie, die durch eine Mineralisationsstörung ausgelöst wird. Das heißt, die Oberfläche der Zähne ist teilweise oder ganzflächig aufgeraut und porös. Die Zähne können schon beim Kauen bröseln und sind schmerzempfindlich gegen Kaltes und Heißes. Derzeit sei man sich noch nicht sicher, ob die MIH-Fälle zunehmen oder ob nur genauer hingeschaut werde, sagt Christian Gernhardt:

Auch die Ursache ist nicht zu hundert Prozent geklärt: Sind Kunststoffe schuld, Aluminium und andere Dinge.

Hier müsse weiter geforscht werden.

Dieses Thema im Programm Die MDR JUMP Feierabendshow | 17. April 2019 | 14:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. April 2019, 13:43 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP