Stiftung Warentest kritisiert unsichere Kinderprodukte
Bildrechte: Imago/Florian Gärtner

Stiftung Warentest: Jedes vierte Kinderprodukt nicht sicher

06.12.2018 16:18

Buntstifte, elektronische Kinderspielzeuge, Autositze: Laut Stiftung Warentest haben besonders viele Produkte für Kinder schwerwiegende Sicherheitsmängel. Die Tester kritisieren vor allem, dass die Produkte deutlich unsicherer sind als die für Erwachsene.

Stiftung Warentest kritisiert unsichere Kinderprodukte
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Fast 300 Produkte speziell für Kinder hat Stiftung Warentest in den letzten beiden Jahren genau geprüft. Fast 80 davon hatten "schwerwiegende Sicherheitsmängel", kritisieren die Tester. Sie fanden etwa Hochstühle, aus denen kleine Kinder herausrutschen können, Kinderwagen mit möglicherweise krebserregenden Schadstoffen oder Kindersitze mit zu großen Mengen Flammschutzmittel im Bezug. Auch bei Buntstiften, Spielschleim, Autokindersitzen und Laufrädern wurden sehr häufig Mängel gefunden. Gefahr droht Kindern laut Stiftung Warentest auch durch smarte Spielzeuge wie intelligente Roboter oder Plüschbären, die mit Smartphones gekoppelt werden. Einige dieser so genannten "Smart Toys" könnten gehackt werden und Dritte die Kinder abhören oder Einladungen senden.

Kein Zusammenhang zwischen Preis oder Marke und Qualität

28 Prozent der Kinderprodukte sind laut Stiftung Warentest "mangelhaft". Damit sind die Produkte deutlich unsicherer als die für Erwachsene. Hier waren es insgesamt nur rund sieben Prozent. Laut den Testern fallen immer wieder auch teurere Kinderprodukte oder Spielzeuge von Markenherstellern aus Deutschland in den Tests mit Sicherheitsproblemen auf. Der Preis oder die Herkunft biete also keine Orientierung, sagte Dr. Holger Brackemann von Stiftung Warentest bei MDR JUMP:

Holger Brackemann von Stiftung Warentest
Bildrechte: Stiftung Warentest

Wer auf Nummer sicher gehen will, der kann einmal auf das GS-Siegel, auf "Geprüfte Sicherheit" achten. Das verpflichtet die Hersteller, dass das Spielzeug von unabhängigen Dritten überwacht wird. Zudem sollte man beim Kauf alle Sinne einschalten: Spielzeug, was auffällig riecht, was schlecht verarbeitet ist, was leicht Farbe beim drüber reiben lösen kann, dass sollte man im Laden lassen.

Zudem sei die Liste der Stiftung Warentest mit den unsicheren Produkten kostenlos im Internet einsehbar.

Hersteller müssen reagieren

Holger Brackemann von Stiftung Warentest kritisiert zudem, dass es beispielsweise auf Kinderspielzeug viel zu selten verlässliche Gütesiegel gebe:

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD, im Bild links), Holger Brackemann (Bereichsleiter Untersuchung bei der Stiftung Warentest) und Hubertus Primus (Vorstandsvorsitzender Stiftung Warentest) bei der Vorstellung der Ergebnisse zur Sicherheit von Kinderprodukten
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Das ist häufig ein wirtschaftliches Problem. Spielzeug wird meist recht preiswert verkauft und es gibt ein riesiges Angebot. Und ein Spielzeug zu untersuchen, dass würde einen mittleren vierstelligen Betrag pro Spielzeug erfordern. Dazu sind viele Hersteller oder Importeure nicht bereit.

Die Tester fordern die Hersteller auf, aktuelle Erkenntnisse bei der Entwicklung ihrer Produkte zu berücksichtigen und diese regelmäßig zu kontrollieren. Das Problem sei seit Jahren bekannt. Außerdem sei die EU gefordert. Die solle nicht nur für Spielzeug, sondern für alle von Kindern genutzten Produkte Mindest-Anforderungen für die Sicherheit festlegen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 06. Dezember 2018 | 19:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2018, 16:18 Uhr

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